Mädchen heimlich in Umkleide gefilmt Leutenbach: Kindern soll Befragung erspart bleiben

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Leutenbach. „Relativ gefasst“ haben Eltern beim Infoabend reagiert: Die Polizei hat am Donnerstagabend in Leutenbach Mütter und Väter informiert, deren Kinder heimlich beim Umziehen gefilmt worden sind (wir haben berichtet). Nun geht es darum, die Kinder zu schützen und sie nicht nachträglich in eine Opferrolle zu drängen.

Ein 29-Jähriger aus dem Raum Winnenden ist dringend verdächtig, sich erneut schuldig gemacht zu haben: Ende 2018 wurde der Mann bereits zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt worden war. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich vor Kindern entblößt hatte. Ähnliches wird ihm nun erneut vorgeworfen: Der Mann habe sich mehrmals in Umkleideräumen in Leutenbacher Hallen unter einem Vorwand nackt gezeigt. Mit einer versteckten Kamera habe er Mädchen gefilmt, die Vereinssport betrieben und sich dort umgezogen hatten. Andere Aufnahmen zeigen den Mann bei exhibitionistischen Handlungen.

Keine Befragungen geplant

Laut Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz sind momentan keine Befragungen der Kinder geplant. Der mutmaßliche Täter hat Aufnahmen angefertigt, die für den Nachweis der Taten ausreichen – so die Hoffnung. Dann blieben den Kindern Aussagen erspart. Besonders behutsam sei in solch einem Fall vorzugehen, sagt Ronald Krötz: Die Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren haben wohl von den Aufnahmen nichts bemerkt und beim Anblick eines unbekleideten Mannes in ihren Umkleideräumen an ein Versehen geglaubt. Wenn sie jetzt hinterher erfahren, dass ein mutmaßlicher Straftäter ganz in ihrer Nähe war, könnte das unnötig Ängste auslösen.

Natürlich wissen manche Kinder inzwischen Bescheid. Manche Eltern haben sich entschieden, ihre Töchter genauer über die Vorfälle zu informieren – andere hielten sich bedeckter. Beim Infoabend lautete der Rat laut einem Teilnehmer, „sich sehr zurückhaltend zu äußern“. Nun geht es darum, nach vorne zu blicken, Fragen der Kinder einfühlsam zu beantworten und auf keinen Fall Furcht und Unsicherheit zu schüren.

Am Landratsamt ist die Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt angesiedelt. Vertreter dieser Stelle waren ebenfalls beim Infoabend und boten den Eltern weitergehende, individuelle Beratung an. Allen Beteiligten ist klar, wie ein Teilnehmer weiter berichtet, dass es keinen hundertprozentigen Schutz geben kann. In Leutenbach will man jetzt nicht die öffentlichen Hallen ständig verriegeln.

Der mutmaßliche Täter wird früher oder später wieder freikommen

Beim Infoabend wurden viele Fragen gestellt, und natürlich sind Mütter und Väter besorgt. Der mutmaßliche Täter wird früher oder später wieder freikommen – und dann? Diese Frage treibt viele Betroffene um. Zumal der 29-Jährige schon einmal wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war – und offenbar ganz kurz danach ungehindert wieder straffällig werden konnte.

Im Rechtsstaat werden Straftäter nur in wenigen Fällen für immer weggesperrt. Das Gesetz ordnet Delikten jeweils einen Strafrahmen zu: Sexueller Missbrauch von Kindern ist laut § 176 Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren zu ahnden.

Es wird voraussichtlich noch viele Monate dauern, bis ein erster öffentlicher Gerichtstermin in diesem Fall feststeht. Vor Gericht wird es sicherlich auch darum gehen, inwiefern der Mann therapierbar ist und welche Auflagen in dieser Richtung Sinn machen könnten.

  • Bewertung
    6

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!