Kernen-Rommelshausen Eine Aussichtsplattform ohne Aussicht?

Noch sind die Bäumchen jung und klein. Aber was, wenn sie groß sind? Foto: Palmizi/ZVW

Kernen-Rommelshausen. Mandelbäume am Aussichtspunkt Harthau? Eine „Schnapsidee“ nennt Erika Vogel vom Vorstandsteam des Schwäbischen Albvereins in Rommelshausen das. Sie befürchtet, dass die frisch gepflanzten Stämme den Wanderern die Sicht versperren. Der Verantwortliche Horst Schaal beschwichtigt: „Das sind keine Riesenbäume.“

Erika Vogel, Mitglied im Vorstand des Schwäbischen Albvereins Ortsgruppe Rommelshausen, kann es nicht fassen: Ausgerechnet an ihrem Lieblingsplatz, dem Plateau im Harthau, wurden sieben Hochstamm-Laubbäume eingesetzt. Diese schränken, so Vogel in einem Leserbrief, „künftig die fantastische Aussicht vom Harthau ein, dem schönsten Platz in Rommelshausen“. Mindestens ein-, zweimal die Woche kommt Erika Vogel auf Spaziergängen am Harthau vorbei. Seien die Bäume erst einmal gewachsen, sei die Hälfte der Aussicht futsch, klagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung: „Nach Fellbach sieht man gar nichts mehr.“

Horst Schaal verteidigt das Konzept

Wer für diese „Schnapsidee“ verantwortlich sei? „Sicher nicht der extra für die Gartenschau angestellte Eventmanager“, schimpft die Rommelshausenerin ironisch. Der Adressat: Wolf Grünenwald, der Kernener Mr. Gartenschau. Tatsächlich nimmt in diesem Fall ein anderer alter Bekannter Erika Vogels den Ball auf: Horst Schaal, der ehemalige Beigeordnete, der noch immer als Gartenschau-Honorarkraft für die Gemeinde Kernen im Einsatz ist. Er sagt: Die Bäume sind Teil des Konzepts.

Neben den 1000 Rosen, die entlang der Wanderrouten in den Weinbergen gepflanzt wurden, sollen insgesamt 29 Süß- und Krachmandelbäume an markanten Plätzen erblühen – zum Beispiel bei der Yburg, unterhalb des Pflückgartens und eben am Harthau. Pflücken erwünscht: Die Mandeln, die hier wachsen, haben laut Schaal eine weiche Schale und lassen sich von Hand aufbrechen. Was die Aussicht angeht: „Das sind keine Riesenbäume mit Riesenkronen“, verteidigt Schaal sein Konzept, „wenn man auf dem Bänkle sitzt, kann man über diese Mandeln hinwegsehen.“ Lediglich die Sicht in Richtung Fellbach sei leicht eingeschränkt, der Korber und der Kleinheppacher Kopf hingegen seien weiterhin bestens sichtbar.

Schon einmal hatte das Rathaus die ehemalige UFW-Gemeinderätin in puncto Harthau gegen sich aufgebracht – als die Verwaltung bei den Arbeiten am Aussichtspunkt einfach eine Sitzbank des Albvereins abräumte und durch eine – laut Vogel: ungesunde und unpraktische – Mauer ersetzte. 2017 war das, die Rentnerin stattete der Gemeinderatssitzung einen Besuch ab und rüffelte die Entscheidungsträger.

Vereinsbänkle ist noch eingelagert

Über die abgeräumte Bank ärgert sich Vogel noch heute – auch weil diese, obwohl der Albverein mehrere Standorte vorgeschlagen habe, bis heute nicht an anderer Stelle wieder aufgestellt worden sei.

Horst Schaal gesteht: Ja, die Bank sei noch immer beim Bauhof eingelagert. Sie werde aber wieder aufgestellt. Das habe er Erika Vogel schließlich versprochen – „Bis zur Gartenschau haben wir noch fünf Monate Zeit.“


Erika Vogels Rundumschlag

Erika Vogels Rundumschlag geht über den Harthau hinaus. „Keiner unserer Vorschläge für unser Naherholungsgebiet wurde unterstützt: Walderlebnispfad zum Kernen, Zugang zum Bach für Kinder, Blumenwiese im Masvingo-Park, Wanderpfade und Wanderwege in Wald und Flur für die Bevölkerung wieder begehbar herstellen. Außer zwei Besichtigungsterminen – nichts!“, schreibt sie. Einen Grund dafür sieht sie offenbar in der Struktur des Gemeinderats: „Von 22 Gemeinderäten/innen wohnen sieben in Rommelshausen, 15 und der Schultes in Stetten.“

Das sieht die Kernener Verwaltung natürlich ganz anders. Auch in Rommelshausen habe sich in den vergangenen Jahren und Monaten viel getan, hält Horst Schaal dagegen. Ideen wie die Blumenwiese im Masvingopark könnten auch nach der Gartenschau noch umgesetzt werden: „Wir können nicht alles auf einmal machen.“ Die Wanderwege rund um Kernen, die Erika Vogel so am Herzen liegen, sollen im Frühjahr noch einmal überprüft werden, kündigt Schaal an.

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