Nach Brandlegungen in Kirchberg an der Murr Jugendstrafe für 21-jährigen Ex-Feuerwehrmann

Bei Eintreffen der ersten Einsatzkräfte stand das ehemalige landwirtschaftliche Gebäude, in dem sich jetzt eine Secondhandfirma befindet, nahezu in Vollbrand. Foto: Benjamin Beytekin

Waiblingen. Zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ist ein 21-Jähriger verurteilt worden, der im Frühmesshof in Kirchberg/Murr ein Gebäude in Brand gesteckt und weitere Brandlegungen gestanden hat. Der Mann hatte der Feuerwehr angehört. Ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, ist noch nicht entschieden; der junge Mann hat nun Zeit, Verschiedenes zu regeln. Konflikte mit seinem Stiefvater kamen als Hintergründe für die Tat vor Gericht zur Sprache.

„Ganz genau verstanden haben wir nicht, warum er die Taten begangen hat“, sagte Richter Martin Luippold in seiner Urteilsbegründung am Amtsgericht Waiblingen. Der junge Mann räumte ein, mehrmals Feuer gelegt zu haben. Richter Luippold sprach von einer „rapiden Steigerung der Schwere der Straftaten“. In der Nacht zum 22. September 2018 hatte der damals 20-Jährige eine hintere Tür eines Gebäudes im Weiler Frühmesshof mit einer selbst hergestellten Mischung aus Styropor und Benzin bestrichen und dann Feuer gelegt. Das Gebäude brannte komplett ab.

Enormer Sachschaden

Ein nahe gelegenes Haus, in dem zehn Menschen wohnen, wurde glücklicherweise nicht allzu schwer beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden, doch der Sachschaden ist enorm hoch: Der Besitzer des Gebäudes sprach vor Gericht von 1,25 Millionen Euro, die ein Wiederaufbau kosten würde. Ein Pächter hatte in der ehemaligen Scheune einen Gebrauchtwarenhandel betrieben. Der Brand vernichtete seine Existenz. Der Mann versucht nun mühsam, sein Unternehmen wieder aufzubauen. Ferner waren im Gebäude Oldtimer und andere Fahrzeuge abgestellt. Sie wurden komplett zerstört.
Der Pächter und der Besitzer nahmen die Entschuldigung des Angeklagten während der Verhandlung nicht an. Im vollbesetzten Gerichtssaal kochten zeitweise die Emotionen hoch. Während einer Verhandlungspause kam es vor dem Gerichtssaal zu einem kurzen Tumult. Die Mutter des 21-Jährigen wurde übelst beschimpft.

Früher hatte der Angeklagte selbst im Frühmesshof gelebt, zusammen mit seiner Mutter, seinen Brüdern und dem Stiefvater. Der Kommandant der Feuerwehr, welcher der Brandstifter angehörte, beschrieb den jungen Mann als sehr engagierten und motivierten Kameraden. Auch sein Stiefvater hatte der Feuerwehr angehört, wenn auch zum Zeitpunkt des Brandes nicht mehr als aktives Mitglied. Zwischen dem jungen Mann und dem Stiefvaterkam es öfter zu Auseinandersetzungen.

Eine Serie von Brandlegungen

Wie vor Gericht anklang, hatte der junge Mann sich beim Stiefvater Anerkennung verschaffen wollen, indem er sich beim Löschen der Feuer engagierte, die er selbst gelegt hatte. In ihrem Gutachten schrieb eine psychiatrische Sachverständige, dass der 21-Jährige den Stiefvater als Konkurrenten empfunden habe, der ihm Zuwendung seitens der Mutter streitig machte. Der junge Mann leidet an einer seltenen Erbkrankheit, die vor Jahren zu vielen Krankenhausaufenthalten und einer größeren Operation geführt hatte.

Vor Gericht und auch schon davor hatte der junge Mann, der knapp drei Monate in U-Haft saß, weitere Brandlegungen eingeräumt. Er legte Feuer in Müllcontainern, zündete eine Sitzbank an und setzte ein Strohballenlager in Brand. Die erste Tat verübte er im April 2017. Von August 2018 an folgte dann eine Serie von Brandlegungen. In Kirchberg/Murr geht ein Feuerteufel um, hieß es seinerzeit. Bei zwei Taten war ein Kumpel des jungen Mannes mit dabei; er stand Schmiere. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen Auflagen eingestellt.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte erneut und beteuerte, er bereue die Taten. Er muss sich nun darum bemühen, den Schaden wieder gut zu machen, zumindest zum Teil.

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