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Plüderhausen Am Badesee sollen sich alle wohlfühlen

Plüderhausen. Aufräumer, Pflastergeber, Parkzettelschreiber, Kümmerer: Für alles das, was Martin Dannenhauer am Badesee tut, reicht ein Wort nicht. Der 63-Jährige sorgt in der Saison dafür, dass es am See gepflegt aussieht und die Spielregeln der Gemeinde eingehalten werden. Ein Job, der viel Aufmerksamkeit und Konsequenz fordert und der den Gästen unbeschwerte Stunden am See ermöglicht.

Das Schilf neigt sich, der Wind zaust die Bäume, gelbe Blätter schweben auf den Rasen: Es wird Herbst am Badesee. Kaum zu glauben, dass noch vor rund zwei Wochen hier Decken ausgebreitet waren, die Leute Abkühlung suchten, die Kinder wuselten.

Mit dem See verwachsen

Martin Dannenhauer kennt den See zu allen Jahreszeiten. Er kommt jeden Tag hierher. Schon als Kind hat er im See gebadet, ist später nach der Schule oft mit Freunden hergekommen. „Mit dem See bin ich irgendwie verwachsen.“

Seit sechs Jahren kümmert sich Dannenhauer im Nebenjob bei der Gemeinde um den Badesee. Früher war er bei den Urbacher Mineralquellen beschäftigt, nun ist er Rentner. Die Arbeit am See war zunächst eine Herausforderung. „In den Job habe ich mich reinschaffen müssen.“

„Ab 1. Mai geht es schon richtig los“

Von März bis Oktober sorgt der 63-Jährige dafür, dass sich die Badegäste wohlfühlen und ungestört die Freizeit am See verbringen können. „Die Ersten baden schon im März“, weiß er, zwei Unentwegte sogar im Winter. „Ab 1. Mai geht es schon richtig los.“ Doch auch im April können schon mal 2000 Leute am See sein. 5000 Badegäste zieht es an einem heißen Wochenende im Sommer ans Wasser, während der Woche sind es 2500, jeden Tag.

Da ist Martin Dannenhauer früh vor Ort. Um acht Uhr ist er da, macht am Strand und am See sauber, sammelt Kaffeebecher, Papier und Dönerfolie ein. „Im Großen und Ganzen ist es richtig sauber, für die vielen Leute, die hierherkommen“, weiß er. Einen Kaffee gibt’s am Kiosk, Dannenhauer bekommt ihn gratis. Er hilft auch dort, wenn er gebraucht wird, und bringt den Frauen im Kiosk Wechselgeld.

Martin Dannenhauer schaut nach dem Rechten

Wenn sich die Badestelle füllt, dann schaut Martin Dannenhauer überall nach dem Rechten. Das fängt damit an, dass keiner seinen Hund mitbringt oder einen Grill aufbaut, und hört bei den Falschparkern nicht auf. Auf Letztere hat er ein wachsames Auge.

Dass jemand womöglich mit einem dicken Auto nicht zahlen will und eine Frau mit drei Kindern im rostigen Auto das Geld berappt, „so geht das nicht“, macht Dannenhauer den Parksündern klar und steht auch dafür hin.

Mehrere Sachbeschädigungen

Aufregung gab’s, als Schwarzparkern am hinteren Seeteil die Nummerntafeln geklaut wurden. Mit denen hatte der gemeindliche Ordnungshüter wenig Mitleid. „Wenn sie vorn geparkt hätten, da passiert nichts.“ Noch Mitte, Ende Juni wurden da Jahreskarten für den Parkplatz gekauft.

Die Parkautomaten gehören ebenso zu Dannenhauers Aufgaben. Er leert sie regelmäßig, zahlt das Geld ein, macht die Abrechnungen. Mehrere Sachbeschädigungen gab es. Einmal wurde ein Automat aufgebrochen, obwohl vermerkt war, dass er kein Geld enthielt. Die leere Kassette hat Dannenhauer später im Schilf gefunden.

„Es muss alles seine Ordnung haben“

Acht gibt er außerdem auf Glasflaschen oder Weizenbiergläser auf dem Steg. Zu groß ist die Gefahr, dass sich jemand durch Scherben verletzt.

Wer sich doch mal ein Malheur zuzieht, dem leistet Martin Dannenhauer Erste Hilfe, reicht Pflaster oder zieht Zecken. „Von mir kriegt jeder was, ich helfe jedem.“

Nicht zuletzt achtet er sehr darauf, dass sich an der Badestelle oder im FKK-Bereich niemand belästigt fühlt. „Es muss alles seine Ordnung haben.“ Wer sich nicht zu benehmen weiß, muss gehen.

Kippen sind ein Ärgernis, vor allem im Kinderbereich. Martin Dannenhauer holt sie heraus und sagt achtlosen Rauchern auch mal die Meinung. „Die anderen leiden darunter. Das geht nicht.“

So ist den ganzen Tag über viel zu tun. Und: „Am Anfang, wenn die Saison anfängt, eckt man natürlich bei allen an.“

"Das ist eine Gemeinschaft"

Aber es gibt auch viele, die es zu schätzen wissen, dass die Regeln den Badegästen ungestörte Stunden am See ermöglichen. „Du kriegst auch so viel zurück“, stellt Dannenhauer fest. Er kennt die Stammgäste gut, eine ältere Dame umarmt ihn jeden Morgen. Es gibt Lob, die Leute bedanken sich. Mancher schenkt eine Flasche Wein oder gibt mal ein Trinkgeld.

Dannenhauer revanchiert sich zum Beispiel mit Brombeeren aus seinem Garten oder spendiert einen Lkw. „Es ist ein Geben und ein Nehmen.“ Sogar Einladungen gab es schon.

Viel Freude haben Martin Dannenhauer auch die Abende gemacht, an denen eine Band am See gespielt hat. Martin Dannenhauer hat mitgeholfen. Die Stimmung war super, es kamen richtig nette Leute, es wurde sogar getanzt. „Es kennt jeder jeden. Das ist eine Gemeinschaft.“

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