Rems-Murr-Kreis Nach Insolvenz: Neuer Betreiber für Knauss-Buslinien

Seit über 90 Jahren steht Knauss für den Busverkehr im Raum Schorndorf. Ab September 2020 ist Schluss. Die Buslinien wurden nach der Insolvenz des Unternehmens neu vergeben. Archivfoto Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Den Zuschlag für die Schorndorfer Buslinien 242 bis 249 hat wieder ein regionales Busunternehmen erhalten, die Firma Fischle & Schlienz Omnibusverkehr GmbH & Co. KG. Der neue Betreiber lotet eigenen Angaben zufolge Kooperationsmöglichkeiten mit der Firma Knauss Reisen Dieter Frank aus. Im Sommer 2019 hatte Knauss überraschend Insolvenz angemeldet. Viele Fahrgäste wie auch die Rathäuser in und um Schorndorf befürchteten, dass ein wichtiger Pfeiler des öffentlichen Personennahverkehrs wegbricht, sollte das Unternehmen seine 37 Busse auf dem Betriebshof in Schornbach stehen lassen. Um den Busverkehr im Raum Schorndorf aufrechtzuerhalten, erfolgte zunächst eine Notvergabe an das insolvente Unternehmen. Hunderte Fahrgäste hatten sich bei einer spontanen Unterschriftensammlung für die Arbeitsplätze der mehr als 50 Busfahrer eingesetzt.

Dass ein reibungsloser Busverkehr nicht selbstverständlich ist, zeigte vielerorts die Erfahrung beim Betreiberwechsel. Europarechtliche Vorschriften haben auch im Rems-Murr-Kreis dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren die Buslinien neu ausgeschrieben werden mussten. Ende 2019 ist schließlich das letzte von 14 sogenannten Busbündeln vergeben worden. Knauss Reisen gehörte zu den Busfirmen, die ihre angestammten Linien weiterbetreiben konnten. Wie sich aber im Sommer 2019 herausstellte, erfolgte dies aber zu nicht auskömmlichen Preisen. Das Unternehmen fuhr Monat für Monat Verluste ein. Im August drückte die Geschäftsführung den Notknopf und meldete Insolvenz an.

Gewerkschaft Verdi kritisiert ruinösen Wettbewerb im Busverkehr

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte die Neuvergabe der Linienbündel grundsätzlich. Sie erfolge auf dem Rücken der Arbeitnehmer. Wie Pleiten von Busfirmen zeigten, könnten vor allem mittelständische Unternehmen, die sich an die Tarifverträge halten, den Preiswettbewerb nicht überstehen. Etablierte Busunternehmen würden in den Ruin getrieben. Die Alternative bei der Neuvergabe der Linienbündel in den Landkreisen sei, entweder billig mitzubieten, um Linien und damit Arbeitsplätze zu erhalten – oder aus dem Markt gekickt zu werden. Für Andreas Schackert, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei Verdi, war Knauss ein Musterbeispiel für diesen falsch verstandenen Wettbewerb, bei dem der Preis, aber nicht die Qualität im Vordergrund steht.

Tatsächlich sieht das Landratsamt als zuständige Behörde für die Busverkehre die Ausschreibungen als eine Erfolgsgeschichte an. „Im Zuge der Vergabeverfahren ist es gelungen, die Busverkehrsleistungen im Rems-Murr-Kreis um rund 15 Prozent zu steigern.“ Dass im konkreten Fall die Firma Knauss in die Insolvenz schlitterte, sei eher dem Missmanagement geschuldet, denn einem ruinösen Wettbewerb.

