Rems-Murr-Kreis Hantavirus: Wie man sich schützen kann

Süß, aber mitunter Krankheitsüberträger: die Maus. Foto: pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Waiblingen. Oft verläuft eine Hantavirus-Infektion wie eine Grippe. Doch manchmal folgt auf das Fieber auch Nierenversagen. Oder die Lungen werden schwer geschädigt. Hantaviren werden durch Nagetiere übertragen. In diesem Jahr gab es noch keinen einzigen Erkrankten im Rems-Murr-Kreis. Für 2019 erwartet das Landesgesundheitsamt jedoch eine „erhöhte Hantavirus-Aktivität“ in ganz Baden-Württemberg.

Das Hanta-Virus wird von infizierten Nagern wie Rötelmäusen oder Wanderratten übertragen. Da Eichen und Buchen im Land derzeit reichlich Früchte tragen, herrschen optimale Nahrungsbedingungen für die tierischen Überträger des Hantavirus, so das Landesgesundheitsamt in einer Mitteilung.

Rund 935 Hantavirus-Erkrankungen 2017 in Baden-Württemberg

„Die Erfahrungen aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass Hantavirus-Ausbrüche regelmäßig nach Buchenmast-Jahren auftreten“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha vergangene Woche in Stuttgart. „Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten wie Sperrmüll oder Altreifen im Garten sollten jetzt beseitigt werden, um Nager-Ansiedlungen zu vermeiden“, so der Minister weiter. Zudem sollten mögliche Eintrittsstellen für Nager am Haus abgedichtet werden.

Nach den Meldedaten des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg wurden im Jahr 2017 nach einer „Buchenmast“ (viele Bucheckern) im Jahr zuvor rund 935 Hantavirus-Erkrankungen registriert. Im Jahr 2012 wurden ebenfalls nach einem Buchenmastjahr mehr als 1700 Fälle verzeichnet.

2018 bisher keine Infizierten im Rems-Murr-Kreis

Im Rems-Murr-Kreis vermeldete das Landratsamt Rems-Murr für das Hantavirus-Spitzenjahr 2017 insgesamt 14 Fälle von Infizierten. 2018 noch keinen einzigen. Jahre mit erhöhten Fallzahlen – wie 2017 – erklärt das Robert-Koch-Institut so: Die Voraussetzungen für eine höhere Dichte an infizierten Rötelmäusen werden witterungsabhängig schon im jeweiligen Vorjahr geschaffen: Bei guter Fruktifikation der Bäume gibt es eine gute Ernährungs- und Vermehrungsgrundlage für Nagetiere. Die Witterungsbedingungen des nachfolgenden Winters haben zudem einen Einfluss darauf, wie viele paarungsfähige Tiere überleben und das folgende Jahr erreichen.

Kontakt zu Ausscheidungen von Nagern vermeiden

Ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe dort, wo der Überträger des Hantavirus, die Rötelmaus vorkommt und bei Tätigkeiten, bei denen Staub aufgewirbelt wird, heißt es aus dem Gesundheitsamt Rems-Murr. Dies betreffe vor allem Holzarbeiten im Wald und Garten und Reinigung von Kellern, Schuppen, Scheunen und Ställen. Das Befeuchten von Flächen und das Lüften der Räume vor Reinigungsarbeiten bindet Staub. Auf jeden Fall ist die Vermeidung des Kontakts mit Ausscheidungen von Nagern die wichtigste Maßnahme einer Infektionsverhütung. Eine Entsorgung zuvor desinfizierten Nagerkots vermindert das Risiko. Daneben sei die grundsätzliche Bekämpfung von Nagetieren wichtig. „Eintrittsstellen für Mäuse ins Haus sollten abgedichtet werden und Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager (zum Beispiel Sperrmüll, Altreifen und Abfallhaufen) beseitigt werden“, so das Gesundheitsamt.

Erreger kann schwerwiegende Erkrankungen verursachen

Dr. Karlin Stark, Abteilungspräsidentin des Landesgesundheitsamtes: „Das Hantavirus ist ein tückischer Erreger, der schwerwiegende Erkrankungen verursachen kann. Insbesondere in Gebieten mit hohem Buchenwaldanteil wie beispielsweise auf der Schwäbischen Alb sollten die Schutzmaßnahmen bekannt gemacht und vorsorglich angewendet werden.“


Tipps zum Schutz vor dem Virus

Das Robert-Koch-Institut rät:

Zum Schutz vor Hantavirus-Infektionen müssen tote Mäuse sicher beseitigt werden und kontaminierte Flächen, also Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen, sorgfältig mit Haushaltsreiniger gereinigt werden.

Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mundnasenschutz. Empfohlen wird eine Atemschutzmaske (FFP3-Maske).

Lüften Sie vor Beginn der Reinigung von Räumen mit Mausbefall gut durch, indem Sie alle Fenster und Türen für mindestens 30 Minuten öffnen.

Vermeiden Sie es, bei der Entfernung von Mäusekot und Nestmaterial Staub aufzuwirbeln. Benutzen Sie keinen Staubsauger, weil Viren über die Abluft abgegeben werden könnten.

Besprühen Sie Mäuse, belegte Fallen und Mäuseausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. So verhindern Sie, dass bei diesen Aktivitäten virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.

Geben Sie die toten Mäuse oder die belegte Mausefalle in eine Plastiktüte, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.

Reinigen Sie alle gebrauchten Fallen nach der Benutzung.

Waschen Sie sich abschließend die Hände gründlich mit Wasser und Seife.

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