Kernen/Waiblingen Wie ein Taxifahrer mit der Corona-Krise umgeht

Themistoklis Avgitidis vor einem seiner Funk-Taxis: Er hat eine Plexiglasscheibe einbauen lassen, zum Schutz von Fahrern und Gästen. Foto: Privat

Kernen/Waiblingen.
Die Coronavirus-Krise bedroht viele mittelständische Unternehmen in ihrer Existenz – das gilt auch für das Taxigewerbe. Themistoklis Avgitidis ist Unternehmer und Taxifahrer aus Überzeugung. Der 50-Jährige hat im Alter von 21 angefangen, Menschen von A nach B zu bringen. Seit 13 Jahren sitzt seine kleine Firma in Kernen. Hier hat er drei Taxis im Einsatz, ein weiteres fährt in Waiblingen, ein Kleinbus komplettiert seinen Fuhrpark. „Das Nachtgeschäft ist fast zum Stillstand gekommen“, sagt Avgitidis im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seit Bars und Restaurants geschlossen haben, sind fast alle seine Kunden weggebrochen. „Es ist nicht mehr viel übrig geblieben, außer die Krankentransporte“, sagt Avgitidis. „Wir fahren hauptsächlich noch Krebspatienten, die ins Krankenhaus zur Chemotherapie müssen, Dialyse-Patienten mit schwachem Immunsystem oder ältere Menschen, die einen Arzttermin haben.“ Viele seiner Fahrgäste bekommen die teilweise überlebenswichtigen Fahrten von der Krankenkasse bezahlt.

Plexiglasscheibe als provisorischer Schutz zwischen Fahrer und Gast

Weil es gerade für diese Personengruppe tödlich sein kann, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, hat Themistoklis Avgitidis auf eigene Faust Schutzmaßnahmen ergriffen. In drei seiner Autos ließ er zwischen den Vorder- und Rücksitzen Plexiglasscheiben einbauen, wie sie mittlerweile auch an vielen Supermarktkassen zu sehen sind. „Zum Schutz der Fahrer, aber hauptsächlich der Menschen, die zur Risikogruppe gehören“, erklärt der 50-Jährige.

Ein Wagen soll zudem eine extra Telefonnummer bekommen und nur noch besonders gefährdete Menschen auf unbedingt notwendigen Fahrten transportieren. Hier hat Themistoklis Avgitidis aber noch ein Problem. Natürlich würden die Taxis regelmäßig geputzt. Desinfektionsmittel für die Hände habe er auch in ausreichender Menge vorrätig, aber: „Wir sind kein Krankenwagen. Uns fehlen der Leitfaden und die Mittel, um die Autos richtig zu desinfizieren. Wir kämpfen gegen einen Feind, den wir nicht sehen können.“

„Ich muss meine Firma retten“

Seine Fahrer und er tragen mittlerweile Schutzmasken und Handschuhe, sagt Avgitidis und schickt unserer Zeitung ein Foto, das ihn in voller Montur vor einem seiner Autos zeigt. Von den Kunden werde das sehr positiv aufgefasst. Es signalisiere ihnen, dass die Fahrer für das Thema Ansteckungsgefahr sensibilisiert seien. „Es gibt aber auch noch Leute, die lachen uns aus, wenn sie uns mit Maske im Auto sitzen sehen“, sagt Avgitidis.

Die Lage sei ernst, sagt der Taxifahrer, auch für ihn, sein Unternehmen und die Fahrer, die er beschäftigt. Doch zu resignieren kommt für ihn längst nicht infrage. „Ich muss meine Firma retten. Wir müssen uns wandeln. Meine Mitarbeiter sind permanent im Risiko. Aber wir müssen fahren, wir haben eine große Verantwortung. Wir sind die letzte Meile. Man sollte die Arbeit der Taxifahrer anerkennen.“

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