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Kernen Kernen als Heimat mitgestalten

Ute Heinle und Moritz Seifert. Foto: Widmann/ZVW

Kernen-Stetten. Architektur beeinflusst, was als Heimat wahrgenommen wird. Diese schlichte These hat der Architekt Moritz Seifert am Mittwoch als Ausgangspunkt für einen Vortrag über den „Lebensraum Kernen“ genommen. Im Museum unter der Yburg sprach er darüber, wie sich die Ortsteile verändert haben und wie Entwürfe für Neues entstehen. Er rief die Zuhörer auf, sich Meinungen zu bilden und einzubringen.

Ein auffälliger Neubau, ein uriges Fachwerkhaus, eine Kirche, ein Sportplatz, ein Park: Gebäude und deren Zwischenräume bestimmen das Flair eines Ortes mit. Sie können Straßenecken und Gebiete heimelig machen oder fremd, können bei Passanten Neugierde oder Unverständnis, Begeisterung oder Unmut wecken.

Vorher-Nachher-Bild: Den Balken in der Mitte verschieben, um den Vergleich zu sehen.

Beim Vortrag „Lebensraum Kernen“ hat Moritz Seifert, ein Stettener Architekt und Mitglied des Heimatvereins, Schlaglichter auf die Veränderungen der Kernener Ortsteile geworfen. Damit wollte er seine Zuhörer zum Nachdenken anregen: Darüber, was für sie Heimat ausmacht, gerade auch architektonisch. Welche Ecken im Ort sind wichtig? Was sollte erhalten bleiben? Was kann, darf, sollte verändert werden? Und wo haben die Veränderungen ihre Grenzen?

In der Vergangenheit sind alte Quartiere mit Fachwerkbauten und engen Gässchen um neue Wohngebiete erweitert worden: um Häuser mit eierschalenfarbenem Putz, Flachdächer, ungewöhnliche Gebäudeformen, regelmäßigere Straßen. Kleine Ladenflächen wichen Wohnungen.

Auch jetzt verändert sich viel in Kernen: In Rommelshausen besiedelt ein neues Unternehmen das Industrieareal der Firma Rüsch. In Stetten wird der Bereich vom Schlosspark über die Klosterstraße bis in die Weinberge anlässlich der Remstalgartenschau aufgehübscht. Mehr noch: Ein ganzes Quartier, die Hangweide, wird sich in der Zukunft von Grund auf verändern.

In Kernen verändert sich viel: Vom Rüsch-Areal bis zur Hangweide

Mit jeder dieser architektonischen Veränderungen wandelt sich Kernen als Lebensraum, als Heimat. Solcher Wandel ist unvermeidlich, er gehört einfach als selbstverständliche Entwicklung zum Lauf einer Ortsgeschichte dazu. Davon zeigte sich Seifert überzeugt. Warum also nicht dabei mitmischen, warum nicht daran mitwirken? Er rief seine Zuhörer im Museumskeller dazu auf, ihren Wohnort aktiv mitzugestalten: Sie sollen mit offenen Augen durch ihre Wohnorte gehen, auf Problemstellen hinweisen und sich Verbesserungen ausmalen.

Ein Gespür für den Ort

Architekten machen es nicht anders, zeigte er in seinem Vortrag: Sie schauen sich einen Ort an, seine Umgebung, versuchen, ein Gespür für ihn zu entwickeln. Dann müssen sie ihre Ideen mit den Vorstellungen der Bauherren, dem finanziellen und dem Zeitbudget sowie gesetzlichen Vorgaben unter einen Hut bekommen. Idealerweise sollte dabei immer der Mensch im Mittelpunkt stehen, so Seiferts Anspruch. Mit einem entsprechenden Zitat aus der Einleitung der Bayrischen Berufsordnung – Seifert hat in München studiert – stieg er in seinen Vortrag ein: „Der Architekt muss bei seiner Arbeit die Lebensbedürfnisse des Einzelnen und die der Gesellschaft berücksichtigen.“

Konkrete Vorschläge für die Kernener Ortsteile

So interessant die Kernaussage des Vortrags war: Konkreter hätte er sein können. Ute Heinle, die Vorsitzende des Heimatvereins, klärte im Lauf der anschließenden Diskussion einige Male auf, was Seifert mehr unterschwellig denn in klaren Worten mitteilte. Alle beide sind Architekten, haben aber trotzdem tunlichst vermieden, konkrete Vorschläge für die Kernener Ortsteile zu machen. Zwei Zuhörer, der Grüne Andreas Stiene und der Bauamtsleiter Horst Schaal, forderten sie zu klareren Aussagen auf – erfolglos. Auf Schaals Frage reagierte Seifert regelrecht patzig: Der Vortrag sei absichtlich so geplant worden, wie er nun eben war. Heinle reagierte auf die Nachfrage unserer Zeitung gelassener: Es komme ihnen nicht zu, konkrete Forderungen zu stellen. Es sei mehr darum gegangen, Neugierde bei den Bürgern zu wecken.

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