Raum für Vereine Rathaus Strümpfelbach wird saniert

Fachmann Benjamin Fleck begutachtet das Holz im Erdgeschoss des Rathauses, das 1591 errichtet wurde. Der Balken, den er berührt, enthält Eichen- und Fichtenholz. Foto: Holger Niederberger / Stadt Weinstadt

Weinstadt-Strümpfelbach. Mehr als neun Jahre nach seiner Schließung soll das Strümpfelbacher Rathaus wieder mit Leben gefüllt werden: Die Stadt lässt von der Zimmerei Fleck das Erdgeschoss sanieren. Die Kosten schätzt Baubürgermeister Thomas Deißler auf rund 50 000 Euro. Fertig sein soll alles im April – und dann können Vereine den Raum nutzen.

„Mich hat es wahnsinnig gefreut, als der Herr Deißler auf mich zukam“: Für Benjamin Fleck ist die Teilsanierung des alten Strümpfelbacher Rathauses mehr als nur irgendein Auftrag. Vor rund 20 Jahren, noch unter Führung seines Vaters, hat die Strümpfelbacher Zimmerei Fleck im ersten Stock, im Vorzimmer des Büros des langjährigen Ortsvorstehers Oskar Hecker, den Dielenboden gemacht. „Da war ein alter Spanplattenboden drüber“, erinnert sich Benjamin Fleck. Nach dem Einsatz seines Familienbetriebs, den er heute in vierter Generation leitet, sei dann der historische Boden wieder zum Vorschein gekommen. „Das finde ich einfach schön.“

Raum soll für örtliche Vereine bereitstehen

Jetzt steht freilich ein größerer Einsatz an: Flecks Firma soll das Erdgeschoss des alten Rathauses wieder auf Vordermann bringen. Dort befindet sich ein etwa 50 Quadratmeter großer Raum, den die Stadt Weinstadt örtlichen Vereinen bereitstellen will. Damit würde das alte Rathaus nach mehr als neun Jahren wieder genutzt werden. Hierfür einen Beitrag zu leisten bedeutet dem Strümpfelbacher unheimlich viel. „Das hat mich von Herzen gefreut.“

Komplette Renovierung ist ein Millionenprojekt

Jahrelang ist in Sachen Strümpfelbacher Rathaus nichts passiert. Zuletzt wurde 2013 das Dach saniert, viele der alten Biberschwanzziegel konnten dabei wiederverwendet werden, der Rest wurde mit Ziegeln aus historischem Bestand ergänzt. Wegen der hohen Kosten ist eine mögliche Sanierung des kompletten Gebäudes in der Prioritätenliste der Stadt weit hinten angesiedelt. „Es ist ein Millionenprojekt, muss man klar sagen. In der Finanzplanung der Stadt gibt es dafür keine Mittel“, betont Baubürgermeister Thomas Deißler. Das Problem: Anders als bei der Sanierung des alten Rathauses von Beutelsbach, das als Württemberg-Haus rege genutzt wird, gibt es nach Deißlers Einschätzung keine Chance, hohe Fördergelder zu bekommen. Das Geld floß damals nur deswegen nach Beutelsbach, weil dort ein Sanierungsgebiet mit mehreren Gebäuden bestand, die in Schuss gebracht werden mussten. Das ist laut Deißler in Strümpfelbach nicht der Fall. „Ein Einzelprojekt reicht nicht aus.“

Scharmann: "Es ist das wichtigste Gebäude in Strümpfelbach"

Nichtstun kommt für die Stadt aber auch nicht infrage. „Es ist das wichtigste Gebäude hier in Strümpfelbach“, findet Oberbürgermeister Michael Scharmann. Das 1591 über dem Zusammenfluss von Strümpfelbach und Hüttenbach errichtete Haus ist zwar nicht das älteste von Strümpfelbach (das steht nämlich in der Hauptstraße 4), aber zweifelsohne das markanteste. Um das Rathaus herum schlängelt sich die Ortsdurchfahrt. Kaum zu glauben, dass noch vor wenigen Jahrzehnten ernsthaft darüber beraten wurde, das Gebäude einer Straßenverbreiterung zu opfern. „Unser alter Bürgermeister, der Herr Eberhardt, der hat das verhindert“, weiß Benjamin Fleck.

Kosten werden auf rund 50 000 Euro geschätzt

Im April will seine Firma mit der Teilsanierung im Erdgeschoss fertig sein. Die Stadt kalkuliert grob mit 50 000 Euro – wobei laut Hochbauamtsmitarbeiter Ralph Kögel bei alten Gebäuden immer ein Restrisiko besteht, dass es doch deutlich teurer wird. Für die Vereine im Ort ist es aus Sicht von OB Scharmann auf jeden Fall ein Gewinn. Schließlich sind Räume für Veranstaltungen und Sitzungen rar geworden, nachdem die Gaststätte in der Strümpfelbacher Halle von der Stadt nach Jahren des Leerstands wieder verpachtet wurde. Zwar konnten Vereine auch im Feuerwehrgerätehaus unterkommen, aber ein weiterer Raum ist aus Scharmanns Sicht nur zu begrüßen.

Profitieren werden auch die Wengerter. Im Gartenschaujahr wollen sie von Mitte Mai bis Oktober an jedem Mittwoch von 17 bis 22 Uhr am Rathaus ausschenken – und dabei werden die Gäste auch die Toiletten im Erdgeschoss nutzen dürfen. Diese werden bei der Sanierung in Schuss gebracht. OB Scharmann ist zufrieden: „Das ist ein riesengroßer Gewinn für Strümpfelbach.“


Das wird gemacht

Zimmermeister Benjamin Fleck wird mit seinen Mitarbeitern im Erdgeschoss in den 70ern eingebaute Wände herausnehmen, damit der dortige 50 Quadratmeter große Raum optimal genutzt werden kann. Der Kamin wird ebenfalls entfernt. Er ist nicht historisch bedeutsam und wird zum Heizen nicht gebraucht.

Der Teppichboden wird herausgerissen, damit der darunterliegende Kieferboden zur Geltung gelangt. Auch ein Waschbecken an der Wand kommt weg. Die Fenster bleiben dagegen so, wie sie sind.

Die Außenwände erhalten eine Holzfaserdämmung, damit das Erdgeschoss einen Mindestwärmeschutz hat. Und der Lehm in der Decke soll zumindest teilweise sichtbar bleiben – und nur dort verdeckt werden, wo eine unmittelbare Gefahr besteht, dass etwas herunterbröckelt. 

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