Most- und Rettichfest in Bittenfeld TVB-Fest zurück bei den Wurzeln

Dass Sporttreiben und Festefeiern bestens zusammenpassen, beweist alljährlich der TV Bittenfeld. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen-Bittenfeld. Premiere beim Most- und Rettichfest in Bittenfeld: Handballer, die auf einem Fußballrasen ein Großfeldturnier austragen. Das Erlebnis, das der Turnverein Bittenfeld organisiert hat, war demnach „schon ein bisschen eine Sensation“, wie Volker Dezius vom TVB lachend meint.

Strahlender Sonnenschein knallt auf das Spielfeld, auf dem sich Teams aus der ganzen Region die Bälle zuwerfen und ganz schön was zu laufen haben. Denn es sind Handballer, die an die weiten Laufwege nicht gewöhnt sind. Das Großfeldspiel am Samstag ist für Fabian Probst und Teamkollegen Tobias Grimm aus Ostfildern Neuland. „Extrem gewöhnungsbedürftig, vor allem in der Abwehr, weil der Gegner nach dem Prellen noch weiterlaufen darf“, sagt Fabian.

„Man hat viel weitere Wege, die in der Wärme anstrengend sind, aber mehr Pausen und kann öfter mal durchschnaufen“, kommentiert Tobias das spezielle Regelwerk für ein Großfeldspiel, das dem charakteristischen schnellen Handballspiel etwas Tempo herausnimmt. Jeder Spieler darf so oft den Ball aufnehmen, wie er will. „Die „Zweimal-Regel“ vom Hallenhandball ist aufgehoben“, erklärt Volker Dezius, der technische Leiter des TVB. Schwer für den Torwart, der in einem Fußballtor steht und seine Bewegungen auf den großen Aktionsradius ausdehnen muss.

Das Bundesliga-Team baut das Fest hinterher ab

Mit geröteten Gesichtern suchen die Teams nach der Partie den Schatten. Unter den Bäumen, wo die TVB-Helfer etliche Tische rund um das große Bierzelt aufgebaut hatten, lässt es sich gut aushalten. Die seltene Gelegenheit, auf dem Großfeld zu spielen, sehen Fabian und Tobias als gute Trainingsvorbereitung für die nächsten Rundenspiele. „Es ist auch eine tolle Teambuilding-Maßnahme, weil hier sonst noch viel geboten ist und wir als Mannschaft einen ganzen Tag miteinander verbringen“, sagt Tobias.

Auf dem Spielfeld gibt es keinen Leistungsdruck. Das gefällt auch den Schiedsrichtern, die „heute alles nicht so eng sehen“, wie Mohammed Alsayed aus Schwaikheim lachend sagt. Er spielte als Aktiver schon bei den ehemaligen Großfeldspielen mit, aus denen das Most- und Rettichfest einst hervorgegangen sei. Nach Auskunft von Volker Dezius wurde Anfang der 1970er Jahre auf dem Großfeld Handball gespielt. Im Anschluss an eines der ersten Spiele sei man gemütlich beisammengesessen.

„Dazu gab es nichts weiter als Most und Rettich, so kam es zum heutigen Fest.“ Das Fest war beliebt, immer gehörten Handballturniere dazu – allerdings auf dem Kleinfeld. Später wurde ein Holzzelt aufgebaut und abends spielten Bands und Kapellen. Seit knapp zehn Jahren werden die Veranstalter mit einem größeren Aluzelt des Besucherandrangs Herr. In den vergangenen Jahren habe sich das Handballturnier etwas „totgelaufen“, so Volker Dezius. Statt wie in Glanzzeiten, als bis zu 20 Mannschaften das Sportgelände gestürmt hätten, sei die Zahl der Meldungen stetig nach unten gegangen. Bei der Suche nach einem neuen Konzept habe man sich der alten Zeiten besonnen. Mit dem „Großfeld“-Erlebnis wolle man „zurück zu den Anfängen“ und das unter Handballern gefragte Großfeldspiel wieder aufleben lassen.

Das Turnier hat auch einen sozialen Aspekt. Die Handballer sind untereinander gut vernetzt, die meisten treffen an dem Wochenende Bekannte und Mitstreiter wieder. „Es ist wie ein kleines Familientreffen unter Handballern und Schiedsrichtern“, so Volker Dezius. Dass alle den Tag genießen können, dafür wird „quer durch alle Abteilungen“ hinter den Kulissen geschafft. „Ein Großteil von uns hat ein paar Tage Urlaub eingereicht“, so Dezius. Einbezogen in die Organisation sei auch das komplette Bundesliga-Team der ersten Mannschaft, das am Montag für den Abbau zuständig ist.


Spaßturnier und Gute-Laune-Musik

Das Most- und Rettichfest hat seinen Namen nicht von ungefähr: Der Most stammt aus Äpfeln, die zahlreiche Helfer im vergangenen Herbst zusammengelesen und zu Most verarbeitet haben.

Der Rettich wird noch von Hand beidseitig zueinander zu Spiralen geschnitten. „Wir haben einige alte Hasen im Team, die das Messerführen und die Technik noch beherrschen“, sagt Carmen Scholpp vom 30-köpfigen Küchen- und Wirteteam des Most- und Rettichfests.

Das Konzert mit „Birds of a Feather“ am Freitagabend fiel wegen starken Regens aus. Die Band „Wilde 4“ hatte mehr Wetterglück und sorgte am Samstagabend mit einer musikalischen Bandbreite von Schlager, Rock und Pop für mächtig Partystimmung. Am Sonntag klang das Fest musikalisch ruhig aus mit einem Unplugged-Live-Act von Joe Späth.

Der Turnverein Bittenfeld hat im Rahmen des Most- und Rettichfests wie jedes Jahr zu verschiedenen sportlichen Wettkämpfen eingeladen. Bereits um 9 Uhr am Samstag wurden die ersten Partien auf dem Fußballplatz ausgetragen. Und schon am Freitag standen sich Hobbyfußballer aus Bittenfeld auf dem Kleinfeld bei einem Juxturnier gegenüber.

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