Postturm Schorndorf Ermittlungen gegen den Schorndorfer Vermögensverwalter

Im April durchsuchten Fahnder sowohl die Firmenzentrale in Schorndorf als auch weitere Objekte in Stuttgart und Berlin. Foto: Ralph Steinemann

Schorndorf. Werfen Mieteinnahmen und Werbetafel am Postturm so viel Geld ab, dass die 12,5 Millionen Euro, für die das Carré vor rund fünf Jahren ins Portfolio von Flex Fonds kam, gerechtfertigt sind? Oder wurden die Anleger betrogen? Fahnder von Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchten die Schorndorfer Firmenzentrale des Flex-Fonds-Vermögensverwalters Gerald Feig.

Die Stimmung kann nicht gut sein beim Schorndorfer Vermögensverwalter Gerald Feig und seinem Unternehmen Flex Fonds. Vor knapp einem Jahr gab’s negative Schlagzeilen, weil den Anlegern zweier Fonds die Ausschüttungen gestrichen worden waren, jetzt hat eine anonyme Anzeige Staatsanwaltschaft und Polizei auf den Plan gerufen.

Verdacht auf Untreue und Betrug

Im April durchsuchten Fahnder sowohl die Firmenzentrale in Schorndorf als auch weitere Objekte in Stuttgart und Berlin. Es bestehe der Verdacht auf Untreue und Betrug gegen Feig und zwei andere Beteiligte.

Er habe, erklärt Gerald Feig, der Ermittlungsbehörde umfangreiche Dokumente und Informationen übergeben. Außerdem habe er um Akteneinsicht gebeten. „Den genauen Stand der Ermittlungen kennen wir nicht.“ Ebenfalls unbekannt sei, wer die Strafanzeige erstattet hat.

Die Vorgeschichte: Gerald Feig hatte das Postturm-Carré in Schorndorf, zu dem der neu gebaute 40 Meter hohe Turm sowie zwei sanierte Altbauten gehören, als Investor finanziert. Der Vorwurf: Er soll dann das ganze Objekt zu einem überhöhten Preis an den ebenfalls von ihm gemanagten Fonds verkauft haben. Es geht um den Regio Flex Fonds 1. Die Zeichner dieses Fonds sollen um gute zwei Millionen Euro geschädigt worden sein.

„Wir sind absolut sicher, dass wir diesen Verdacht zeitnah ausräumen können“

In einer Mail an diverse Redaktionen bittet Feig darum zu bedenken, „dass es sich nur um Verdachtsmomente handelt und die Unschuldsvermutung besteht“. „Wir sind absolut sicher, dass wir diesen Verdacht zeitnah ausräumen können“, heißt es.

Die damals verlangten 12,5 Millionen Euro, erklärt Feig, hätten im Juli 2013 fast genau der Summe entsprochen, die er als Investor in das Projekt gesteckt habe. Damals wurde das Bauprojekt von der Flex- Fonds-Gruppe an die Fondsgesellschaft – also von Feig an Feig – übergeben. Der Betrag habe „vertrags- und prospektkonform“ dem 16-Fachen der zu diesem Termin erzielbaren Jahresnettomiete entsprochen.

Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang das Wort „nachhaltig“: Die Ermittlungsbehörden zweifeln offensichtlich in Bezug auf den Postturm an dieser Eigenschaft. Die Staatsanwaltschaft geht wohl davon aus, dass die Einnahmen zu hoch angesetzt sind. Auch ein Gutachten, das eine Objektgesellschaft im Jahr 2014 in Auftrag gegeben hat, geht davon aus, dass bei Rechnungen mit realistischen Werten nur von einem Ertrag von gut neun Millionen auszugehen sei.

Porsche sorgte für Aufmerksamkeit und Geld

Dieses Gutachten bringt Feig in seinen Ausführungen für die Presse selbst ins Spiel, erklärt allerdings nicht genauer, was für eine „Objektgesellschaft“ dahintersteht und wie er mit dieser zusammenhängt – oder auch nicht. Er erklärt, dass ihm dieses Gutachten bis zur Durchsuchung „nicht bekannt“ gewesen sei.

In diesem Gutachten geht es neben den angezweifelten Mieteinnahmen auch um die 17 mal acht Meter große Werbetafel am Postturm, genannt „Kunstwand“. Die Erträge, die mit dieser erzielt werden können, trugen maßgeblich zur Höhe des angenommenen Wertes bei.

Und wurden im Gutachten offenbar als deutlich weniger „nachhaltig“ angesehen. Als Erstes und am Stichtag sorgte ein „weltweit namhafter Automobilkonzern“, nämlich Porsche, für Aufmerksamkeit und Geld. Solche Werbekunden aber waren selten. Schon lange blüht an der Wand die Anna-Blume der Schorndorfer Künstlerin Ebba Kaynak. Die sorgt für Aufmerksamkeit, das Geld aber fehlt.

Feig will sich nicht weiter zum Thema äußern

Feig weist dennoch Probleme weit von sich. Im Postturm gebe es aktuell nur 305,55 Quadratmeter, die leer stünden. Von insgesamt 3299 Quadratmetern Fläche. Vom Leerstand entfielen auf Büroflächen 110 Quadratmeter, der Mieter sei im letzten Monat ausgezogen. Der Rest seien Lager-, Keller- und Archivflächen.

„Wenn man die reinen Nutzflächen heranzieht, besteht ein Leerstand von knapp unter drei Prozent.“ Die Flächen, die von Flex Fonds, also von Feig selbst angemietet sind, sollen im Spätsommer an „eine renommierte Arztpraxis“ vermietet werden. Die Anleger des betroffenen Fonds hätten in all den Jahren eine planmäßige Ausschüttung von rund 4,5 Prozent pro Jahr und damit bereits deutlich über 20 Prozent ihrer geleisteten Einlagen erhalten.

„Wenn man die Entwicklung des Immobilienmarktes ... speziell in den letzten fünf bis acht Jahren betrachtet“, schreibt Feig, sei es nicht auszuschließen, dass, würden die Anleger den Fonds, in dem auch der Postturm steckt, verkaufen, diese „einen Überschuss beziehungsweise einen Gewinn“ erwirtschaften könnten.

Weiter will sich Feig nicht zum Thema äußern. Denn solch öffentliche Aussagen verliefen „im Zuge von Ermittlungsverfahren meist für den Betroffenen kontraproduktiv“.

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