Plüderhausen Kein neuer Kiosk am Badesee

Der Kiosk am Badesee ist in die Jahre gekommen. Foto: Habermann / ZVW

Plüderhausen. Zumindest in absehbarer Zeit wird’s nichts mit einem neuen Kioskgebäude am Badesee. Immerhin ist’s nach der letzten Gemeinderatssitzung aber so, dass ein Raumangebot erarbeitet wird inklusive sanitärer Anlagen für Behinderte. Kurzfristig wird auch ein Behinderten-WC als Container aufgestellt. Angebote werden jetzt eingeholt.

Es ging ein bisschen hin und her in besagter Gemeinderatssitzung, und die Vorschlagspalette war breit. Sie reichte von CDU-Gemeinderätin Susanne Pfeiffers Idee von einem „Steakhouse am See“ („vielleicht finden wir einen Investor“) bis hin zu so gut wie gar nichts machen. Das sprach zwar niemand im Gemeinderat konkret aus, aber es ging durchaus in diese Richtung.

Aber der Reihe nach: SPD-Gemeinderätin Elke Mück (sie war in der Sitzung zuvor, als es auch schon um Kiosk und Behinderten-WC ging, nicht da, weswegen dieses Thema vertagt wurde) meinte, der Weg für den Bau einer „Toilette für alle“ am Badesee sei jetzt „frei, Sponsoren sind da“. Ums vorwegzunehmen: Eine „Toilette für alle“ wird’s am Badesee nicht geben. Es soll allerdings geprüft werden, ob’s dafür in der Ortsmitte einen Standort geben könnte.

Zurück zum Badesee: Elke Mück befürchtet: Wenn man ein neues Kioskgebäude baue, „kommen wir finanziell an unsere Grenzen.“

Schaffer hatte von Mück „eine andere Stellungnahme erwartet“

Von Mücks Aussage war Bürgermeister Andreas Schaffer einigermaßen überrascht. Er sagte auch, warum: „Ich habe eine andere Stellungnahme erwartet.“ Die Gemeindeverwaltung habe prüfen wollen, was der Neubau eines Kiosks koste, „wir wissen aber nicht, von welcher Summe wir reden“. Andreas Fichtner vom Plüderhäuser Bauamt stellt die im Grunde genommen entscheidende Frage in den Raum: „Was für ein Gebäude wollen wir?“. So denn ein neues Gebäude überhaupt gewollt ist.

Geht’s nach CDU-Frau Pfeiffer, muss es her: „Der Kiosk ist viel zu klein“ (und „das Gebäude zu alt“, wie ihr Fraktionskollege Andreas Theinert meinte). Andererseits schätzt Pfeiffer den Bedarf für eine „Toilette für alle“ nicht so groß ein. FW-FD-Gemeinderat Thomas Schwenger wandte ein, vieles am Badesee werde für Nicht-Plüderhäuser gebaut. Dass es dort ein Behinderten-WC geben soll, „ist in Ordnung“. Man brauche aber einen „Blick für das Ganze.“ Schaffer sagte mit Blick auf Schwengers Aussage mit den „Nicht-Plüderhäusern“: Der Wunsch nach einem Behinderten-WC komme aus der Plüderhäuser Bevölkerung.

Scheurer gegen Toilette für alle

Vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Scheurer kam die Warnung: „Ich würde jetzt keinen vorschnellen Beschluss fassen.“ Im Moment sei er gegen eine „Toilette für alle“. Und ein neues Gebäude am Badesee „war bisher kein Thema.“

Elke Mück freilich gab nicht auf: „Wir haben keine Behindertentoilette dort, sie lohnt sie allemal.“ Außerdem gehöre so etwas einfach an einen Badesee. „In der Tat“, gab der Plüderhäuser Bauamtsleiter Ludwig Kern ihr Recht, schränkte aber gleich auch ein: „Bautechnisch können wir Ihnen nicht empfehlen, ein Gebäude neben dieses alte Glomp zu stellen.“ Mit „altem Glomp“ war der Kiosk gemeint. Auf jeden Fall sollte laut Kern im Ort ein Behinderten-WC angeboten werden.

2,1 Millionen für die Gartenschau - "aber hier finden wir ein Haar in der Suppe"

Fast ein wenig staatsmännisch klang mal wieder die Aussage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Harald Kelemen: „Wir geben 2,1 Millionen Euro für die Remstal-Gartenschau aus, aber hier finden wir ein Haar in der Suppe.“ Sein Fraktionskollege Thomas Reißig zoomte alles wieder etwas herunter: „Ein Behinderten-WC hat mit der Gartenschau überhaupt nichts zu tun.“ Fakt sei: „Behinderte können nicht an den Badesee kommen, und da spielt es keine Rolle, wie viele Behinderte es sind.“

Andreas Fichtner beendete schließlich die Quadratur des Kreises, indem er sagte: Es gebe Behinderten-WCs auch als Container, „die kosten zwischen 5000 und 10 000 Euro und sind mobil“. Fichtner holt also jetzt Angebote für solche Container ein, und man darf gespannt sein, ob sie bis zur Badesaison in diesem Jahr dann am Plüderhäuser Badesee stehen.


Das Zitat

„Eigentlich müssten wir uns schämen, dass wir einen Badesee und kein Behinderten-WC haben.“ – SPD-Gemeinderat Thomas Reißig erntete für seine durchaus zutreffende Aussage keinen Widerspruch im Gremium, erhielt aber auch keine Zustimmung.

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