Rems-Murr-Kreis Züge und S-Bahnen sind unpünktlicher denn je

Symbolbild. Foto: Mogck / ZVW

Winnenden/Waiblingen.
Aus der Antwort des Verkehrsministeriums spricht die pure Resignation. Der Winnender CDU-Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek hat sich in einer Anfrage nach der Pünktlichkeit der Züge und S-Bahnen auf Murr- und Remsbahn erkundigt. Der Antwort schickte das Ministerium den Hinweis voraus, für den miserablen Zustand der Schienen und Züge nicht verantwortlich zu sein. Dass der Zugverkehr im Argen liegt, beweisen die Zahlen, die das Verkehrsministerium Lorek vorlegte:

Regionalbahnen R 2 und R 3

Der Regionalzug R 2 Stuttgart-Aalen ist unpünktlicher denn je. Im Jahr 2018 betrug die Ankunftspünktlichkeit der Remsbahn 91,1 Prozent. Sprich: Jeder zehnte Zug kam mehr als sechs Minuten zu spät. Noch ärgerlicher sind jedoch die Zugausfälle. 2018 fielen 566 teilweise oder ganz aus. Zur Hälfte wegen Fahrzeugschäden. Fuhren die Züge, ob pünktlich oder nicht, so waren „2981 Züge von Schwächungen“ betroffen; es fehlten ein oder mehrere Wagen oder Wagen waren abgesperrt. „Ursache war meist ein zu hoher Schadstand der Fahrzeuge.“

Nicht viel besser sah es auf der Murrbahn aus. Im Jahr waren nur 88 Prozent der R-3-Züge pünktlich unterwegs. 2015 waren es noch 95,5 Prozent gewesen. Ganz oder teilweise ausgefallen sind auf der Murrbahn 798 Züge. Oft waren dafür Infrastrukturstörungen verantwortlich, etwa im August 2018, als die Strecke wegen Oberleitungsschaden mehrere Tage gesperrt wurde. Zahlen zu Kapazitätsminderungen auf der Murrbahn liegen nur „bruchstückhaft“ vor.

S-Bahnen S 2 und S 3

Die Pünktlichkeit der S-Bahnen ist unverändert. Nämlich schlecht. 95,6 Prozent der S 2 und 95,2 Prozent der S 3 waren im vergangenen Jahr pünktlich, sprich weniger als sechs Minuten verspätet. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Vor allem in den Hauptverkehrszeiten bricht der Bahnverkehr an Rems und Murr regelmäßig zusammen. Morgens und abends sind von den unpünktlichen S-Bahnen jedoch erheblich mehr Fahrgäste betroffen als in Zeiten, in denen spärlich besetzte Züge im Takt bleiben.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium klagt: Bei allen Qualitätsfragen im Schienenverkehr sei zu berücksichtigen, „dass der Bund unmittelbar Verantwortung für den Zustand und auch den Ausbau des bundeseigenen Schienennetzes trägt“. Als Eigentümer der Bahn-Unternehmen sei es Sache der Bundesregierung, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen.

Was vor allem bei der Remsbahn läuft oder eben auch nicht, „ist aus Sicht der Landesregierung weder nachvollziehbar noch akzeptabel“. Die Landesregierung werde Regress von der Bahn fordern.

Wie viele Züge und S-Bahnen sind bei Feinstaubalarm ausgefallen?

Lorek wollte vom Verkehrsministerium ferner wissen, ob und wie viele Züge und S-Bahnen auch bei Feinstaubalarm ausgefallen sind. Genaue Zahlen dazu gebe es nicht, heißt es in der Antwort: „Ausfälle und Kapazitätsminderungen im Bahnverkehr sind immer ärgerlich, aber an Tagen mit Feinstaubalarm natürlich besonders, da das von der Landesregierung angestrebte Ziel des verstärkten Umstiegs auf öffentliche Verkehrsmittel dadurch konterkariert wird.“

Die Fahrgastzahlen werden wohl weiter steigen, und zwar bis 2025 bei der S 2 auf 90 000 und bei der S 3 auf 75 000 Fahrgäste pro Tag. Das Angebot könne jedoch nicht grenzenlos nach oben geschraubt werden. Die S-Bahnen laufen schon heute oft an ihren Kapazitätsgrenzen. So sei der Einsatz zusätzlicher Züge zu Zeiten der höchsten Verkehrsnachfrage nicht möglich, „weil die Streckeninfrastruktur gerade zu diesen Zeiten häufig eine kritische Auslastung erreicht hat und weil bereits alle verfügbaren S-Bahn-Fahrzeuge im Einsatz sind“.

Der Verband Region Stuttgart strebe deshalb den Kauf zusätzlicher Züge an, um auf allen Linien Langzüge einsetzen zu können. Darüber hinaus werde der Ausbau, die Modernisierung und Digitalisierung der Schieneninfrastruktur vorangetrieben.

  • Bewertung
    10

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!