Klischees über Berufe Jana Luka: Eine Drogenfahnderin, die Liebesromane schreibt

Jana Lukaschek alias Jana Lukas kennt als Polizistin und Autorin viele Klischees. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen. Sie ist Kriminalhauptkommissarin und Rauschgiftfahnderin, daneben schreibt sie aber auch erfolgreich romantische Liebesgeschichten. Jana Lukaschek alias Jana Lukas ist eine Frau, die viele Klischees kennt und auf die keines zutrifft. Zum Beispiel, dass Romaneschreiben nur ein nettes Hobby ist. Ist es nicht, sondern harte Arbeit am Schreibtisch. Und als Polizistin ist Jana Lukaschek weder ein Sesselfurzer, wie manche ätzen, noch ein Rambo.

Ach, Sie schreiben Romane? Ein nettes Hobby, hört Jana Lukaschek immer wieder. Unter dem Pseudonym Jana Lukas schreibt die 43-Jährige Liebesromane, die nicht etwa im Selbstverlag, sondern beim etablierten Heyne-Verlag verlegt werden. Dass sie als Autorin Erfolg hat, schützt sie vor Klischees keineswegs. „Es ärgert mich, dass viele denken, dass man so etwas spaßeshalber nebenher machen könne“, sagt sie.

In Wirklichkeit sei das Romanschreiben mit sehr viel Arbeit und Disziplin verbunden und die Arbeit mit einem Verlag wie Heyne hoch professionell. „Ja, am Anfang war das Schreiben schon ein Hobby und eine Art Leidenschaft“, räumt sie ein. Inzwischen sei es aber viel mehr: „Jetzt ist es ein weiterer Beruf.“

Schreiben kann sie überall

Um mehr Zeit für ihren Zweitberuf zu haben, hat die 43-Jährige ihre Arbeit bei der Drogenfahndung auf 75 Prozent reduziert. Konsequent und diszipliniert schreibt sie an ihrem freien Tag, abends oder am Wochenende an ihrem Roman. 30 Seiten in der Woche – nicht mehr und nicht weniger –, und kümmert sich ansonsten um Dealer und Drogendelikte.

Wer so lebt, entspricht nicht wirklich dem Bild einer einsamen Autorin, die in ihrem Elfenbeinturm versponnen an ihrem Roman schreibt. Als sehr geerdet beschreibt sich Jana Lukaschek, die übrigens überall schreiben kann - auch im Straßencafé oder im Wolleladen.

Reich werde man nicht vom Schreiben

Was stimmt, sei das Klischee von der immer und überall Ideen sammelnden Schriftstellerin: „Es kann schon passieren, dass ich mit Freunden im Café sitze und meine Aufmerksamkeit an den Nebentisch abschweift, weil ich da was Interessantes höre, das ich in einem Roman verwenden kann.“ Statt selbst zu lesen, ist sie für ihre Bücher jetzt viel unterwegs, recherchiert, korrespondiert und trifft sich mit anderen Autoren. „Reich wird man nicht vom Schreiben“, sagt sie. „Aber mein Horizont hat sich wahnsinnig erweitert.“

Auf ganz andere Klischees als die Autorin Jana Lukas trifft Jana Lukaschek, die Polizistin. Ganz furchtbar findet sie die Vorurteile, die in den Fernseh-Krimis verarbeitet werden – „ich kann keinen Tatort gucken“. Polizisten seien normale Menschen, keine Rambos, aber auch keine mit einer ausgeprägten Beamtenmentalität, die „mit dem Blaulicht zum Metzger fahren“, wie ihr schon vorgehalten wurde.

Polizisten wirken solide und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit

Auf ihrer Dienststelle im Polizeipräsidium Stuttgart werde Respekt großgeschrieben. Überhaupt, sagt sie, die Polizei gebe es nicht: „Es ist immer der Mensch.“

Anders als die Klischees über Autoren, begegnen ihr die über Polizisten ständig im Alltag. „Diese Klischees bewegen sich zwischen ,Polizei, dein Freund und Helfer’ und einem ausgewachsenen Feindbild“, weiß sie aus 24-jähriger Berufserfahrung. Das Feindbild findet sie ungerecht und es stört sie. „Die Leute erleben eine bestimmte Situation auf der Straße und denken ,der böse Polizist’, ohne zu wissen, was los ist.“

Manche Passanten scheuten sich nicht, einzugreifen, uniformierte Polizisten würden auch angegriffen. Die andere Seite: Polizisten wirken solide und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit, weshalb sie etwa als Mieter gern gesehen seien, erzählt die Waiblingerin. Manche Vermieter treten sogar direkt an die Polizei heran, wenn sie eine Wohnung zu vermieten haben. Den Freund und Helfer wollen eben viele gern im Haus haben.

Früher sei sie streitbarer gewesen

„Die Frage ist, wie geht man mit den Klischees um“, sagt Lukaschek. Heute kann sie meist gelassen über Feindseligkeit hinwegsehen. Früher sei sie streitbarer gewesen, habe sich manchmal auch persönlich angegriffen gefühlt. Ihre Heile-Welt-Romane, in denen am Ende das Gute siegt und die Heldin den Helden bekommt, seien kleine Fluchten für sie: „Das tut gut. Das ist das, was ich mir wünsche.“ Weshalb sie im Fernsehen sonntags folgerichtig lieber Rosamunde Pilcher als Tatort sieht.

Andererseits muss sie als Polizistin auf dem Boden der Realität stehen, die Dinge genau sehen, bewerten und beurteilen können, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das wiederum hilft ihr beim disziplinierten Schreiben. Denn das sei nun wirklich kein nettes kleines Hobby.


Ein tolles Team

Zur Polizei wollte die gebürtige Sächsin schon immer. Nach dem Abitur kam sie zur Ausbildung nach Baden-Württemberg, nach dem Studium an der Polizei-Hochschule in Villingen-Schwenningen direkt ins Drogendezernat nach Stuttgart. „Für mich ist das die perfekte Dienststelle“, schwärmt sie. „Wir sind ein tolles Team und die Arbeit macht Spaß.“

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