Plüderhausen Hitzige Diskussion über Edeka-Neubau

Der Edeka in Plüderhausen hat derzeit eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern, er soll jetzt abgerissen und durch einen Neubau mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche ersetzt werden. Auch der Gewerbepark, auf dem Foto hinten links zu sehen, soll dazu weichen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Plüderhausen.
Die Plüderhäuser, die gerne bei Edeka einkaufen, müssen demnächst ein paar Einschränkungen in Kauf nehmen – bis sie dann einen nagelneuen, größeren Markt bekommen. Die Verkaufsfläche soll von 1500 auf 1800 Quadratmeter wachsen und dabei vor allem das Getränkeangebot ausgebaut werden. Bis Ende 2021 könnte laut Gemeinde Plüderhausen, wenn alles gut läuft, der neue Edeka in der Jakob-Schüle-Straße eröffnen. Der alte Markt soll dazu abgerissen werden. Ebenfalls weichen muss der Gewerbepark daneben, ein ehemaliges Fabrikgebäude, in dem sich heute unter anderem eine Musikschule und eine Autowerkstatt befinden.

Wie genau Abriss und Neubau über die Bühne gehen, ob der Edeka eine Weile schließt oder ob es ein Provisorium gibt, ist unklar. Diese Information war von Edeka aktuell nicht zu bekommen.

Die Bauvoranfrage von Edeka hat der Gemeinderat kürzlich mit großer Mehrheit befürwortet. Eine Gegenstimme kam von Klaus Harald Kelemen (SPD), der dem Investor gerne die Vorgabe mitgegeben hätte, Büroflächen und Wohnungen auf dem Markt zu bauen – und der, als er bei der Verwaltung und bei der Mehrheit seiner Ratskollegen auf Ablehnung stieß, mit einem Tiefschlag konterte. Zunächst aber zum sachlichen Teil der Debatte.

Kelemen forderte: eine Tiefgarage unter dem Supermarkt, den man dazu auch anheben könnte, „ein Stockwerk mit Büros für Freiberufler verschiedener Branchen“ und darauf „zwei Stockwerke Wohnungen“. Denn: „So muss man heutzutage mit solchen Flächen umgehen, wenn man die Chance hat.“ Und: „Wir müssen in die Höhe denken.“ Sonst werde „das Ding komplett zubetoniert“.

„Das ist eine schwierige Wohnsituation dort“

Tatsächlich hat sich die Gemeindeverwaltung mit solchen Ideen bereits im Vorfeld befasst, wie Bürgermeister Andreas Schaffer im Gemeinderat berichtete. Man habe das in Vorgesprächen mit dem Investor und dem Verband Region Stuttgart diskutiert. Aber: „Das ist eine schwierige Wohnsituation dort.“ Man habe die Bahnlinie, stark befahrene Straßen, einen Abfallwirtschaftsbetrieb und eine Tankstelle im Umfeld. Außerdem sieht Schaffer abschreckende andere Beispiele von Supermärkten mit Wohnungen darüber, wo es zu Problemen gekommen sei. Das habe auch der Edeka-Vertreter in den Vorgesprächen berichtet, führt der Bürgermeister auf Nachfrage unserer Zeitung aus: Der Lärm, den ein Supermarkt mitbringe, zum Beispiel die Anlieferung zwischen 5 und 7 Uhr mit Lastwagen, sorge für Konflikte.

Im Gemeinderat kam Schaffer zu dem Schluss: „Das Wohnen wird dort nicht arg nachgefragt werden.“ Und: „So ein Bauantrag ist kein Wunschkonzert.“ In Klaus Harald Kelemens Forderungen sah Schaffer eine Überforderung des Investors. Für diesen müsse so ein Vorhaben auch wirtschaftlich darstellbar sein. Interessen einbringen könne die Gemeinde aber durchaus, in Richtung Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach oder Stromtankstelle.

Probleme für den örtlichen Einzelhandel durch Sortiment?

Kelemens SPD-Fraktions-Genosse Thomas Reißig zeigte sich enttäuscht über Schaffers Antwort auf den Vorstoß. Dennoch stimmte er später für die Bauvoranfrage. Reißig bat allerdings darum, auch bei der Frage des Sortiments auf Edeka einzuwirken. Wenn die „Non-Food-Abteilung“, also andere Waren als Lebensmittel, zu viel Raum einnehme, „dann wird das unserem örtlichen Einzelhandel wieder Probleme machen“. So wie es durch die Drogerie Rossmann der Fall sei. Bürgermeister Andreas Schaffer stellte in Aussicht, dass man in der Sortimentsfrage „möglicherweise“ Einfluss nehmen könne.

Der Tenor aus den Reihen der Räte war ansonsten: Man sollte froh sein, dass es einen Investor gibt und Edeka in Plüderhausen bleibt. Peik Reitler (FW-FD), der bis vor kurzem im Plüderhäuser Bauamt gearbeitet hat, äußerte konkrete Bedenken zum schwierigen Baugrund. Verlange man eine Tiefgarage, dann werde Edeka „dort sicher nicht bauen“.

Darauf wurde Klaus Harald Kelemen bissig. Er unterstellte den anderen Räten und der Verwaltung, sie würden die Interessen von Edeka vertreten, und sagte: „Ich bin hier gewählt, um die Interessen der Bürger zu vertreten.“ Bürgermeister Andreas Schaffer wehrte sich dagegen: „Ich möchte deutlich zurückweisen, dass wir hier irgendwelche anderen Interessen vertreten.“ Auch Susanne Pfeiffer (CDU) wies Kelemens Unterstellung erbost zurück. „Wir haben nichts davon, wenn der Edeka mehr Geld verdient.“ Aber wenn der Laden zumache, dann habe man gar nichts mehr.

Eröffnet hat der Edeka in der Jakob-Schüle-Straße in Plüderhausen Mitte der 90er Jahre, damals aber sogar noch deutlich kleiner als jetzt. 2006 wurde der Markt bereits erweitert und verdoppelte seine Fläche fast.

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