Kommentar Ball flach halten

Kommentar von Redakteurin Andrea Wüstholz Foto: dpa, Daniel Bockwoldt / Montage: ZVW

Es kommentiert: Andrea Wüstholz

Das Fatale an einer Veröffentlichung wie dieser: Sie spielt den Falschen in die Hände. Diejenigen, die es schon immer wussten, werden sich bestätigt sehen: Wie kann Deutschland so dumm sein, sich das gefallen zu lassen?

Einer Veröffentlichung wie dieser folgen stets die üblichen, von der AfD lustvoll geschürten Reaktionen. Zielführender wäre es, den Ball flach zu halten. Es handelt sich um Einzelfälle. Ja, es sind aufsehenerregende Einzelfälle. Aber Einzelfälle.

Dennoch widmen die Medien den Einzelfällen Schlagzeilen – siehe diese Zeitungsseite. Wir halten es inzwischen für angebracht, die Polizei anzurufen und bei Schlägereien oder Diebstählen auch nachzufragen: Welche Nationalität?

So weit ist es gekommen.

Die AfD hat es geschafft, dass wir alle wie gebannt auf ein- und dasselbe Thema starren und dabei die wirklichen Probleme aus dem Blick verlieren, meinte jüngst ein Kollege resigniert.

Recht hat er. Deutschland hat drängendere Sorgen, als sich pausenlos an Einzelfällen aufzureiben. Der Pflegenotstand verdient viel mehr Aufmerksamkeit. Oder die Situation der Menschen, die am Monatsende den Kühlschrank ausschalten, weil eh nichts mehr drin ist.

Es hilft nicht, nun von der neuen Regierung das Unmögliche sofort zu fordern. Jeder entscheidet für sich selbst, welchen Ball er aufgreifen will. Und welchen flach halten.

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