Kernen-Rommelshausen Technischer Fortschritt macht Spinnstuben obsolet

Noch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts haben sich Rommelshausenerinnen bei Freunden in der warmen Stube getroffen. Doch wenige Jahre später, in den 30er Jahren, waren Spinntreffen nicht mehr üblich. Zeit seines Lebens habe er von keiner Karzstube in Rommelshausen gehört, sagt der 1935 geborene Gustav Käfer. Er ist bekannt für sein ortsgeschichtliches Wissen.

Vor 107 Jahren kam das elektrische Licht

Wieso die Lichtstuben aus Rommelshausen verschwunden sind, lässt sich nicht mit absoluter Gewissheit sagen. Ihre Bedeutung dürften sie jedoch nicht zuletzt durch den technischen Fortschritt verloren haben. Vor 107 Jahren, nämlich 1910, hielt elektrisches Licht Einzug in Rommelshausener Privathaushalte.

Von da an war es nicht mehr nötig, im schummrigen Schein teurer Kerzen zu arbeiten. Man konnte es sich eher leisten, daheim in der Wohnstube zu arbeiten, ohne auch nur das Haus zu verlassen – und ohne erst noch den Segen von Pfarrer oder Schultheiß einholen zu müssen.

„Rommelshausen war eine Industriegemeinde“

Auch die Industrialisierung trug ihren Teil bei. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts waren immer leistungsfähigere Spinn- und Webmaschinen entstanden, die eine Massenproduktion in der Textilindustrie ermöglichten. So verbreiteten sich vorgefertigte Baumwollgarne und -tuche.

Eine Rolle könnte auch die wirtschaftliche Entwicklung des Orts gespielt haben, vermutet Ute Heinle, Erste Vorsitzende des Heimatvereins Kernen: „Rommelshausen war eine Industriegemeinde“, sagt sie. „Man hatte da die Möglichkeit, das ganze Jahr durchzuarbeiten.“

Entwicklung weg von der Landwirtschaft

Bauersfrauen hätten im Winter eher Zeit gehabt, Heimarbeiten zu erledigen und Geschichten zu erzählen, so ihr Gedanke. Die Entwicklung weg von der Landwirtschaft hängt auch mit der Remstalbahnlinie zusammen, die in den 1860ern gebaut wurde.

Bahnarbeiter zogen zu, 1891 bekam Rommelshausen eine eigene Haltestelle, Angestellte konnten zur Arbeit pendeln. 1906 dann verlegte August Rüsch den Stammsitz seiner Gummiwarenfabrik von Bad Cannstatt in den 1600-Seelen-Ort. 1907 folgten eine Postagentur, ein Telegrafendienst, ein öffentlicher Fernsprecher. Rommelshausen wurde modern.

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