Nachrichtensprecher Dieter Fritz SWR-Moderator aus Bittenfeld geht in Ruhestand

Nach mehr als 30 Jahren vor der Kamera moderiert Dieter Fritz an diesem Freitagabend zum letzten Mal die SWR-Fernsehnachrichten. Foto: SWR/Alexander Kluge

Waiblingen-Bittenfeld. Er ist seit Jahren der Kopf der Fernseh-Landesnachrichten „SWR aktuell“: Dieter Fritz. Am Freitag um 19.30 Uhr moderiert der 63-Jährige seine letzte Sendung. So kurz vor dem Ruhestand spricht der Bittenfelder ausnahmsweise auch über seine private Seite als Fan des TVB, Stücklesbesitzer und Stammgast des Waldfreibads.

Wie viele Journalisten beginnt Nachrichtensprecher Dieter Fritz morgens relativ spät mit der Arbeit und macht umso später Feierabend. Gelegenheit, vor der Fahrt ins Funkhaus noch ins Becken des Bittenfelder Waldfreibads zu steigen und ein paar Runden zu drehen. Täglich legt er dort zwischen 500 und 1000 Meter zurück. Dem Waldfreibad fühlt er sich nicht nur als Frühschwimmer verbunden, sondern sozusagen auch familiär. Denn der gebürtige Ilshofener ist Schwiegersohn des früheren Bürgermeisters und SPD-Landesvorsitzenden Heinz Bühringer, dem die Ortschaft vieles zu verdanken hat – eben auch das Freibad.

„Ein Herz und eine Seele“ mit Retriever-Dame Wilma

Seine Frau Claudia lernte Dieter Fritz während des Studiums in München kennen. Nach einigen Jahren in Stuttgart bauten die beiden im Heimatort von Claudia Bühringer-Fritz und zogen 1991 ins eigene Häusle. Die drei Kinder, heute alle erwachsen, wurden in Bittenfeld groß. Daher kennen viele Leute im Ort den Mann vom Fernsehen als Privatmenschen, der nicht immer Anzug und Krawatte trägt wie im TV und nach eigenem Bekunden geerdet ist - sprich: ein „ganz normales Leben“ führt. Mit eigenem Obstbaumstückle und inmitten einer „sehr netten Nachbarschaft“, mit der zusammen er gelegentlich in den Wald geht, um Holz für den Kaminofen zu machen. Vor dem macht sich’s Retriever-Dame Wilma gemütlich. Zuerst sei er der Anschaffung eines Hundes skeptisch gegenübergestanden, verrät er, „inzwischen sind wir ein Herz und eine Seele“.

Bittenfeld habe viele Vorzüge: Einerseits ist die Ortschaft ländlich geprägt, andererseits sind Waiblingen, Ludwigsburg und Stuttgart schnell erreichbar. Verbundenheit schafft zudem der Handball: Die Spiele des TVB Stuttgart verfolgt Dieter Fritz so oft wie möglich in der Porsche-Arena beziehungsweise der Scharrena, im (Privat-) Fernsehen oder zumindest im Liveticker.

Ein „komisches Gefühl“ beschleicht den Journalisten beim Gedanken an die letzte Sendung. Andererseits freut er sich über die neue Freiheit, nicht mehr nach der Uhr leben zu müssen, nicht mehr unter dem Druck des nahen Sendetermins zu stehen. Bewusst hat er sich, abgesehen von einer Kreta-Reise mit der Familie, für die erste Zeit des neuen Lebensabschnitts nichts fest vorgenommen. „Ich will erst sehen, wie sich das anfühlt.“ Mittelfristig indes kann er sich ein Ehrenamt gut vorstellen, vielleicht im sozialen oder ökologischen Bereich. Nicht unwahrscheinlich, dass er die eine oder andere Moderation bei Podiumsdiskussionen oder Ähnlichem übernimmt.

Bei der Live-Premiere ging das Licht aus

Seine Rolle hat der Nachrichtensprecher und Moderator stets als die eines Vermittlers begriffen. „Ich bin der Kopf der Sendung, aber nicht ihr Star. Die Nachrichten sind der Star.“ Sympathisch und verständlich formulieren – ja. Neuigkeiten reißerisch oder als möglichst kurios verkaufen – nein. Ein Vertreter des Boulevards ist Dieter Fritz wahrlich nicht, er pflegt einen sachlichen, bescheidenen Stil. Was ganz seinem Verständnis von gutem Journalismus entspricht, der auf die Tugenden fundierter Recherche und kompetenter Einordnung aufbaut.

Mit diesen müsse die Zunft dem wachsenden Misstrauen gegen „die Medien“ begegnen in einer Zeit, in der jeder aus dubiosen Quellen im Internet Falschnachrichten beziehen kann und in der sich Anhänger von Verschwörungstheorien in ihren Filterblasen wechselseitig in ihren vorgefassten Meinungen bestätigen. Indem sie täglich mit Fakten dagegen arbeiten, glaubt er, können die Kollegen solchen Entwicklungen begegnen.

„Das war eine echte Feuertaufe“

Große Klöpse im Sinne von Pleiten, Pech und Pannen sind in seiner Laufbahn nicht passiert. Anders als etwa seiner Kollegin Tatjana Geßler, die in einer Sendung vom Schluckauf ereilt wurde, den sie partout nicht losbekam. Herausforderungen stellten aber die Namen mancher ausländischer Staatsgäste sowie der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 dar, die sich dank Lautschrift auf dem Teleprompter meistern ließen.

Denkwürdig vor 31 Jahren seine ersten Live-Nachrichten als Moderator: Bei der Begrüßung knipste ihm die Lichttechnik die Lampe versehentlich aus statt an. „Guten Abend, wenn auch aus dem Dunkeln“ lauteten seine Worte aus dem Schwarz. „Vielleicht musste es so sein, das war eine echte Feuertaufe.“


SWR Karriere

Dieter Fritz begann 1982 beim SDR-Fernsehen. Er baute von 1995 bis 2005 das „Landesschau Journal“ als Nachrichten-Spätausgabe auf.

Die Nachrichtensendung „Landesschau aktuell“ präsentierte er von 2005 bis 2014. Seit 2014 war er „Ankermann“ der „SWR Landesschau aktuell Baden-Württemberg“, seit Februar 2017 „SWR aktuell“.

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