Nach Funkmastbrand in Berglen Mobilfunkmast wird wohl abgebrochen

An dem Standort sieht es nach wie vor trostlos aus. Foto: ZVW/Uwe Speiser

Berglen. Die Berglener Handynutzer, die vom Funkmast bei Oberweiler „versorgt“ werden, müssen sich weiter gedulden. Bis der Empfang wieder normal funktioniert, wird es noch einige Zeit dauern. Das räumt auf Nachfrage Benedict Albers, Pressesprecher der Deutschen Funkturm GmbH, ein. Offenbar muss der Mast, der bei dem Brand Anfang des Monats beschädigt wurde, sogar abgerissen werden.

Am späten Abend des ersten Septemberwochenendes war die Außenwand des benachbarten Funkmasthäuschens, die aus Holz besteht, in Brand geraten. Ob die Ursache ein technischer Defekt war oder Brandstiftung, wird seitdem von der Polizei untersucht. Nachdem der Brand von der Feuerwehr gelöscht war, funktionierte der Mast vorübergehend noch, fiel dann aber aus.

Die Mobilfunknutzer der umliegenden Teilorte haben seither nur eingeschränkten Empfang, sind nur begrenzt erreichbar. Daran hat sich in den vergangenen drei Wochen nichts geändert, wie Einwohner von Bretzenacker und Oppelsbohm berichten, die allmählich die Geduld verlieren. Sie sind Kunden und ihr Dienstleister sorgt nicht für Abhilfe.

Unmittelbar nach dem Brand war die Hoffnung noch, dass sich die Folgen in Grenzen halten, zumal der Mobilfunkmast selbst aus Beton ist.

Die Statik ist nicht mehr gewährleistet

Aber dieser Annahme widerspricht Albers. Der Standort sei massiv beschädigt worden, habe in der ersten Woche wegen der intensiven Spurensicherung der Polizei, die aufgrund des Verdachts der Brandstiftung ermittelte, nicht betreten werden können, um den Schaden zu begutachten. Danach sei festgestellt worden, dass durch den Brand die Sendetechnik am Fuß des Masts, die Kabel zu den Antennen und auch der Mast selbst stark in Mitleidenschaft gezogen worden seien, so Albers weiter. Möglicherweise seien auch die Antennen beeinträchtigt.

Gutachter hätten außerdem die Statik des Masts untersucht. Wenn das Ergebnis der Prüfungen vorliege, werde man in Zusammenarbeit mit den Mobilfunkanbietern die beschädigte Technik schnellstmöglich austauschen und den Mast zumindest übergangsweise wieder in Betrieb nehmen, verspricht Albers. Er warnt allerdings, gegebenenfalls sei ein Neubau erforderlich.

Mittlerweile ist der allerdings so gut wie sicher. Ein Ergebnis der Untersuchung ist nämlich, dass es an dem Mast Abplatzungen bis in 30 Meter Höhe gibt, die stellenweise fünf bis acht Zentimeter tief sind, und dass von einer Schädigung der Spannlitzen im Beton auszugehen ist. Beim Neubau muss auch die Anschlussleitung getauscht und neu dimensioniert werden.

Polizei schließt weder Brandstiftung noch einen technischen Defekt aus

Man werde parallel die Alternative prüfen, die Mobilfunkversorgung durch einen provisorischen Mast wiederherzustellen, so Alber weiter. Er weist vorsorglich darauf hin, dass der nicht auf die 40 Meter Höhe des bisherigen Masts komme, was eine „funktechnische Herausforderung“ bedeuten würde. Die Antennen würden deutlich niedriger hängen als zuvor und es bleibe damit zumindest vorerst unklar, in welchem Maße die Versorgung wiederhergestellt werden könne.

Fakt sei also, dass die Folgen des Brands verheerend sind, weil alle möglichen Optionen zur Wiederherstellung des Standorts nicht nur hohe Investitionen erforderten, sondern auch Zeit. Auch im besten Falle sei von mehreren Wochen auszugehen, so Albers weiter.

