Kernen Felix Leyde kämpft für sein Cannabis

Bio-Bauer Leyde lässt seine Cannabis-Körner in drei grünen Bottichen trocknen. Foto: Schechinger/ZVW

Kernen-Rommelshausen. „Legalize it“ wäre das falsche Motto. Denn was Biobauer Felix Leyde am Sonntag erstmals geerntet hat, ist kontrollierter und genehmigter Nutzhanf. Drei grüne Kübel mit einer Tonne Hanfkörner stehen auf seinem Hof. Leyde wird einen Teil pressen lassen. Hanfsamen, eiweißstarke Kraftpakete, die man dem Müsli beigeben kann, sind gesund. Trotzdem verbietet ihm Stuttgart den Verkauf auf dessen Wochenmärkten.

Felix Leyde strahlt vor Glück, obwohl er keinen Joint geraucht hat. „Die Leute müssen lernen: Hanf ist eine einfache landwirtschaftliche Kulturpflanze, garantiert untersucht und genehmigt“, versichert der Biobauer. Die Ernte ist gut ausgefallen. Dass ihm besorgte Eltern schon die Polizei schickten, weil deren Kids, die auf Leydes Hanfacker Verstecken spielten, die gezackten Blätter als Blumenstrauß mit heimbrachten, kann er gerade noch verstehen. Zumal ein kurzer Anruf der Polizei bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung genügte, um klarzustellen, dass er genehmigten Nutzhanf und kein Rauschmittel züchtet. Der Anteil an berauschendem Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) in diesen Pflanzen ist minimal.

Auf dem Stuttgarter Wochenmarkt darf er nicht verkaufen

Leyde hatte auf seinem einen Hektar großen Feld in der Hangweide zu drei Viertel den ausgewachsen vier Meter hohen, industriell verwertbaren Faser-Hanf Finola ausgesät. Auf der Restfläche wächst das kleinere Körner-Cannabis Fedora. Mit dem Mähdrescher ernten konnte er nur Finola, der die braunen Hanfkörner ebenfalls trägt. Der kleinere, eineinhalb Meter hohe Fedora zog Unkraut an und ist nicht nutzbar. Weil Felix Leydes Hanfsamen von kontrollierten Cannabis-Stauden stammen, aus denen das Rauschmittel Tetrahydrocannabinol (THC) fast vollständig herausgezüchtet wurde, sind sie völlig harmlos. Von Droge keine Spur. Zum Verzehr empfiehlt sich, die eiweiß- und vitaminreichen Hanfsamen, wahre Kraftpakete, Teig- und Backwaren oder einem Joghurt beizugeben. In jedem Biomarkt liegen solche geschälten Hanfkörner eingetütet im Regal. Leydes Kundschaft auf dem Stuttgarter Wochenmarkt muss sich eigentlich keine Sorgen machen.

„Reine Willkür“?

Gleichwohl untersagt ihm die Geschäftsführung der Märkte Stuttgart GmbH, in Heumaden und in Zuffenhausen, wo Leyde wöchentlich seinen Stand aufstellt, seine Hanfprodukte zu verkaufen. „Die haben Angst“, sagt Leyde, „das ist reine Willkür.“ Wenn er bisher zur Dekoration Kübel mit Cannabis-Blättern oder Hanfsamen an seinen Ständen auf- und ausstellte, wurde er argwöhnisch angegangen. „Ich werde jetzt noch einmal mit dem zuständigen Bürgermeister Michael Föll reden, denn das kann ja nicht ernst gemeint sein“, sagt der Biobauer trotzig. Helfe das nicht, wolle er seinen Rechtsanwalt einschalten.

Wohlgerüche aus Cannabis-Dampf

Erstmals rund eine Tonne der braunen Körner hat er mit dem Mähdrescher am Sonntag geerntet. Sie müssen getrocknet und gereinigt werden. Aus den Blättern lässt sich Tee herstellen. Mit der Ihringer Ölmühle sei er derzeit im Gespräch, seine Ernte zu pressen, sagt Leyde. Falls er damit mehr erlösen sollte als mit Getreide, wolle er den Betrieb in Richtung Hanfanbau umstellen. Leyde rechnet vor, dass er für Nutzhanf Fördermittel des Landes und der EU einstreicht, gleichzeitig aber auf Herbizide und Fungizide verzichten kann. Auch damit spare er Geld. Ihm, dem Kernener Pionier, fiel in seinem ersten Cannabis-Jahr auf, dass Leute sogar auf seinen Acker kamen, um Fedora-Blätter zu schneiden. „Die destillieren und verdampfen das. Mit dem Wasserdampf nutzen sie den Geruch.“

Vier Meter hoher Hanf

Da er Fedora-Samen wegen des Unkrauts nicht ernten konnte, wird Leyde ihn abmulchen müssen. Das ist das Lehrgeld der ersten Saison. „Ich werde in Zukunft nur noch die großen Hanfstauden säen. Da kann ich beides nutzen, die Körner und die Fasern.“ Allerdings sind auch deren Stängel nicht komplett nutzbar. Die Finola-Stangen werden unten so hart, dass der Mähdrescher sie auf einem Meter Höhe kappen musste, um das Dreschwerk zu schonen. Der Rest blieb zurück wie ein hohes Stoppelfeld.

Bis zu vier Meter steigt der Finola-Hanf in die Höhe. Deshalb taugt das Feld aus Leydes Sicht auch als Labyrinth für Familien und Kinder zur Remstal-Gartenschau 2019. Ohnehin offenbarten sich schon jetzt nach dem Abmähen sehr viele, offenbar von Kindern geschaffene Gänge in dem Cannabis-Hain. „Da waren Kinder unterwegs. Aber dann steht gleich die Polizei da.“

Superfood

Hanf gehört zu jenen Lebensmitteln, die sich durch ihre ungewöhnlich hohe Nährstoffdichte auszeichnen und deren Nähr- und Vitalstoffe in so ausgewogener Form vorliegen, dass man sie auch Superfoods nennt.

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