Politischer Nachwuchs Das junge Gesicht der neuen FDP

Stehen für den Durchmarsch der Jungen in der wiedererstarkten FDP: Florian Wiesner und Lisa Walter. Foto: Ellwanger / ZVW

Schorndorf/Plüderhausen. Vor vier Jahren schienen die Liberalen nach dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde schon dem Untergang geweiht. Doch die FDP gibt es nach wie vor. Alles andere als ein Wiedereinzug in den Bundestag wäre eine Überraschung. Und gerade junge Menschen interessieren sich wieder für die Partei.

Video: Florian Wiesner im Interview.

Ein Name spielt dabei natürlich eine große Rolle: Christian Lindner und seine „klaren Äußerungen“, seine „konstante, sichere Erscheinung“, die Tatsache, „dass er sich nicht die Ecke drängen lässt“ – all das hat Florian Wiesner ziemlich beeindruckt. Und in Kombination mit den Positionen bei Steuern, Bildung und Digitalisierung schließlich davon überzeugt, dass die FDP für ihn die richtige Partei sein muss (auch wenn die Eltern ihn eher in die CDU locken wollten, die ihm jedoch zu bieder erschien).

Die Reaktionen auf diese Entscheidung im Umfeld waren gespalten. Es gab durchaus Sympathie. Und offen negativ hatte sich zwar niemand dazu geäußert, aber einige Freunde fanden es schon „mutig“, dass sich ein junger Mensch in einer Partei engagiert, die nicht mal im Bundestag sitzt. Bei der FDP wiederum war man froh, dass junge Menschen sich für ihre Politik interessieren. Im Ortsverband Schorndorf wurde der Plüderhauserner mit offenen Armen empfangen. Als 24-Jähriger beschreitet er nun seinen ersten Bundestagswahlkampf.

Lisa Walter blieb der FDP treu

Der wird in diesem Jahr ebenfalls von einer Nachwuchspolitikerin angeführt: Lisa Walter, 30 Jahre alt, Vermögensberaterin und ausgebildete Derivatehändlerin aus Rudersberg, und schon etwas länger in der Partei. Sie hat den Erfolg von 2009 (14,6 Prozent) ebenso miterlebt wie die Schlappe von 2013 (4,8 Prozent), die sie schon damals als Spitzenkandidatin im Wahlkreis mitgetragen hat. Die Jungpolitikerin sagt: „Ja, die FDP hat große Fehler gemacht und wurde dafür abgestraft. Aber es war auch nicht alles schlecht.“ Walter blieb deshalb auch in ihrer tiefsten Stunde der Partei treu. Und darf bei einem sehr guten Ergebnis am 24. September sogar darauf hoffen, in den nächsten Bundestag gewählt zu werden.

„Deutschland braucht endlich wieder eine echte Opposition."

In dem werde eine liberale Stimme unbedingt wieder gebraucht, findet Wiesner, der eine Regierungsbeteiligung nicht um jeden Preis befürwortet. Denn „Deutschland braucht endlich wieder eine echte Opposition. Die letzten vier Jahre wurde zu selten der Finger in die Wunde gelegt.“ Beispiel Vorratsdatenspeicherung: Da seien viel zu viele Bürgerrechte aufgegeben worden. Klar, im Bundestag seien Grüne und Linke zwar dagegen gewesen, doch eine wirklich klare Stimme dagegen habe er von beiden Parteien nicht vernommen.

Und wenn, dann mit Sicherheit keine liberale. „Die Gegensprecher zur Großen Koalition sind nicht gut“, konstatiert Wiesner. „Bei der FDP hingegen gibt es durch die Bank gute Rhetoriker“, beileibe nicht nur Christian Lindner. Hans-Ulrich Rülke, den Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag etwa, um nur einen zu nennen.

