Nach Insolvenz von Busbetreiber Rems-Murr-Kreis sucht neue Betreiber für Knauss-Buslinien

Die Ursache der Knauss-Pleite liegt am System der Ausschreibungen, sagt die Gewerkschaft Verdi. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Das Schorndorfer Busunternehmen Knauss ist pleite. Der Betrieb der Buslinien 242 bis 249 rund um Schorndorf ist nur bis Ende Januar gesichert. Von Februar an wird’s knifflig.

Das Landratsamt sucht zunächst einen Betreiber der Buslinien für ein weiteres halbes Jahr bis Sommer 2020. In dieser Zeit kann das Linienbündel neu ausgeschrieben werden. Diese europaweite Ausschreibung ist zwingend, betont Dr. Peter Zaar, der für den ÖPNV zuständige erste Landesbeamte im Landratsamt. Aber auch für die siebenmonatige Zwischenlösung bedarf es einer Mini-Ausschreibung, was die ursprünglichen Pläne zunichtemachte. Erstens hatte sich nämlich kein Investor gefunden, der die Firma Knauss als Ganzes mitsamt dem Betriebshof, den Bussen und den 50 Busfahrern übernimmt. Und zweitens zerschlug sich aus vergaberechtlichen Gründen die am nächsten liegende Alternative, dass Knauss eben bis Sommer 2020 die sieben Buslinien weiterfährt.

Und was ist mit den Busfahrern?

Schlimm ist diese Situation vor allem für die 53 Busfahrer, sagt Andreas Schackert, Landesfachbereichsleiter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Beschäftigten hatten sich darauf verlassen, dass ihre Arbeitsplätze über den Januar 2020 hinaus gesichert sind. Nun fehlt ihnen die Perspektive. Das kann Folgen haben. Busfahrer sind gefragte Leute. Einen neuen Job zu finden, ist auf dem leergefegten Arbeitsmarkt nicht schwer. In der Jobbörse der Agentur für Arbeit werden im 20-Kilometer-Umkreis von Schorndorf aktuell sechs Stellen angeboten. Würden Knauss-Fahrer wegen der unsicheren Perspektive auf die Schnelle ihren Arbeitsplatz wechseln, könnte der Linienbetrieb nicht mehr aufrechterhalten werden.

Derzeit läuft der Mini-Wettbewerb für den Betrieb von Februar bis Ende August. Ein halbes Dutzend Busfirmen wurden angefragt, ob sie die Knauss-Linien übernehmen wollen, so Zaar. Darunter selbstverständlich die von der Insolvenzverwalterin Nora Sickerlen geführte Firma Knauss selbst. Anfang nächster Woche fällt die Entscheidung.

Am 8. August hatte die Firma Knauss-Reisen Dieter Frank GmbH & Co. KG, Schorndorf, Insolvenz angemeldet. Am 1. Oktober wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Seit Knauss 2017 bei der Neuvergabe der Linienbündel den Zuschlag für die Linien 242 bis 249 im Rems-Murr-Kreis erhielt, schrieb das Unternehmen Monat für Monat rote Zahlen – im Sommer war Schluss. Die Geschäftsleitung zog die Notbremse und meldete Insolvenz an.

Macht Knauss nur den Anfang einer Insolvenz-Serie von Busfirmen?

Für die Gewerkschaft Verdi liegt die Ursache der Knauss-Pleite am System der Ausschreibungen. Dies zeigen zum einen weitere Insolvenzen in der Busbranche, zum anderen aber der schlechtere Service bei einigen der neuen Betreiber. Etablierte Busunternehmen würden in den Ruin getrieben. Die Alternative bei der Neuvergabe der Linienbündel in den Landkreisen sei, entweder billig mitzubieten, um Linien und damit Arbeitsplätze zu erhalten – oder aus dem Markt gekickt zu werden. Für Andreas Schackert ist Knauss ein Musterbeispiel für diesen falsch verstandenen Wettbewerb, bei dem der Preis, aber nicht die Qualität im Vordergrund steht. Er lässt das Landratsamt nicht aus seiner Verantwortung und fragt: „Wie kann der Landkreis Verkehre vergeben, die nicht auskömmlich sind?“ Seine Antwort lautet: Entweder habe das Landratsamt dies nicht erkannt – oder aber die Pleite nach dem Motto „Hauptsache billig“ billigend in Kauf genommen.

Peter Zaar, der als damaliger Verkehrsdezernent die Vergabe zu verantworten hat, lässt diesen Vorwurf freilich nicht auf sich sitzen. Das Angebot von Knauss fiel nicht aus dem Rahmen und sei kein Ausreißer nach unten gewesen. „Die Angebote waren dicht beieinander.“ Der Grund für die Pleite liege wohl eher beim Missmanagement, wie die Tatsache zeigte, dass Knauss erst nach 22 Monaten erkannt haben will, dass der Preis nicht auskömmlich war.

Jetzt muss Zaar die Scherben zusammenfegen – und aufpassen, dass die sieben Linien weiter verkehren. „Unsere oberste Priorität ist, den öffentlichen Personennahverkehr sicherzustellen.“ Mit einer Einmalzahlung hatte der Landkreis dafür gesorgt, dass die Insolvenzverwalterin bis Ende Januar die Busse fahren lässt. Der Knackpunkt bei der siebenmonatigen Notvergabe ist, dass ein neuer Betreiber auf die Schnelle 20 Busse und auch die Fahrer stellen muss. Womit für Zaar – sozusagen über Bande – doch wieder die Firma Knauss und ihr Personal ins Spiel kämen.


Um diese Linien geht es

Die 37 Busse werden überwiegend im Linienverkehr im Rems-Murr-Kreis eingesetzt. Ferner sind die Busse im Schienenersatzverkehr zwischen Göppingen und Geislingen im Einsatz.

Knauss betreibt die Linien 242 (Schorndorf - Klinik-Spittler Stift - Grauhalde - Klinik - Bahnhof), 243 (Schorndorf - Urbach - Banrain - Plüderhausen), 244 (Schorndorf - Schornbach - Buhlbronn - Birkenweissbuch - Oppelsbohm), 245 (Schorndorf - Weiler - Rohrbronn - Hößlinswart), 246 (Schorndorf Bf - Steinbeissstraße - Erlensiedlung - Wiesenstraße), 247 (Schorndorf Bahnhof - Grauhalde - Alte Steige - Neuer Friedhof - Bahnhof), 248 (Schorndorf - Urbach - Plüderhausen) und 249 (Schorndorf - Urbach Banrain - Urbach Bahnhof).

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