Klinik Schorndorf U-Haft statt Chefarzt-Posten

Der Nachfolge-Chefarzt- Aspirant steht unter Betrugsverdacht. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf/Neuburg. Gerade noch gutgegangen. Der Aufsichtsrat der Rems-Murr-Kliniken hatte vergangene Woche den Nachfolger für Dr. Claus-Peter Hartung als Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Schorndorf bereits bestimmt, als der eilige Anruf in der Redaktion einging: Bitte hebt die per Pressemitteilung verkündete Personalentscheidung noch nicht ins Blatt. Nun, Tage später, wird klar warum: Der Nachfolge-Chefarzt-Aspirant steht unter Betrugsverdacht.

Eine Sprecherin des Aufsichtsratsvorsitzenden, Landrat Dr. Richard Sigel, wollte am Mittwoch, 18. Juli, nur so viel bestätigen: Bei dem nun doch nicht Eingestellten handele es sich genau um jenen Mediziner, über den der Donaukurier zu Wochenbeginn folgendermaßen berichtete: „Chefarzt der Kliniken St. Elisabeth (in Neuburg an der Donau) verhaftet: Geld ausgeliehen und nicht zurück bezahlt – U-Haft am Montag (16. Juli) aufgehoben“.

Demnach hatte die Staatsanwaltschaft Ingolstadt den 47-jährigen Mediziner verhaften lassen, unter dem Vorwurf des Betruges und Verstoßes gegen die Auflagen eines Urteils vom März 2018.

Blamage gerade noch abgewendet

Den Aufsichtsräten der Rems-Murr-Kliniken blieb somit gerade noch eine Blamage erspart. Sie erfuhren im letzten Moment von den Vorwürfen gegen den Mediziner, wohl weil dieser wegen der U-Haft zu einem finalen Einstellungsgespräch zum Verhandeln von Vertragskonditionen für den Chefarztposten in Schorndorf nicht erscheinen konnte.

Es hätte gar nicht gut ausgesehen, in der Zeitung verkünden zu lassen: „Aufsichtsrat bestätigt den Wunschkandidaten der Auswahlkommission“ oder „Mit dieser herausragenden Personalie unterstreichen wir einmal mehr den Stellenwert des Standorts Schorndorf.“

Die zuständige Staatsanwaltschaft Ingolstadt war am Mittwochnachmittag leider nicht zu erreichen. Wir dokumentieren deshalb im Folgenden in Absprache mit dem Donaukurier dessen Online-Berichterstattung vom 16./17. Juli:

„Der Mediziner ist am Montag gegen Kaution wieder aus der JVA Augsburg-Gablingen entlassen worden. Außerdem hat er während der U-Haft die gegen ihn verhängte Geldstrafe von 42 000 Euro bezahlt. Das Schöffengericht hatte ihn damals wegen seines gefälschten griechischen Führerscheins und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 140 Tagessätzen zu 300 Euro verurteilt. Wird die Strafe nach einer gesetzten Frist nicht bezahlt, droht ersatzweise Haft. Der Arzt hatte vor Gericht sein Nettogehalt mit 15 000 Euro monatlich angegeben.“

„Der Haftbefehl vergangene Woche sei auch wegen Fluchtgefahr ergangen, so Nicolas Kaczynski, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ingolstadt. Der Mediziner habe ein kurzfristiges Darlehen nicht zurückgezahlt und wechsle seinen Arbeitsplatz.“

„Dem Vernehmen nach handelt es sich um 5000 Euro, die der Kioskbetreiber im Krankenhaus dem Chefarzt geliehen und nicht mehr zurückbekommen hatte. Daraufhin erstattete er Anzeige. Möglicherweise liegen weitere ähnlich Fälle vor. Polizeibeamte durchsuchten nicht nur Räume im Neuburger Wohnhaus des Arztes, sondern auch sein Büro im Krankenhaus. Außerdem befragten sie Mitarbeiter. Der Vorgang sprach sich herum und sorgte für Unruhe im Krankenhaus.“

„Polizei und Staatsanwaltschaft wollen nun die Gründe für den offenbar chronischen Geldmangel des Arztes ermitteln und alle Hintergründe aufklären.“

„Der syrische Mediziner war knapp drei Jahre lang im Neuburger Krankenhaus als Leiter der neuen Hauptabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe beschäftigt. Die OP-Zahlen und vor allem die Geburten – letztlich auch wegen der Schließung der Geburtshilfe in Schrobenhausen – stiegen deutlich. Vor kurzem kündigte der Chefarzt ‘aus familiären Gründen’. Am 31. August hätte sein letzter Arbeitstag sein sollen. Damit wird es wohl nichts werden, von der Homepage der Neuburger Kliniken ist der 47-Jährige schon verschwunden.“

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