Symbolbild. Foto: Pixabay/CC0 Public Domain

Korb. Die Installation öffentlicher WLAN-Hotspots in Korb hält die Initiative „Bürger für eine strahlungsärmere Zukunft“ für eine falsche Weichenstellung in Richtung mehr Elektrosmog. Ruth Messer und Gertraude Falkenstein bedauern in einem offenen Brief, das Rathaus habe damit dem gefährlichen WLAN-Trend ein weiteres Tor geöffnet. Der Leitbild-Aktivist Udo Krug, der das Projekt begleitet, widerspricht: Die Strahlung eines Routers entspreche dem eines schnurlosen Telefons.

Mit der Installation von aktuell sechs öffentlichen, kostenlosen WLAN-Hotspots in Korb ist die Gemeinde aus Sicht der Bürgerinitiative für eine strahlungsärmere Zukunft auf dem Holzweg. Im Unterscheid zu früheren Entscheidungen, etwa zu Standorten von Mobilfunkantennen, sei dem Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung das Thema Gesundheitsrisiko durch Mobilfunkstrahlung offensichtlich nicht mehr so wichtig. Ein Beleg für diese „bedauerliche“ Entwicklung sieht die Initiative in dem Beschluss, auch öffentliche Bereiche wie Seeplatz und Alfred-Leikam-Garten mit WLAN zu bestücken. Der ständig und in enormem Ausmaß zunehmende Gebrauch von Smartphones, Tablets und Co. bedeute, so argumentiert jedenfalls der Verein, „gleichzeitig auch immer die Zunahme hochfrequenter Strahlung: Der Elektrosmog rund um uns wächst mit der Zunahme der Mobilfunkanwendungen.“

Initiative beruft sich auf Einzelstudie von 2008

In einem Ratgeber-Heft der Umwelt- und Verbraucherorganisation „Diagnose Funk Deutschland“, auf die sich Ruth Meser beruft, wird vor Problemen bei dauerhafter WLAN-Bestrahlung gewarnt. Befindlichkeitsstörungen seien kein Einzelfall. Eine Münchener Studie von 2008 habe ermittelt, dass neun Prozent der an ihr beteiligten Minderjährigen – das entspreche hochgerechnet auf Deutschland mehr als einer Million Kindern und Jugendlichen – sich von Mobilfunkstrahlung beeiträchtigt fühlten. Häufige Symptome: Stress und Kopfschmerzen. Generell gelte die Erkenntnis, so die Broschüre: Elektrosmog-Reduzierungen lassen den Krankenstand reduzieren. Kindergärten sollten deshalb auf WLAN grundsätzlich verzichten und die Nutzung digitaler Geräte vermeiden. Für Grundschulen gelte, dass sie auf kabelgebundene Nutzungen des Internets setzen sollten. Die Bürgerinitiative zitiert hier den Physiologen Prof. Dr. Karl Hecht: „ . . . die Pulsation, insbesondere der WLAN-Strahlung, vermag durch Langzeitwirkung ein WLAN-EMF-Stressgedächtnis zu bilden. Das ist eine ungeheure Gefahr für die menschliche Gesundheit, besonders für Kinder.“

Kritik an den Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung

Was die Nutzung des Internets an Schulen betrifft, warnt der Germanist und Pädagoge Peter Hensinger vor banaler Dressur anstelle von Bildung: „Es gibt keine ,Digitale Bildung’, ebensowenig wie es eine ,Digitale Psychotherapie’ gibt. Bildung hat eine soziale und eine geistige Komponente“, schreibt er. Und hinterfragt kritisch die Rolle der Bertelsmannstiftung, die digitale Lernprogramme zur Optimierung der persönlichen Lernwege empfiehlt, Prozesse, die von komplexen Algorithmen gesteuert werden: „Dass Bertelsmann als einer der größten Händler mit digitalen Profilen die Ausbreitung von Überwachungsprozessen forciert, wundert nicht“, so Hensinger in seinem Aufsatz, der die psychosozialen Gefahren der Mobilfunktechnologe an die Wand malt.

Die Bürgerinitiative fordert Rathaus und Gemeinderat auf, künftig mit mehr Bedacht über ein Mehr an elektromagnetischer Hochfrequenzstrahlung im Ort zu entscheiden. „Vor allem möchte unsere Initiative verhindern, dass WLAN in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen zur Anwendung kommt. Sollte WLAN unumgänglich sein, muss zumindest die strahlungsärmere Variante gewählt werden.“

Udo Klug sagt: „Es gibt keine zuverlässige Studie, die das beweist“

Auch der Mathematiker Udo Klug, der in der Leitbildgruppe „Korb investiert in die Zukunft“ die Einrichtung öffentlicher Hotspots begleitet, ist mit im Verteiler des Brandbriefs. Er hält die Warnungen, was Elektrosmog durch WLAN angeht, für übertrieben. „Es gibt keine zuverlässige Studie, die das beweist“, sagte der Korber gestern. „Da hat ein Professor seine Meinung ausgedrückt. Unter Starkstrom gibt es beträchtliche Strahlung, aber mit einem WLAN-Router ist das nicht vergleichbar. Die Strahlung ist sehr gering. Ein schnurloses Telefon hat die gleiche Bandbreite, die gleiche Wirkung.“ Diese nehme grundsätzlich mit dem Abstand stark ab.

Was WLAN in Kindergärten und Schulen betrifft, habe die Bürgerinitiative seine volle Unterstützung. „Das halte ich für Schwachsinn, ist aber auch nicht geplant.“ Faktisch sei bei den aktuell sechs öffentlichen WLAN-Hotspots in Korb nur ein einziger Router dazugekommen: Der an der Haltestelle Alfred-Leikam-Garten.

Sechs Standorte

Zu den bisher fünf Standorten öffentlicher WLAN-Antennen – Rathaus, Alte Kelter, Seeplatz, Festplatz und Alfred-Leikam-Garten – ist jetzt noch das Bürgerbüro in der Winnender Straße dazugekommen. Die Spots am Leikam-Garten und am Seeplatz sollen den Busfahrgästen via Internet Zugang zu Fahrplänen verschaffen.

  • Bewertung
    13

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!