Kernen So viel gibt Kernen für die Remstal-Gartenschau aus

Die Arbeiten auf dem Spielplatz im Stettener Täle sind schon weit fortgeschritten. Nur die Boulderwand fehlt noch. Foto: Schechinger / ZVW

Kernen. Klosterstraße, Schlosspark, Mobilitätsstation, Bike-Tower. Die Liste der Gartenschauprojekte ließe sich noch um etliches verlängern. In der Summe sind es Investitionen in Höhe von 8,45 Millionen Euro, ein Betrag, der sich um 2,06 Millionen aus Fördertöpfen verringert. Da BM Altenberger Bauvorhaben wie die Klosterstraße nicht als Gartenschauprojekt ansieht, verringert sich nach seiner Rechnung das Volumen auf rund drei Millionen. Durch Zuschüsse seien die fast gedeckt, sagt er.

 

 

Die Kosten der Gartenschau sind ein schöner Anlass zum Streiten. Zudem kursieren widersprüchliche Zahlen. Etwa die des TV Stetten, der zehn Millionen Euro ansetzt, eine Summe, die das Rathaus umgehend korrigiert hat. Da sind aber auch Unbekannte, etwa zur Abrechnung von Livekonzerten, weil heute keiner vorhersagen kann, ob alle Veranstaltungen durch die Remstal-Card und Eintrittskarten finanziert sind. „Wir streben hier eine hohe Deckung durch Einnahmen an“, sagt Stefan Altenberger. Zur Durchführung defizitärer Veranstaltungen stellt das Rathaus einen Topf mit maximal 450 000 Euro bereit. Unsicher ist nämlich auch der Förderbedarf von Vereinsevents wie die DAV-Sonnwendfeier im Harthau, die von einer Big Band bespielt werden könnte. Der Einsatz von Solisten würde zusätzliches Geld kosten. Das Rathaus hat in diesen Fällen finanziellen Beistand aus besagtem Topf zugesagt.

Alles zusammengezählt erreichen die Bauinvestitionen 8,5 Millionen

Unbenommen der variablen Kosten für das Unterhaltungsprogramm an 164 Tagen im Jahr 2019 stehen die vom Gemeinderat beschlossenen Bauinvestitionen in Höhe von knapp 8,5 Millionen Euro fest. Altenberger zieht von dieser hohen Summe für Baumaßnahmen von der Steigstraße über die Herzogliche Kugelbahn bis zur Mobilitätsstation Rommelshausen rund 2,06 Millionen Euro an Zuschüssen aus diversen Fördertöpfen ab. Rund 300 000 Euro fließen definitiv als Kernener Umlage an die Gartenschau-Zentrale in Schorndorf. Altenberger betont, dass dieser Betrag über Landeszuschüsse wieder zurückkommt. Fest stehen zudem ungefähr 80 000 Euro Honorarkosten pro Jahr für den Kernener Mister Gartenschau Wolf Grünenwald. Sein Vertrag läuft über drei Jahre.

"Eh da"-Projekte wären ohnehin gebaut worden

Dass das Rathaus die Aufwendungen für die Remstal-Gartenschau von den 8,5 Millionen auf drei Millionen herunterrechnen kann, ist sogenannten „Eh da“-Projekten geschuldet. Beispiel: die Stettener Klosterstraße (1,97 Millionen Euro) oder die Steigstraße einschließlich Kleine Steige und Untere Burgsteige (1,51 Millionen Euro). Altenberger argumentiert, sie wären ohnehin gebaut worden. Für diese Umgestaltung von Verkehrsflächen hätte Kernen freilich nicht die hohen Fördergelder aus dem Landessanierungstopf erhalten, wäre sie nicht offensiv als Teil des Maßnahmenpakets Gartenschau 2019 deklariert worden.

