Kommunalwahl in Urbach Entlastungen für die Ortsdurchfahrt

Wurde verlängert bis zum Bahnhof: Die Steinbeisstraße in Urbach, hier an der Brücke über den gleichnamigen Bach. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. Bis zu 13 000 Fahrzeuge rollen täglich durch die Urbacher Hauptstraße. Und eine Entlastung ist vorerst nicht in Sicht. Zwar gibt es Pläne für eine südliche Entlastungsstraße, doch die wäre nicht nur teuer – sie ist unter den Kommunalpolitikern der Gemeinde auch ziemlich umstritten.

„Der Durchgangsverkehr von Plüderhausen auf die B 29 stellt ein echtes Problem dar“, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Die ungünstige Anbindung des Nachbarorts an die Bundesstraße führe dazu, dass viele Autofahrer zunächst den Weg über Urbach nehmen. Einfache Lösungen für die dadurch entstehende Verkehrsbelastung gebe es aber nicht. Weil im Regionalverkehrsplan die B 29 bereits als Umgehungsstraße für beide Kommunen gelte. Und es daher keine erhöhte Priorität gebe, eine Entlastungsstraße im Süden von Urbach zu unterstützen.

„Solange die Refinanzierung nicht gewährleistet ist, werden wir das nicht umsetzen“

Mittelfristig umsetzen möchte Fehrlen die Straße trotzdem. Mit der Verlängerung der Steinbeisstraße bis zum Bahnhof sei ein erster Schritt getan. Doch die Maßnahme, die mit Sicherheit „sehr teuer“ werde und selbstredend Fläche verbrauche, sei nur möglich, wenn die finanzielle Situation der Gemeinde dies auch zulasse. „Solange die Refinanzierung nicht gewährleistet ist, werden wir das nicht umsetzen“, sagt Fehrlen. In die Planung gehen wolle sie mit dem kommenden Gemeinderat indes möglichst bald – auch damit die Trassen für eine mögliche künftige Bebauung frei bleiben.

Die Fortführung der Steinbeisstraße sei für die Anbindung des neuen Industriegebiets notwendig gewesen, sagt Ursula Jud (Freie Wähler). Ob die südliche Umfahrung jedoch weitergeführt wird bis zur Verbindungsstraße nach Plüderhausen, „da muss ich ein absolutes Fragezeichen dahinterstellen“. Das hänge vor allem davon ab, ob die Gemeinde das finanziell stemmen kann – und ob es entsprechende Zuschüsse gibt. Auch die Bahn habe dabei wegen der Überführung noch mitzureden.

Die Lösung des Problems liegt auch in Plüderhausen

Wogegen sich ihre Fraktion jedoch verwehre, das sei eine Bündelung des Auto- und Radverkehrs in der Mühlstraße. Die Straßenbreite gebe das nicht her – außerdem stünden durch die Stuttgarter Holzbrücke jetzt neue, weniger stark befahrene Strecken zwischen dem Nord- und Südteil der Gemeinde zur Verfügung.

Der entscheidende Schlüssel zur Verkehrsentlastung liege letztlich in Plüderhausen, von wo ein Großteil des motorisierten Verkehrs komme. Doch da dort mit Hohrain/Gländ demnächst ein neues Wohngebiet entstehe, sei künftig eher mit mehr als mit weniger Verkehr zu rechnen.

„Eine weitere Umfahrungsmöglichkeit braucht es nicht“, sagt hingegen Burkhard Nagel (Grüne). Dadurch würde sich nur der Verkehr verlagern, wovon mehr die Plüderhäuser als die Urbacher profitierten. Eine zusätzliche Straße würde außerdem mehr Verkehr anziehen. Der Durchgangsverkehr ließe sich besser durch einen ausgedehnten Rückbau der Hauptstraße und Tempo 30 im ganzen Ort reduzieren. Im Nachbarort seien zudem neue Bahnunterführungen oder -überführungen unerlässlich.

Auch müsse die Mobilität insgesamt neu gedacht werden. Um den Fuß- und Radverkehr attraktiver zu machen, sollten die Empfehlungen aus dem Radverkehrskonzept möglichst bald umgesetzt werden.

Steinbeisstraße als Entlastungsstraße?

