Rems-Murr-Kreis Einbruchserie: 34-jähriger Familienvater angeklagt

Ein Einbruch versetzt die Opfer in Angst und Schrecken. Die Vorstellung, dass Fremde das eigene Haus durchwühlt haben, wird meist als schlimmer empfunden als der materielle Verlust. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Rems-Murr/Stuttgart.
An 13 Einbrüchen soll ein 34-jähriger Vater zweier Kleinkinder beteiligt gewesen sein. Er muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht in Stuttgart wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Es geht um eine Einbruchserie im Frühjahr 2017. Die Täter hatten es gezielt auf Wohnungen und Häuser älterer Menschen abgesehen. In Geradstetten, Fellbach, Backnang, Schorndorf, Oberweissach, Plochingen und Esslingen hebelten sie Fenster und Terrassentüren auf, stahlen Geld, Schmuck, Eheringe, Münzen, Goldbarren und mehr: Der Wert des Diebesgutes beläuft sich auf mehr als 100 000 Euro.

„Es gab keinen dritten Mann“

Der Angeklagte muss aus seiner Sicht postwendend aus der U-Haft entlassen werden: Er habe niemals eine Straftat begangen und mit all diesen Einbrüchen nicht das Geringste zu tun, sagte er am Mittwoch vor Gericht.

Als Zeugen erschienen unter anderen zwei Bekannte des 34-Jährigen. Beide wurden in Handschellen vorgeführt: Sie sind bereits rechtskräftig verurteilt wegen der Einbrüche. Der Dritte im Bunde soll der jetzt angeklagte 34-Jährige gewesen sein, davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Der Mann stammt ebenso wie seine mutmaßlichen Komplizen aus Serbien; alle drei kommen aus demselben Ort und kennen sich seit langem.

„Es gab keinen dritten Mann“, versicherte einer der beiden verurteilten Einbrecher im Zeugenstand: „Der Junge hat wirklich nichts gemacht“, versicherte er mit Blick auf seinen Bekannten auf der Anklagebank.

„Ganz doof sind wir auch nicht“

Kommentar des Vorsitzenden Richters Wünsch: „Ganz doof sind wir auch nicht.“ Mehrere Male wies er die beiden Zeugen darauf hin, dass eine Falschaussage deren Haftzeit verlängern könnte und sie nicht auf Lockerungen im Vollzug hoffen dürften, wenn sie jetzt nicht die Wahrheit sagten. Die beiden Serben, 26 und 25 Jahre alt, blieben dabei: Der Angeklagte sei sauber.

Offenbar haben mehrere Personen damals aber drei Täter gesehen. Für die Verhandlung sind noch fünf weitere Termine vorgesehen: Es wird sich wohl so manches noch klären.

Der Angeklagte ist erst zwei Jahre nach den Vorfällen festgenommen worden, weshalb die Verhandlung erst jetzt beginnt. Im April 2019 setzte die Polizei den Mann in Montenegro fest. Drei Monate später wurde der Serbe nach Deutschland ausgeliefert. Seine Frau und seine beiden Söhne, ein und fünf Jahre alt, wissen im Moment in der Heimat nicht, wie sie über die Runden kommen sollen, berichtete der Familienvater vor Gericht.

Er sei im Frühjahr 2017 nach Deutschland gereist, um ein Auto zu kaufen, Verwandte zu besuchen und sich mit seinen Bekannten zu treffen. Man fuhr gemeinsam in die Schweiz zu einem Freund – und geriet in eine Polizeikontrolle. Die Beamten fanden Einbruchwerkzeug im Wagen; ein paar Tage verbrachte der Serbe in der Obhut der Polizei: „Ich weiß heute noch nicht, warum.“ Der Mann kam wieder frei; seine beiden Bekannten sitzen indes schon seit längerem in Haft.

Meist waren ältere Ehepaare Opfer der Einbrecher

In der Anklageschrift heißt es, der 34-Jährige sei in mehreren Fällen in fremden Wohnungen und Häusern gewesen, oder er habe seine Komplizen instruiert. Meist waren ältere Ehepaare Opfer der Einbrecher; offenbar hatte man zuvor ausgekundschaftet, wo sich ein Einbruch lohnen könnte. Aus einem Haus in Geradstetten wurde Gold- und Platinschmuck im Wert von mehr als 14 000 Euro gestohlen. Goldschmuck, Uhren und Bargeld nahmen die Diebe in einem Mehrfamilienhaus in Fellbach mit. Auf circa 8000 Euro belief sich der Wert des Diebesgutes in diesem Fall. In Schorndorf wurde in einem Reihenhaus eine Terrassentür aufgehebelt. Dort fehlten Perlen und Goldschmuck. Über ein aufgehebeltes Fenster gelangten die Einbrecher in ein Einfamilienhaus in Backnang. Sie hatten zuvor ein Gitter vor einem Kellerfenster entfernt. Die Eheringe eines Paares, 79 und 84 Jahre alt, wurden am 11. April 2017 vormittags aus einem Haus in Schorndorf entwendet. Drei Tage später drangen Diebe am Nachmittag über eine Kellertür in die Wohnung eines 81-Jährigen in Schorndorf ein. In Plochingen kletterten Täter auf einen leicht erhöhten Balkon, von wo aus sie sich Zugang zur Wohnung eines 83-Jährigen verschafften. Das Diebesgut in diesem Fall: ein Bügeleisen im Wert von fünf Euro.

Eine Dolmetscherin übersetzte vor Gericht für den Angeklagten, der kein Deutsch spricht. Er hielt sich im April 2017 zum ersten Mal in Deutschland auf und wohnte eine Zeit lang in einem Hostel in Bad Cannstatt. In seiner Heimat lebte der gelernte Kellner von Saison- und Bauarbeiten.

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