Kernen Bowl-Skaterbahn: Attraktion über den Landkreis hinaus

Eine Bowl ist wie eine große Schüssel, in und entlang der die coolen Mädels und Jungs mit ihren Boards gleiten und schanzen. Foto: Pixabay.com / CC0 Public Domain

Kernen-Rommelshausen. Bei den Kosten haben die Kernener Gemeinderäte geschluckt: 200 000 Euro für eine Skate-Bowl-Anlage unterhalb des Sportvereinszentrums halten einige für überzogen. Zumal der Investitionsplan 150 000 Euro vorsieht und die alte BMX-Bahn wiederkommen soll. Doch die trendige Bowl hat eine Mehrheit überzeugt. Die Anlage verspricht, für Skater über den Landkreis hinaus ein Hotspot zu werden.

Nicht nur die Kernener Skater und BMX-Fahrer sind begeistert, auch der Planer Peter Rottach vom Karlsruher Büro Elke Ukas freut sich über sein Werk: „Ich kann Ihnen versprechen, da werden viele von außen kommen. Auch Scooter funktionieren da.“ Der alte Wunsch der Kernener Szene nach einem mit Obstacles besetzten Skate-Park ist nun in doppelter Hinsicht hinfällig geworden. Den Standort Jugendhaus konnte ihnen Planer Peter Rottach ausreden, denn der Vorplatz am Juze sei zu klein. „In zehn Minuten waren die überzeugt, dass die Lage im Fitnesspark die überzeugendste ist: gut erreichbar und trotzdem leicht daneben mit dem nötigen Lärmabstand zum Haus Edelberg.“ Bei zwei Workshops mit Bikern und Skatern wurde auch der Wunsch nach einer Bowl, übersetzt Schüssel, laut, eine nicht kaputtbare Anlage aus Stahl und Spritzbeton, die an einen Vulkantrichter erinnert. Die Firma sage: Das funktioniert.

Planer Rottach: „Das findet man nicht überall“

Zehn bis 15 Jugendliche gehören zum harten Kern der Kernener Skaterszene. „Sie alle wollen eine Bowl, keinen Skaterplatz“, weiß Planer Rottach. „Das ist etwas Besonderes, das findet man nicht überall.“ Der wichtigste Vorteil: ein kontinuierliches Fahrerlebnis ohne Unterbrechungen. Anders als in einem klassischen Skaterpark mit seinen aufgesetzten Hindernissen sind hier durchgehende Fahrten mit vielen Tricks in Folge möglich. Damit unterscheide sich die Bowl auch von anderen Skateranlagen in unserer Umgebung. Die in den USA in den 50er Jahren von Surfern erfundene Sportart, oft in ausgedienten Pools praktiziert, sei keine „Trendsportart“, beschwichtigte Rottach jene Gemeinderäte, die befürchten, hier würden 200 000 Euro in einem trendigen Strohfeuer verbrannt, an dem die Skater in zwei Jahren wieder die Lust verlieren. Realschulkonrektor Andreas Wersch (CDU) sieht derzeit jedenfalls keine Schüler mehr mit Skatern. Erich Ehrlich (SPD) erinnerte daran, dass die Kernener Jugend 2013 einen ebenen Skaterpark gefordert habe. Er warte nur darauf, dass in zwei Jahren wieder etwas Neues angesagt sei. Eine Fehlinvestition? „Nachwuchs wird es dafür immer geben“, widersprach der Planer. „Diese Sportart hat sich fest etabliert. Es gibt Weltmeisterschaften. Es boomt und hört nicht auf.“

Eine Bowl für Skater, Biker, Inliner und Scooter

Auch wenn die Aktiven keinen Kontakt zu Jüngeren im Ort haben, könne davon ausgegangen werden, dass es Nachwuchs gibt, versicherte ein Sprecher der Gruppe im Gemeinderat. Ein weiterer Vorteil der Bowl: Sie könne von Skatern, Bikern, Inlinern und Scootern befahren werden.

Die Kosten in Höhe von 200 000 Euro verschlug einigen Gemeinderäten denn doch den Appetit auf die Anlage. Irmgard Möhlmann (CDU) stimmte dagegen. Das Gremium hatte sich nach einem Antrag von SPD-Mann Andreas Pfänder auf eine verbindliche Deckelung der Ausgaben auf 200 000 Euro verständigt mit der Maßgabe, dass sich die Skater mit Eigenleistungen beteiligen. „Die 200 000 Euro halte ich“, versprach Rottach, „aber wenn ich die Anlage minimieren müsste, funktionierte sie nicht mehr.“ Bürgermeister Altenberger setzt auf Sponsoren, Förderzuschüsse wird es keine geben. Die Anregung von SPD-Gemeinderat Christoph Schönleber, die Anlage beschränkt auszuschreiben, weil nicht jeder sie bauen könne, hält der Planer für sinnvoll. „Die Spritzbetonflächen muss man mit der Hand shapen. Das ist fast alles Handarbeit. Deshalb sollte man die Anlage beschränkt ausschreiben.“ Gestern erklärte der Dipl.-Ingenieur auf Anfrage der WKZ, bis Ende des Jahres werde die Detailplanung abgeschlossen sein. Er schätze, dass die maximal vier bis fünf Monate dauernden Arbeiten Mitte 2018 starten könnten.

CDU-Gemeinderat Helmut Heissenberger sorgt sich um die Unfallhaftung. Beigeordneter Schaal beruhigte: Die Anlage wird vom Tüv abgenommen. Die Erfahrung zeige, dass auf Bowls und Skaterplätzen „relativ wenig schwere Unfälle entstehen“.

Was ist eine Bowl?

Bowls und Pools sind der Inbegriff des Oldschool-Skateboardings. Ursprünglich kam man in den USA auf die Idee, in trockengelegten Swimmingpools zu skaten. Diese Art von Pools gibt es in Europa selten. Allerdings gibt es hier schon modellierte Bowls. Sie verfügen meist über verschiedene Tiefen und unterschiedlich hohe Übergänge, ideal für längere Fahrten.

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