Bekanntlich firmiert die Achse zwischen Schlosspark und Yburg als Spazierweg für Gartenschau-Besucher unter dem Motto „Kernen und das Haus Württemberg“. Aus dem Landessanierungsprogramm fließt ein Zuschuss in Höhe von 470 000 Euro für die Klosterstraße, 185 000 Euro für die Steigstraße mit Kleiner Steige und Burgsteige.

„Wir haben die Anträge immer mit der Landesgartenschau begründet“

Für den Bürgermeister steht fest, dass die Einbettung von Kernener „Eh-da“-Projekten in die Landesgartenschau Fördergelder in dieser Höhe erst ermöglicht hat. „Wir haben die Anträge immer mit Gartenschau begründet. Es war klar, dass wir alle möglichen Töpfe anzapfen können für die Landesgartenschau.“ Beispiel: die Stettener Ortskernsanierung. Nach drei Tranchen ist bei Förderanträgen gewöhnlich Schluss. „Dass wir eine vierte Rate gekriegt haben, die wir normalerweise nicht erhalten hätten, hängt mit der Gartenschau zusammen.“ Allerdings warnte der Stettener OGL-Fraktionsvize Christof Leibbrand gestern davor, Zuschüsse aus Stuttgart als wohlfeile Geschenke zu sehen, die auf Bäumen wachsen. Natürlich wirkten sie sich kostenmindernd für Kernen aus, aber „Zuschüsse sind Steuergelder. Sie werden von uns Bürgern aufgebracht“.

Kernen braucht Zuschüsse zu den "Eh da"-Maßnahmen

In vielen Fällen ist es schwer, Investitionen in Stein, Beton und Asphalt auf 2019 zu reduzieren, obwohl sie für die Gartenschau getätigt werden. Sie sollen nachwirken. Das gilt auch für Neues wie den Winterweinweg. Wie das fürs Wengerthäuschen am Dichterblick aussehen könnte, ist für viele eine offene Frage. Schlussendlich bleiben nach Altenbergers Rechnung drei Millionen Euro Kosten für reine Gartenschau-Bauprojekte. Diesen Aufwendungen stellt er „Zuschüsse aus allen Bereichen“ einschließlich derer für die Klosterstraße gegenüber. Sie deckten die drei Millionen fast in derselben Höhe. Eine Mischkalkulation, die nahelegt, dass Kernen die Zuschüsse zu den „Eh-da“-Maßnahmen braucht.


„Der Funke ist noch nicht übergesprungen“

CDU-Gemeinderat Benjamin Treiber geht es wie SPD-Fraktionschef Hans-Peter Kirgis: Das von Gartenschau-Manager Wolf Grünenwald ein Jahr vor dem Start der Remstal-Gartenschau vorgestellte Programm beeindruckt durch Fülle und Vielfalt. Aber es sei höchste Zeit, so Kirgis, „dass der Funke überspringt, dass es ein gutes Angebot ist“. Grünenwald gab beiden recht, mahnte als erfahrener Gartenschau-Organisator aber, das Feuer, wenn es einmal entfacht ist, ein Jahr am Brennen zu halten, sei schwierig.

Fest stehen die Termine für die zwei Highlight-Wochen in Stetten und Rommelshausen: 15. bis 21. Juli und 26. August bis 1. September, wobei sich an diese Sequenz ortsbezogener Veranstaltungen unmittelbar die Theaterwoche im Stettener Klettergarten mit den „Fieberträumen des Herrn Mauch“ anschließt. Welche Highlight-Woche in welchem Ort spielt, steht noch nicht fest.

Gleich am zweiten Tag der Remstal-Gartenschau, 11. Mai, wird die umgestaltete Klosterstraße eingeweiht. Wolf Grünenwald betonte gestern, die von der Unteren Naturschutzbehörde erhobenen Einwände zur Kugelbahntrasse seien durch einen veränderten Verlauf lösbar. „Die Kugelbahn führt an einem Naturdenkmal vorbei. Deshalb haben wir das Problem.“ 

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