Nachdem Knauss die Buslinien zunächst in der Insolvenz weiterführte, erfolgte Ende 2019 eine Notvergabe an das Unternehmen bis Sommer 2020. Wie das Landratsamt nun mitteilt, ging die Firma Fischle & Schlienz Omnibusverkehr GmbH & Co. KG aus dem europaweiten Wettbewerb um den Betrieb von Busleistungen im öffentlichen Personennahverkehr der Verkehrsräume „Schorndorf – Remshalden“ (Linienbündel 4, Los 2) und „Schorndorf“ (Linienbündel 5) als Gewinner hervor. Das mittelständische Unternehmen aus Esslingen hat eigenen Angaben zufolge 90 Mitarbeiter und fährt mit insgesamt 45 Bussen. Es löst damit ab dem 1. September 2020 auf den folgenden Linien den bisherigen Betreiber, die Firma Knauss Reisen Dieter Frank GmbH & Co. KG aus Schorndorf, ab.

Linie 244 (Schorndorf – Schornbach – Oppelsbohm);

Linie 245 (Schorndorf – Weiler – Rohrbronn – Hößlinswart (-Erlenhof));

Linie 242 (Schorndorf Bahnhof- Rems-Murr-Klinik - Spittler-Stift - Grauhalde - Rems-Murr-Klinik - Bahnhof);

Linie 243 (Schorndorf - Urbach Banrain – Plüderhausen);

Linie 246 (Schorndorf Bf - Erlensiedlung - Wiesenstraße);

Linie 247 (Schorndorf Bf - Grauhalde - Alte Steige - Neuer Friedhof – Bahnhof);

Linie 248 (Schorndorf - Urbach - Plüderhausen);

Linie 249 (Schorndorf - Urbach Bf).

In dem nun abgeschlossenen neuen europaweiten Vergabeverfahren hat sich jedoch die Firma Fischle & Schlienz mit den wirtschaftlichsten Angeboten in beiden Linienbündeln durchgesetzt. Die beiden neuen Verträge haben eine Laufzeit von knapp acht Jahren. Mit der Zuschlagserteilung am 24. März 2020 besiegelten der Rems-Murr-Kreis und die Firma Fischle & Schlienz ihre Partnerschaft bis Ende Juli 2028.

Fischle & Schlienz deutet Kooperation mit Knauss an

„In den nächsten acht Jahren wollen wir für die Menschen in den beiden Verkehrsbereichen ein kundenorientierter und vertrauensvoller Partner sein“, sagt Geschäftsführer Ralf Steinmetz laut Pressemitteilung. „Dabei ist uns bewusst, dass sich die Situation der angeschlagenen Firma Knauss Reisen durch den Ausschreibungsverlust weiter verschärft. Da wir in allen Regionen, in denen wir fahren, mit den ansässigen Unternehmen kooperieren, werden wir auch versuchen, mit der Firma Knauss Reisen beziehungsweise dem eingesetzten Insolvenzverwalter und deren Arbeitnehmervertretung im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zu kooperieren. Die ersten Gespräche dazu haben bereits stattgefunden“, sagt Geschäftsführer Ralf Steinmetz.

Landrat Dr. Richard Sigel zeigt sich zufrieden, dass die wettbewerblichen Vergaben bei Busunternehmen auf ein breites Interesse gestoßen waren und beide Verfahren reibungslos abgeschlossen werden konnten. Aber: „Es schmerzt schon, dass mit der Firma Knauss Reisen nun ein mittelständisches Unternehmen, das seit mehr als 90 Jahren zum Schorndorfer Straßenbild gehört – wie fast kein zweites Unternehmen – nicht mehr zum Zug kommen konnte.“

Erster Landesbeamter und Verkehrsdezernent Dr. Peter Zaar ergänzt, dass es infolge dieses wenig erfreulichen Umstandes zumindest positiv stimmt, dass der Zuschlag an ein bereits im Landkreis tätiges Unternehmen gegangen ist. „Mit der Firma Fischle & Schlienz – das aus einer Bietergemeinschaft der in Esslingen ansässigen Firmen Schlienz und Fischle hervorgegangen ist – wird in den beiden Linienbündeln ein erfahrenes Unternehmen den Betrieb aufnehmen, das seine Leistungsfähigkeit im Rems-Murr-Kreis bereits durch den Betrieb von Linienverkehren rund um Waiblingen unter Beweis stellen konnte.“

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