Rems-Murr-Kreis Der Glasfaser-Ausbau hat begonnen

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen/Allmersbach im Tal. Das schnelle Internet ist im Anmarsch. In Allmersbach im Tal hat die Telekom mit dem Ausbau des Glasfasernetzes begonnen. Bis 2030 sollen alle Gewerbegebiete und 90 Prozent aller Haushalte im Rems-Murr-Kreis mit Glasfaser versorgt sein.

Allmersbach hat die Hürde, dass sich mindestens ein Drittel aller Haushalte ans Glasfasernetz anschließen lässt, locker geschafft. Das wird nicht in allen Kommunen so sein. Allmersbach ist eine der sechs Modellkommunen in der Region Stuttgart, in denen der Ausbau des Breitbandnetzes beginnt. Im September entscheiden die Telekom und die Gigabit-Region Stuttgart, die den Ausbau regionsweit koordiniert, welche Städte und Gemeinden im Jahr 2020 an der Reihe sind.

Die beiden entscheidenden Kriterien sind die Attraktivität für einen eigenwirtschaftlichen Ausbau der Telekom und der Ausbauzustand, sagt Hans-Jürgen Bahde, der Breitbandbeauftragte der Region und Geschäftsführer der neu gegründeten Gigabit- Region Stuttgart GmbH. „Je wirtschaftlicher der Ausbau und je höher der prognostizierte Bedarf sind, desto höher sind die Chancen für eine Kommune, an die Reihe zu kommen.“

Welche Kommune kommt als Erste an die Reihe

Es wird also ein Gerangel unter den Städten und Gemeinden geben. Darüber sind sich Hans-Jürgen Bahde und Michael Murer, der Breitbandbeauftragte des Landkreises Rems-Murr, im Klaren. Jede Kommune will als Erste ans schnelle Internet. Umso wichtiger seien klare Kriterien, in welcher Reihenfolge dieser Ausbau erfolgt. Von Streit will Bahde zwar nicht reden, dass es aber ein Konfliktpotenzial gebe, bestreitet er nicht. Die Emotionen und die Unzufriedenheit zu managen, sei die Aufgabe der Breitband-Zweckverbände in den Landkreisen und der Gigabit-Region Stuttgart GmbH, die von den fünf Landkreisen, der Stadt Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart zu je einem Siebtel getragen wird.

Dass die kleine Gemeinde im Weissacher Tal als Modellkommune im Rems-Murr-Kreis ausgewählt worden ist, ist für Bahde auch ein Signal, dass der ländliche Raum beim Breitbandausbau keinesfalls zu kurz kommen soll. 750 Anschlüsse musste die Telekom in Allmersbach im Vorfeld verkaufen, damit das Projekt auch wirklich umgesetzt werden kann. „Anfang Mai waren wir bei etwa 300 Anschlüssen“, sagte Bürgermeister Ralf Wörner beim ersten Spatenstich vergangenen Freitag. Bis Ende Mai haben sich noch insgesamt knapp 1030 Haushalte für einen Anschluss ans Glasfasernetz entschieden – und erhalten den Anschluss kostenlos, sofern sie sich zwei Jahre lang vertraglich an die Telekom binden.

Nach Ablauf des Vertrages können sich die Haushalte wieder entscheiden, zu einem anderen Anbieter zu wechseln, betont Bahde, dass die Kooperation mit der Telekom einen „Open Access“ ausdrücklich vorsieht. Für diejenigen, die sich noch später dafür entscheiden sollten, ist der Zug jedoch noch nicht abgefahren, denn ist das Netz erst einmal ausgebaut, können 99 Prozent der Allmersbacher Haushalte angeschlossen werden. Allerdings müssen diese Nachzügler mit einer Anschlussgebühr von rund 800 Euro rechnen.

Unabhängig von den Städten und Gemeinden werden die Gewerbegebiete zwischen Rems und Murr ans schnelle Internet angebunden, und zwar jährlich in sechs Ausbauwellen, wie Hans-Jürgen Bahde sich ausdrückt. Das Ziel ist, dass bis 2025 alle Unternehmen in Gewerbegebieten einen Zugang zum Höchstgeschwindigkeitsinternet im Gigabitbereich auf Glasfaserbasis erhalten.

Bund und Land fördern den Ausbau der „weißen Flecken“

In Gebieten, in denen die Telekom den eigenwirtschaftlichen Ausbau nicht für sinnvoll hält, den „weißen Flecken“, sind die Kommunen am Zug und können Fördermittel beantragen. Von Land und Bund sind für den Ausbau bis zu 90 Prozent Zuschuss zu erwarten, so dass an den vermutlich meist ländlichen Gemeinden lediglich zehn Prozent hängenbleiben, rechnet Bahde vor. Er betont, dass diese öffentlich finanzierten Glasfasernetze im Eigentum der Kommunen bleiben und bei der Erschließung der Kooperationspartner Telekom nicht bevorzugt wird. Von der Investitionssumme über 1,6 Milliarden Euro, mit denen die gesamte Region ans Glasfasernetz angeschlossen werden soll, entfallen immerhin 500 Millionen Euro auf solche Fördergebiete.

Ein Kritikpunkt an der Kooperation mit der Telekom ist, dass bis 2030 lediglich 90 Prozent aller Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen werden sollen. „Die zehn Prozent kleben an uns wie ein Kaugummi am Schuh“, weiß Bahde. Doch mit dem Ausbau des mobilen 5-G-Netzes, das ähnlich große Datenmengen verschafft wie Glasfaser, gebe es bis dahin selbst in abgelegenen Weilern und Gehöften schnelles Internet. „Die zehn Prozent, die übrig bleiben, werden auf der letzten Meile über 5 G angeschlossen.“ Schon heute verzichten vor allem junge Leute auf einen Festnetzanschluss, sind nur noch übers Smartphone erreichbar und gehen mobil online.


Gigabit-Region Stuttgart

An der Gigabit-Region Stuttgart (GRS) beteiligen sich fünf Landkreise (Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr), die bereits eigene Zweckverbände gegründet haben. Die GRS steuert gemeinsam mit den Zweckverbänden der Landkreise sowie der Landeshauptstadt den Breitbandausbau in der Region Stuttgart und koordiniert das Kooperationsprojekt mit der Deutschen Telekom.

Im Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr sind 30 der 31 Gemeinden und Städte des Kreises vereint. Die Stadt Schorndorf hat beschlossen, das Glasfasernetz in eigener Regie auszubauen und von den eigenen Stadtwerken betreiben zu lassen.

Das Ausbaugebiet umfasst 174 Kommunen. In dem Ballungsraum leben rund 2,8 Millionen Menschen. Etwa 140 000 Unternehmen sind dort angesiedelt.

Das Kooperationsprojekt mit der Telekom gilt bundesweit als einzigartig. Im partnerschaftlichen Ausbau soll die Region flächendeckend mit Glasfaser versorgt werden. Bis 2025 sollen alle Unternehmen in Gewerbegebieten sowie die Hälfte der Haushalte einen Zugang zum Höchstgeschwindigkeitsinternet im Gigabitbereich auf Glasfaserbasis erhalten. Bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte versorgt sein. Diese Ziele sind nur in einem konzertierten regionalen Vorgehen in enger Kooperation mit der Privatwirtschaft erreichbar. Dafür sind gemeinsame Investitionen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro geplant. Zudem wird die Region Stuttgart als eine der ersten deutschen Regionen ein 5-G-Mobilnetz erhalten.

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