Preis für ZVW-Redakteur Peter Schwarz Die beste deutsche Lokalreportage

Unser Reporter Peter Schwarz hat die beste deutsche Lokalreportage geschrieben und wurde am Montagabend in Berlin ausgezeichnet. Foto: Daniel Wolcke

Berlin. Es gab 1612 Einsendungen. 112 Texte und Projekte wurden nominiert. 95 Juroren entschieden über den Deutschen Reporterpreis. In zwölf Kategorien wurden die Preise vergeben. Fünf Auszeichnungen gingen an die Zeit, vier an den Spiegel, eine an die Süddeutsche Zeitung, eine an den Züricher Tagesanzeiger - und einen Preis erhielt der Zeitungsverlag Waiblingen. Unser Reporter Peter Schwarz hat die beste deutsche Lokalreportage geschrieben. „Im November 1997, neunzehn Jahre ist das nun her, verhungerte in Beutelsbach das Pflegekind Alexander, er wurde nur fünf Jahre alt. Sein Leidensgenosse Andreas überlebte mit knapper Not das Martyrium in der Familie, der er anvertraut war. Heute ist er 27, und seine Katastrophe dauert an.“ So beginnt die Geschichte, die Peter Schwarz geschrieben hat. Sie ist am 2. Dezember 2016 in unseren Tageszeitungen erschienen

"Ein erschütterndes Porträt eines vergessenen Opfers“

Die Geschichte „ist ein erschütterndes Porträt eines vergessenen Opfers“, begründete der Fernsehmoderator und TV-Produzent Friedrich Küppersbusch die Entscheidung der Jury. „Dieser Mann hortet bis heute H-Milch-Konserven aus unausrottbarer Angst vor Hunger.“ Küppersbusch lobte das genaue Hinschauen und den langen Atem des Reporters Peter Schwarz.

Der Deutsche Reporterpreis wurde am Montagabend in Berlin bei einer Festveranstaltung im Tipi am Kanzleramt vergeben. Der Deutsche Reporterpreis wird von einem Netzwerk deutscher Journalisten - dem Reporter-Forum e.V. - vergeben. Er würdigt herausragende Texte in unterschiedlichen Medien und insgesamt zwölf Kategorien. Er gilt als einer der renommiertesten Preise für Journalisten in Deutschland.

"Die Geschichte ist mir einfach zugeflogen“

Und einer der renommiertesten Journalisten, Heute-Moderator Claus Kleber, wollte von Peter Schwarz wissen, wie er es rechtfertigt, eine fast 20 Jahre alte Geschichte wieder auszugraben, die der betroffenen Gemeinde ja peinlich und peinsam sein müsse. „Ich habe mir überhaupt nicht überlegt, wie ich die Geschichte rechtfertigen muss. Sie ist mir einfach zugeflogen“, antwortete Peter Schwarz.

„Es war Zufall. Ich hatte vor einigen Jahren etwas über den jungen Mann geschrieben, weil er in einer Fernsehdokumentation aufgetaucht war. Er hat diesen Artikel gelesen und aus der Zeitung ausgeschnitten. Fünf Jahre später rief er mich dann an und wollte mit mir reden.“

„Die Geschichte hat auch vieles wieder aufgewühlt"

„Sie wurden zum Journalisten und zum Ansprechpartner für den jungen Mann. Ohne Mitgefühl und Einfühlungsvermögen kann man so eine Geschichte nicht recherchieren“, sagte Claus Kleber. „Das ist richtig“, antwortete Peter Schwarz. „Solche Geschichten führen an einen Punkt, an dem man sich nicht gut fühlt. Ich fahre dorthin, ich führe ein Gespräch, ich schreibe die Geschichte, ich bin dann hier auf dem Podium, aber ich schneie eigentlich nur kurz bei ihm vorbei.“

Man kennt sich, sagt Claus Kleber, das ist das Besondere am Lokaljournalismus. „Man beschreibt nie einen fernen Menschen. Wie waren die Reaktionen?“ Es gab Hilfsangebote für den jungen Mann, berichtet Peter Schwarz. „Die Geschichte hat auch vieles wieder aufgewühlt. Denn immer noch steht die Frage im Raum, warum vor 20 Jahren niemand etwas vom verhungernden Kind mitbekommen hat.“


Weitere Preisträger

  • Der Deutsche Reporterpreis wird in zwölf Kategorien vergeben. So schrieb etwa die beste Reportage Markus Feldenkirchen: Er hatte den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz während des Bundestagswahlkampfes ein halbes Jahr lang begleitet Die Reportage „Mannomannomann“ erschien im Spiegel.
  • In der Kategorie „Investigativ“ wurde ein fünfköpfiges Team der Zeit für seinen Text „Ein Anschlag ist zu erwarten“ prämiert. Darin rekonstruieren Mohamed Amjahid, Daniel Müller, Yassin Musharbash, Holger Stark und Fritz Zimmermann das Versagen der Behörden im Fall von Anis Amri, der im Dezember 2016 zwölf Menschen mit einem Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt tötete.
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