Nach Großbrand in Hegnach Große Hilfsbereitschaft für obdachlose Familie

Derzeit leben Herbert Lausterer und seine Familie aus dem Koffer. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Zwei Tage nach dem verheerenden Brand in Hegnach, der die fünfköpfige Familie Lausterer obdachlos gemacht hat, ist die Hilfswelle angelaufen. Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend – vor allem in Hegnach, wo die Familie bei der Feuerwehr, in der Kirchengemeinde, beim Posaunenchor und bei den Landfrauen engagiert war. Derweil ist die Familie dabei, ihr Leben neu einzurichten. Ausweise und Führerscheine müssen neu beschafft, Versicherungsformulare ausgefüllt werden.

Was geht einem durch den Kopf, der vor den Trümmern seines Hauses steht? Sein Zuhause verloren hat, seine Kleider, Bilder, Dokumente, Erinnerungen eines Lebens? Noch haben sich die Bilder der Nacht nicht ganz gesetzt, noch ist die furchtbare Nacht von Dienstag auf Mittwoch nicht verarbeitet. Was Herbert und Ingeburg Lausterer, ihr Sohn Thorsten und ihre Schwiegertochter Stefanie vor allem spüren, ist große Dankbarkeit, dass alle überlebt haben. „Ich war 40 Jahre Feuerwehrmann“, sagt der 63-jährige Herbert Lausterer. Aber so einen Brand habe er noch nie mitgemacht. „Wir hatten 1000 Schutzengel.“

Noch suchen die Kriminaltechniker nach der Ursache des Brandes, der die Familie gegen 23.30 Uhr aufschreckte. Einen Jenseitsschlag habe ihn geweckt, als die Fensterscheiben zerbrachen, erzählt Thorsten Lausterer. „Ich bin raus und habe die Flammen gesehen.“ Seine Frau wickelte das fünf Monate alte Baby Lukas in eine Decke und rannte die Treppe hinunter, während er seine Eltern im Hinterhaus alarmierte. Diese kamen ihm bereits entgegen, nachdem Ingeburg Lausterer das Feuer bemerkt hatte. Als sie zur Haustür raus waren, sei das Dach bereits in Flammen gestanden.

Nur leicht bekleidet standen sie auf der Straße. „Ein Nachbar hat mir Schuhe und eine Decke gebracht“, erzählt Herbert Lausterer. Bereits im Rausgehen habe er im Kopf automatisch den Feuerwehreinsatz seiner Kameraden koordiniert, erinnert sich sein Sohn Thorsten, der stellvertretende Kommandant der Hegnacher Wehr. Als die Wehr dann wenig später tatsächlich eintraf, habe er die noch eingewiesen, sich dann aber zurückgezogen. Die Tränen kamen – und sie kommen auch zwei Tage nach dem Feuer immer wieder. „Eine Minute später, und wir wären nicht mehr rausgekommen“, weiß er.

Einer der alarmierten Feuerwehrmänner war Dirk Lausterer, der jüngere Bruder von Thorsten. Um 21.30 Uhr hätten sie einen Fahrzeugbrand auf der Bundesstraße gelöscht und um 23 Uhr eine Türe öffnen müssen, um ein eingeschlossenes Kind zu befreien. Der junge Feuerwehrmann war noch immer im Einsatz, als er zum Brand in seinem eigenen Elternhaus gerufen wurde. Er entschied sich, nicht mitzufahren, was seine Kameraden sofort akzeptiert hätten. Stattdessen fuhr er nach Hause, holte seine Frau, Kleider und Decken und fuhr dann nach Hegnach. Auch seine Schwester war schon eingetroffen, während Lausterers noch im DRK-Fahrzeug versorgt wurden. Das Baby musste dringend gefüttert werden – die Feuerwehr besorgte Babynahrung. Um 3.30 Uhr war das Feuer gelöscht – doch das Haus war nicht zu retten. Das Elternhaus, in dem Herbert Lausterer und dann seine Kinder aufgewachsen sind, war zerstört.

Man denkt, jetzt gehst du heim, aber man hat keine Heimat mehr

Seinen Hausschlüssel hält er noch in der Hand – das Haus, zu dem er gehört, gibt es nicht mehr. „Man denkt, jetzt gehst du heim, aber du hast keine Heimat mehr“, erklärt Lausterer, der seit Januar in Rente ist, zwei Tage später. 50 Jahre hätten sie gebaut und umgebaut. „Und jetzt ist alles kaputt.“ „Unser ganzes Leben ist weg“, sagt sein Sohn Thorsten Lausterer noch immer sichtlich erschüttert. Auch der Garten sei endlich fertig gewesen, ergänzt Stefanie Lausterer. Fürs erste haben sie sich ein Minimum an Kleidern besorgt.

Bei der Polizei waren sie, bei der Stadt und dem Landratsamt. Für die Versicherung müssen Listen erstellt werden, was an Kleidern und Hausrat alles verbrannt ist. Denn weitergehen muss es ja trotzdem. Psychologische und seelsorgerische Unterstützung wurde ihnen angeboten, doch dazu sei jetzt gar keine Zeit, sagt Thorsten Lausterer: „Du funktionierst.“ Was hilft, ist die Familie. In den Wohnungen von Bruder und Schwester sind sie untergekommen und dort können sie so lange bleiben wie nötig. Dass die Familie so zusammenhält und jeder für einander da ist, das schweiße sie noch mehr zusammen, sagt Ingeburg Lausterer. Dankbar schaut sie auf ihre Familienmitglieder, die alle gesund geblieben sind.

Aber auch in Hegnach ist die Hilfsbereitschaft enorm. Die Kirchengemeinde hat ein Spendenkonto eingerichtet. „Freunde und Bekannte heulen mit uns“, sagt Herbert Lausterer. „Die Dorfgemeinschaft steht.“ Immer wieder klingeln Handys während des Gesprächs. Die Menschen machen sich Sorgen um die Lausterers und wollen helfen. Sogar mehrere Wohnungen seien ihnen schon angeboten worden: „Wir sind so dankbar für die Bereitschaft, uns zu helfen.“


Spendenkonto

  • Bei der Volksbank hat die Kirchengemeinde für die Familie ein Spendenkonto eingerichtet. Nachfolgend nochmals die Kontodaten: IBAN DE94 6009 0100 0670 4330 04, Verwendungszweck Brand Hegnach.
  • Die Volksbank hat 1000 Euro bereitgestellt. Von der Bürgerstiftung Waiblingen kommen ebenfalls 1000 Euro.
  • Wer Sachspenden abgeben möchte, wendet sich an die Feuerwehrabteilung Hegnach, Kommandant Bernhard Stickel.
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