Kernen Stall für bedrohte Schafe kostet 61.000 Euro

Für Kinder sind Christine Brenchers vom Aussterben bedrohte Schafe immer ein großes Erlebnis. (Archiv) Foto: Palmizi/ZVW

Kernen-Stetten. Kernen baut für die 30 bis 40 vom Aussterben bedrohten Mutterschafe von Christine Brencher einen Schafstall für 61 000 Euro. Dass Steuergelder in dieser Höhe in die Arbeit einer Schäferin gesteckt werden, ist wegen des möglichen Anreizes für Nachahmer im Gemeinderat nicht unumstritten. Doch Brenchers Einsatz für Beweidungsprojekte und den Stettener Schafwanderweg unterscheidet sie von andern. Darum bekommt sie die Halle.

Nach eingehender Debatte votierten 15 Gemeinderätinnen- und räte für den Bau einer Wolf-Systembauhalle am Krebenweg. Drei enthielten sich der Stimme, zwei lehnen das Vorhaben ab. Der 20 Meter lange Schafstall mit Satteldach und Holzrahmenkonstruktion wird auf einer Wiese beim Hochwasserdamm erstellt werden. 200 Quadratmeter überdachter Nutzfläche erlauben es Christine Brencher, 30 bis 40 Muttertiere mit ihren Lämmern, allesamt vom Aussterben bedrohte Tiere, überwintern zu lassen. Waldschafe, braune Bergschafe, Kärntner Brillenschafe und rauwollige Pommersche Landschafe sind seltene Schafrassen. Sie werden an vier Standorten während der Remstal-Gartenschau zu den Attraktionen des Stettener Schafwanderweges zählen. Die Schafe sind Brenchers Eigentum, die sie mit Zuschüssen der Gemeinde für ihre Beweidungsprojekte auf aktuell über vier Hektar Streuobstwiesen und das Projekt Schafwanderweg gekauft hat.

Überwintern sollten die Tiere ursprünglich in dezentralen Unterständen mit einer Größe von jeweils maximal 20 Kubikmeter. Das Landratsamt machte einen Strich durch die Rechnung. Zwei der Standorte bei der Brunnenwiesenquelle, die als Wasserschutzzone II ausgewiesen ist, sind aus Gründen des Grundwasserschutzes für einen Schafstall nicht zulässig. Laut Beigeordnetem Peter Mauch befürchtet das Landratsamt Beeinträchtigungen der Wasserqualität. Schultes Altenberger war davon ausgegangen, dass die dezentrale Überwinterung der Tiere an drei, vier Unterständen, wie Brencher sie geplant hatte, funktionieren würde. Damals habe es geheißen: „Die Schafe übernachten im Freien“.

Jetzt kommt es anders. Das Rathaus fand in Absprache mit der Schäferin eine gemeindeeigene Fläche außerhalb der Schutzzone, die auch deshalb als Standort gut taugt, weil der Abstand zur Stettener Wohnbebauung so groß ist, dass es nicht zu Geruchsbelästigungen kommen wird. Am Krebenweg wird auch das Schafschurfest stattfinden. Schäferin Brencher muss für die Nutzung der Halle 300 Euro Miete im Jahr entrichten. Zudem wird die Beweidung des künftigen Hochwasserdamms als geldwerte Gegenleistung angerechnet.

Kommunale Mittel für Brenchers öffentlichen Einsatz

Eine breite Mehrheit im Gemeinderat trägt die Entscheidung mit, denn der öffentliche Beweidungsauftrag, der ehrenamtliche Einsatz für den Schafwanderweg 2019, das von zahlreichen Bürgern mitgetragenen Schafschurfest und die Spinnstube verleihen Brenchers Arbeit einen öffentlichen Charakter. Doch da ist die Befürchtung, dass Anträge anderer Tierhalter auf einen von der Gemeinde finanzierten Unterstand auf dem Fuße folgen könnten. „Nicht dass jetzt Folgeanträge kommen“, sagte Stefan Altenberger, „ich lege mir mal 40 Ziegen zu und beantrage einen Ziegenstall. Ich will nicht, dass nächste Woche der nächste Beweider um die Ecke kommt.“

CDU-Gemeinderat Walter Zimmer warb für mehr Transparenz. „Die Gemeinde soll einmal sagen, wie viele Pächter bei uns Flächen bewirtschaften. Wir müssen den Leuten vermitteln, warum die einen es umsonst machen, und die andere kriegen eine Halle.“ Ebbe Kögel (PFB) unterstützt den Schafstall: „Das ist eines der wenigen Gartenschauprojekte, die nachhaltig sind. Da ist das Schafschurfest. Und es gibt eine große Resonanz. Wenn man Schäfle anschafft, muss man sie auch unterbringen. Und Frau Brencher schafft ja ehrenamtlich.“

Landratsamt lehnt Rundbogenhalle ab

Gebäude im Außenbereich sieht das Landratsamt dann kritisch, wenn keine Landschaftspflege mit Tierhaltung vorliegt. Sprich: Würde das Stettener Beweidungsprojekt auslaufen, müsste die Halle wieder abgerissen werden.

Ein Stall mit 200 Quadratmetern Grundfläche kommt weitaus teurer als die vier einfachen, dezentralen Unterstände, die Schäferin Brencher für ihre Herde einmal geplant hatte. Deshalb fiel zunächst als billigste Alternative die Wahl auf eine Rundbogenhalle, die 31 000 Euro kosten würde. Die Halle wird ohne Fundamentierung auf der Erde verankert. Die Konstruktion ist aus Stahl, die Bedachung aus einer Polyethylen-Gewebefolie. Auch diesen Hallentyp lehnt die Baurechtsbehörde aus gestalterischen Gründen ab. Die Alternativen kommen jedoch deutlich teurer.

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