Keinen Links- oder Rechtsdrall

Außerdem hätten diese liberalen Spitzenpolitiker, so sieht es zumindest der 24-Jährige, keinen Links- oder Rechtsdrall, „sie schauen die Probleme von außen an und fragen: Wie kann ich sie lösen?“ Lisa Walter kann dem nur beipflichten: Liberale seien in ihrem Weltbild nicht dogmatisch, „die anderen Parteien hingegen wollen immer diktieren und regulieren. Wir von der FPD glauben an die Freiheit der Menschen.“

Beide Jungpolitiker sprechen sich deshalb auch ganz klar dafür aus, die gesellschaftliche Mitte stärker zu entlasten – sowohl finanziell, als auch was staatliche Vorschriften anbelangt. Der Bürger soll über möglichst vieles wieder selbst bestimmen können. Eine klassisch liberale Skepsis gegenüber dem Staat ist bei den beiden deutlich zu spüren.

Im Kern ist die neue FDP immer noch die alte

Inhaltlich, das zeigt sich im Gespräch recht schnell, hat sich bei den Liberalen nichts fundamental verändert. Der Anstrich ist ein jüngerer, auch der Stil hat sich geändert – und Lindner weiß die sozialen Medien geschickt zu bespielen. Dass der Parteivorsitzende es vermieden hat, in Krisenzeiten auf rechten Populismus zu setzen - einen Weg, den in Europa einige liberale Parteien beschritten haben - finden beide natürlich gut. Im Kern ist die neue FDP aber immer noch die alte. Sie setzt nach wie vor auf Deregulierung, niedrigere Steuern und die Eigenverantwortung der Menschen.

Zwei Herzensthemen: Solidarische Familienpolitik und Digitalisierung

Bei seinem Herzensthema setzt Wiesner aber sehr wohl auf den Staat. Denn bei der Digitalisierung in der Arbeitswelt, „sind wir in Deutschland längst schon von anderen Ländern überholt worden. Da muss richtig, richtig viel passieren.“ Dazu müsste nicht nur das Glasfaserkabelnetz massiv ausgebaut werden. Auch im Schulsystem müsse das Thema Digitalisierung künftig viel stärker auf die Agenda. Und überhaupt: Das deutsche Schulsystem gehöre einmal gründlich reformiert.

Walters Steckenpferd, neben der schon durch ihren Beruf gegebenen Affinität zu Finanzfragen, ist die Familienpolitik. Als junge Mutter treibt sie das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf um. Dem staatlichen Ausbau der Kindertagesstätten steht sie dabei mit einer gewissen Skepsis gegenüber. „Dass alle ihre Kinder den ganzen Tag dort abliefern, kann auch nicht die Lösung sein.“ Sie wünscht sich stattdessen vielmehr flexible Arbeitszeiten, mehr Möglichkeiten für Home Office, Teilzeitmodelle und einen Ausbau des Angebots bei betrieblichen Kindergärten.

Mit gutem Beispiel vorausgehen

Im Gegensatz zu den Maßnahmen der Großen Koalition soll das aber nicht durch staatliche Regulierung, sondern auf freiwilliger Basis geschehen. Am besten zu erreichen sei das ihrer Ansicht nach durch Vorbilder, das findet sie wesentlich besser (wenn auch komplizierter) als staatliche Verordnungen.

Als junge Wahlkreiskandidatin mit kleinem Kind will sie beim Wahlkampf in dieser Sache mit gutem Beispiel vorausgehen.

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Junge Liberale ...

... gibt es in Schorndorf organisatorisch schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Weshalb sich die beiden Jungliberalen auch eher als „junge freie Demokraten“ verstehen – und direkt in der Mutterpartei aktiv wurden.

Dass die Julis auch kreisweit nicht mehr wirklich in Erscheinung treten, zeigt ein Blick auf die Facebook-Seite des Kreisverbandes. Dort stammt der letzte Beitrag vom 3. Dezember 2015.

Auch auf der Homepage der Julis Rems-Murr tut sich nichts mehr. Dort wird noch für die Wahl 2013 getrommelt. Dort trat eine gewisse Lisa Strotbek als Kandidatin an. Die heißt inzwischen Lisa Walter und möchte 2017 für den Wahlkreis Waiblingen in den Bundestag.

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