Noch nicht entscheidend weitergekommen ist auch die Polizei. Die Möglichkeit einer Brandstiftung stehe nach wie vor im Raum, so die Pressestelle auf Nachfrage. Es gebe derzeit aber keinen Tatverdacht. Auch die Möglichkeit eines technischen Defekts als Ursache für den Brand könne weiterhin nicht ausgeschlossen werden.


„Sehr frustrierend“

Eine Oppelsbohmerin berichtet derweil, wohl stellvertretend für viele andere Betroffene, die das Gleiche erleben, sie habe den Eindruck, ihr Anbieter habe kein großes Interesse zu helfen, sie komme bei dem weder per Mail noch telefonisch weiter, zumindest, was ihr Privathandy betreffe.

Beim Geschäftshandy sei es anders, dort sei ihre telefonische Reklamation zumindest aufgenommen worden und ihr sei versprochen worden, sie bekomme Bescheid, wenn sich etwas tue. Eine Aussage, bis wann die Störung behoben sei, habe sie aber auch hier nicht bekommen. Als sie davor per Mail sich beschwert hatte, bekam sie als Antwort zu hören, es sei festgestellt worden, dass die Netzversorgung außerhalb von Gebäuden in den meisten Fällen ausreichend sei im Postleitzahlbereich 73663 (also Berglen). Gleichzeitig verwies ihr Provider skurrilerweise darauf, dass er ja mobiles, also nicht ortsbezogenes, Telefonieren anbiete.

Ergebnis sei also für sie, so die Oppelsbohmerin weiter: „Ich kann mit beiden Handys nicht telefonieren und es kann mich auch keiner telefonisch erreichen“, außerdem gehe natürlich auch SMS-Schreiben oder -Empfangen nicht. Immerhin sei sie vom Ausfall „nur“ betroffen, wenn sie in Oppelsbohm ist. Außerhalb sei alles in Ordnung. Allerdings: Die Frau hat einen Home-Office-Arbeitsplatz und findet deshalb die Situation „suboptimal“ und „insgesamt sehr frustrierend“.

„Für die Leute dort isch es ganz rom“

Der ehemalige Gemeinderat Andreas Hägele und Bürgermeister Maximilian Friedrich, beide wohnen in Bretzenacker, berichten:

Ein weitere Betroffener, der sich gemeldet hat, ist der ehemalige Gemeinderat Andreas Hägele, der in Bretzenacker, also in der nächsten Ortschaft wohnt. Er berichtet von Bekannten, die sehr verwundert darüber seien, dass er seit Wochen nicht auf dem Handy erreichbar ist. Direkt vor Ort, am Absperrzaun der Brandstelle, nahe beim Mobilfunkmast, bekommt man überraschenderweise doch etwas Empfang, allerdings schwachen, wie die Anzeigenbalken auf seinem Smartphone anzeigen. Hägele geht aber davon aus, dass der Empfang ohnehin von woanders herkommt. Weiter unten, wo er wohnt, und ganz unten im Tal herrsche dagegen totale Funkstille: „Für die Leute dort isch es ganz rom.“ Sein Verdacht in Richtung Mobilfunkanbieter, als Grund, warum von denen nichts kommt: „Berglen ist vielleicht für die auch jetzt nicht sooo der Markt.“

Ein anderer, auch persönlich, Betroffener ist Bürgermeister Maximilian Friedrich, der ebenfalls in Bretzenacker wohnt. Es deute nach dem, was er auf seine Nachfrage erfahren hat, vieles darauf hin, dass die Statik des Masts so beeinträchtigt ist, dass er wohl abgerissen werden muss, also ein Neubau erforderlich sei. Auch die Gemeinde, vor allem der Bauhof, sei von dem Ausfall betroffen. Das Rathaus bekomme täglich Beschwerdeanrufe, „aber wir sind ja nicht der Betreiber, wir können das nur weitergeben“. Friedrich schätzt, dass etwa in der Hälfte aller Berglener Teilorte der Mobilfunk nur eingeschränkt funktioniert.

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