Die Attraktivität der Urbacher Mitte, die auch Kunden aus Nachbarorten anziehe, sei ein Grund für die Verkehrszunahme, sagt Detlef Holzwarth (CDU). Auch ein von vielen gewünschter Drogeriemarkt würde für noch mehr Verkehr sorgen. Gerade deshalb müsse Urbach künftig von reinem Durchgangsverkehr befreit werden. „Dies geht nur über die südliche Entlastungsstraße.“ Parallel dazu müsse die Hauptstraße zwischen Elektro-Härer und dem Kreisverkehr attraktiver für Fußgänger gestaltet werden und dabei ausgewogen innerörtliche Parkplätze geschaffen werden.

Die Steinbeisstraße als Entlastungsstraße würde außerdem neue Möglichkeiten für einen innerörtlichen Busshuttle und Bus-Ringverkehr bieten. Dadurch ließe sich der Individualverkehr reduzieren. Auch der innerörtliche Radverkehr müsse gefördert und an dem Bewusstsein gearbeitet werden, dass mit etwas mehr Zeit auch viel zu Fuß erledigt werden könne.

Einen Schnellradweg an der Mühl- und Haubersbronner Straße lehnt die CDU jedoch ab, „da wir glauben, dass damit Autos schneller und bequemer die Straße nutzen werden“.

„Umfahrung ja – solange es für die Gemeinde stemmbar ist“

„Ein zweischneidiges Schwert“ sei die geplante, südliche Entlastungsstraße, findet Joachim Habik (SPD). Zum einen, weil die Entlastung der einen eine Belastung anderer Bürger bedeuten würde (in der Quellstraße formiere sich bereits Widerstand). Zum anderen, weil eine solche Lösung die Kommune teuer zu stehen komme – und eine Förderung des Landes eher unwahrscheinlich sei. „Das könnte die Gemeinde überfordern“, befürchtet Habik. Prinzipiell wünschenswert wäre die Straße aber aus seiner Sicht schon. Zumal sie, sollten „In der Au“ weitere Industrieflächen hinzukommen, durchaus notwendig wäre.

„Umfahrung ja – solange es für die Gemeinde stemmbar ist“, lautet daher die Position der SPD-Fraktion. Denkbar ist für die Fraktion darüber hinaus auch eine weitere Temporeduzierung in der Hauptstraße. Um den Verkehr zu entlasten, sei aber auch der Ausbau der Radwege notwendig – solange dieser nicht zulasten der Autofahrer geschehe. Einen Radweg an der Mühlstraße lehnt daher auch die SPD ab.

Die Bürgerliste Urbach (BLU) hält grundsätzlich nichts von der südlichen Umgehungsstraße. „Die Umgehungsstraße für Urbach heißt B 29“, teilt die Gruppierung in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Eine weitere Straße bedeute zusätzlichen Flächen- und Landschaftsverbrauch und ziehe tendenziell noch mehr Verkehr an.

Der Durchgangspendlerverkehr sollte auf die B 29 gelenkt werden

Angesichts des geplanten Neubaugebietes in Plüderhausen sei mit einer weiteren Verkehrszunahme für Urbach zu rechnen. Deshalb solle die Ortsdurchfahrt so unattraktiv wie möglich gemacht werden. Der Durchgangspendlerverkehr sollte auf die B 29 gelenkt, der öffentliche Nahverkehr und das Radwegenetz gestärkt werden.

„Grundsätzlich müssen die Rechte und die Sicherheit der Fahrradfahrer im Straßenverkehr gestärkt werden, nur so lassen sich mehr Personen zum Wechsel vom Auto zum Rad bewegen“, so die BLU. Wie dies in Urbach konkret erfolgen kann, müsse in einem Konzept, zu dem es bereits Vorarbeiten gebe, erarbeitet werden. Straßen, die sowieso zu sanieren sind, sollten dabei bevorzugt berücksichtigt werden.


Relevantes Problem

In kaum einer Kommune, die von uns im Rahmen der Wahl repräsentativ befragt wurde, war das Ergebnis so eindeutig: 108 von 370 Befragten nannten die Ortsdurchfahrt als wichtigstes Problem. Gefolgt von der Gartenschau (44 Nennungen), der weiteren Entwicklung von Urbach-Nord (40 Nennungen), bezahlbarem Wohnraum (zehn Nennungen) sowie den hohen Wasserverlusten im Leitungsnetz (fünf Nennungen).

  • Bewertung
    6

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!