Korb/Waiblingen Vor Gericht: Korber Kiffer streitet um Bong

Auf seine von der Polizei konfiszierte Bong – eine Wasserpfeife ohne Schlauch, in der Cannabis konsumiert wird – wollte der Angeklagte zunächst nicht verzichten. Foto: Pixabay (CCO Public Domain)

Korb/Waiblingen. Mit einem blauen Auge ist ein Schreiner davongekommen, der in seiner Korber Wohnung Marihuana gezüchtet hat. Weil nur noch vertrocknete, bereits abgeerntete Pflanzen auf seinem Dachboden gefunden wurden, konnte das Gericht nicht ausschließen, dass die Sache verjährt ist.

Eine Geldstrafe muss der Mann trotzdem zahlen: 50 Tagessätze zu je 45 Euro verhängte Richterin Christel Dotzauer am Waiblinger Amtsgericht für den Besitz von 7,3 Gramm Haschisch, also aus Hanfblüten gepresstes, getrocknetes Harz, und 0,9 Gramm Blüten, die bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des 39-Jährigen gefunden wurden. Die Polizei hatte auf dem Dachboden außerdem eine Aufzuchtanlage und bereits abgeerntete Pflanzen entdeckt. Da diese allerdings bereits stark vertrocknet waren und dem Mann nicht widerlegt werden kann, dass der Anbau Jahre zurückliegt, musste das Gericht annehmen, dass dieser Vorwurf verjährt ist – im Zweifel für den Angeklagten.

Vorausgegangen war der Hausdurchsuchung ein Streit des Korbers mit seinem Vermieter. Der wusste offenbar von der Anlage auf dem Dachboden und zeigte den Schreiner an, der mittlerweile nicht mehr im Remstal lebt. Fünf Cannabispflanzen stellten die Beamten insgesamt sicher – alle ohne die wertvollen, weil mit dem Rauschmittel THC versehenen, Blüten. Eine Beamtin rechnete hoch, was die Pflanzen abgeworfen hatten und landete bei circa 100 Gramm. Diese Menge Drogen existiert freilich nur in der Theorie – und spielte letztendlich auch keine Rolle mehr in der Gerichtsverhandlung – wegen der Verjährung. „Ich habe mal angebaut“, gab der Angeklagte zu Protokoll, so circa in den Jahren 2007 bis 2010 sei das gewesen.

Die vertrockneten Pflanzen – also Stängel und Blätter – die bei ihm gefunden wurden, gelten bei Züchtern als Abfall, weil sie kaum THC-Gehalt haben und in aller Regel nicht konsumiert werden. Der Staatsanwalt kündigte dennoch an, er wolle dafür sorgen, dass es zu einer weiteren Gerichtsverhandlung komme. Schließlich ergäben die rund 400 Gramm „Abfall“ bei einem Wirkstoffgehalt von zwei Prozent immer noch rund acht Gramm strafbare Substanz.

Streit um die Bong

Dass der Staatsanwalt eine derart harte Linie fuhr, lag wohl auch am Auftreten des Angeklagten in der Verhandlung. Als er gefragt worden war, ob er auf die sichergestellten Beweismittel verzichten wolle, stellte er sich stur. Neben einem Messer („Sammlerstück“) und einer Schreckschusspistole wollte er auch seine Bong (eine Wasserpfeife ohne Schlauch) partout wieder zurückhaben.

Wenigstens das trieb ihm Richterin Christel Dotzauer vor dem Urteilsspruch noch aus: „Damit könnten Sie die Staatsanwaltschaft milde stimmen“.

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