Kommentar zum Kabak-Transfer "Michael Reschke hat ein Glaubwürdigkeitsproblem"

VfB-Sportvorstand Michael Reschke Foto: Galm / ZVW

Mit gewohnt markigen Worten hat Sportvorstand Michael Reschke eine Beteiligung des FC Bayern am Transfer von Ozan Kabak von Galatasaray Istanbul zum VfB Stuttgart zurückgewiesen: "Das ist eine Ente, die einer in den Teich gesetzt hat - und zwar vollkommen ohne Quelle und mit boshafter Absicht." Der Kicker hatte berichtet, dass die Münchner - ähnlich wie einst bei Werder Bremens Verpflichtung von Serge Gnabry - auch beim Kabak-Transfer ihre Finger im Spiel hätten. 

Viele Fans nehmen dem Rheinländer nach den "Wahrheitsbeugungen" der jüngsten Vergangenheit diese Aussagen aber nicht ab. Getreu dem Motto: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." Der 61-Jährige hat ein Problem. Ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Reschke: "Ich kann damit gut leben"

Der Wechsel von Simon Terodde zum 1. FC Köln ("Simon Terodde ist ganz weit weg davon, sich einen neuen Verein zu suchen"), der Transfer von Daniel Ginczek zum VfL Wolfsburg ("Es gibt nullkommanull Kontakt zwischen den Vereinen. Für meine Begriffe ist das eine Ente") und jüngst die Entlassung von Tayfun Korkut ("Die Frage nach dem Trainer stellt sich nicht") sind drei Beispiele aus dem vergangenen Jahr.

Mit der Wahrheit nimmt es der Stuttgarter Sportvorstand nicht allzu genau - und diese Einstellung vertritt er auch offensiv: "Es geht immer um das, was in der aktuellen Situation für den VfB Stuttgart das Beste ist. Wenn dann mal ein, zwei Fälle passiert sind, wo eine massive Wahrheitsbeugung vielleicht vorgelegen hat, dann ist das einfach so", sagte er nach dem Korkut-Rauswurf. "Ich kann gut damit leben. Ich glaube, dass ich sehr glaubwürdig bin im Vorgehen und vielen Aussagen, die ich treffe." Oder prägnanter formuliert: Ich lüge, bin aber sehr glaubwürdig.

Auch Werder Bremens Manager Frank Baumann hatte 2016 eine Transferbeteiligung der Bayern am Gnabry-Deal entschieden zurückgewiesen: "Der FC Bayern spielt bei einem möglichen Wechsel keine Rolle. Serge Gnabry möchte für uns spielen." Ein Jahr später wechselte Gnabry zum Rekordmeister... 

Der 61-Jährige gibt sein Verhalten offen zu

Lügen gehören in der Bundesliga zum Geschäft. Das ist den meisten auch bewusst. Nur kommt es selten so brutal und offensichtlich zum Vorschein wie beim Stuttgarter Sportvorstand. Michael Reschke gibt, ohne das Wort Lüge zu benutzen, sein Verhalten offen zu. Und kündigt an, dass unter Umständen weitere Lügen folgen. Nach dem Wechsel von Simon Terodde nach Köln im Winter 2017 sagte er: "Wenn es sein muss und im Sinne des VfB Stuttgart ist und im Sinne von Spielern ist, dann werde ich von diesem Recht die Wahrheit zu beugen auch weiter Gebrauch machen. Auch wenn es für den einen oder anderen danach schwerer zu verarbeiten ist."

Das ist eine völlig legitime Haltung. Gutheißen muss man diese Art und Weise seinen Job zu erledigen allerdings nicht.

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