Rems-Murr-Sport Hochbrisanter Ringkampf in Schorndorf

ASV-Coach Sedat Sevsay (rechts) sieht dem Kampf gegen Greiz mit etwas Sorge entgegen. Vielleicht ist es von Vorteil, dass sein Sohn Jello Krahmer (links) wegen des Stilartwechsels diesmal nicht ringen wird. Foto: Ralph Steinemann

Schorndorf.
Seit dem Bundesliga-Kampf der Schorndorfer in Greiz (13:15) geht es in Ringerforen rund. Sedat Sevsay, beim ASV Trainer und Vorstandsmitglied, muss viel aushalten. Von „schlechter Verlierer“ bis „So ein Wi...“ reichen die Kommentare in den sozialen Medien. Die Stimmung ist vergiftet. Und am Sonntag treffen die Teams in der Staffel Südost wieder aufeinander, diesmal in Schorndorf.

Untersuchung des Deutschen Ringer-Bundes ist beendet

Den Zorn auf sich gezogen hat Sevsay zum einen mit einem Rassismus-Vorwurf gegen Greizer Fans. Laut dem Coach wurde unter anderem sein Sohn Jello Krahmer, ASV-Schwergewichtler, übelst beleidigt. Für noch größere Diskussionen sorgte jedoch, dass die Schorndorfer nach ihrer Niederlage Einspruch gegen den Einsatz des Greizer Athleten Martin Obst einlegten. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Dopingvergehen ermittelt. Bei diesem Thema verfolge der ASV eine Null-Toleranz-Politik, sagt Sevsay. Er betont, die Schorndorfer hätten ihren Einspruch auch im Fall eines Sieges in Greiz formuliert.

Beendet ist inzwischen die Untersuchung des Deutschen Ringer-Bundes, was das Verhalten der Greizer Fans betrifft. Generalsekretär Karl-Martin Dittmann schreibt auf Anfrage dieser Zeitung: „Zum Kampf in Greiz haben wir eine Stellungnahme des Kampfrichters angefordert. Rassistische Äußerungen wurden vom Kampfrichter nicht gehört.“

Dagegen steht ein Urteil im Fall Martin Obst, Freistil-Vizeeuropameister von 2018 und amtierender Deutscher Meister, nach wie vor aus. Dabei soll er, so steht es im Online-Forum Ringertreff, bereits im Mai und damit vor der DM eine Dopingprobe zunächst verweigert und erst Stunden später nachgeholt haben. Eigentlich, darauf hat Sevsay mehrmals hingewiesen, sei die Sache laut Regelwerk sonnenklar: Ein verweigerter Dopingtest wird mit einer Sperre von bis zu vier Jahren bestraft.

Das Verfahren gegen Martin Obst läuft und läuft und läuft ...

Der DRB hat die Sache an die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) abgegeben, zuständig ist nun ein Schiedsgericht. Doch warum dauert es monatelang bis zur Entscheidung? Sedat Sevsay ist enttäuscht: „Schon vor drei oder vier Wochen sollte die Verhandlung sein, aber dann war Obsts Anwalt erkrankt. Das finde ich sehr merkwürdig.“ Und seitdem sei nichts passiert. „Ich habe den Eindruck, man will das unter den Tisch kehren.“

Würde Martin Obst aus dem Verkehr gezogen, hätten die Schorndorfer, derzeit Vierter hinter Greiz, den Hinkampf gewonnen. Dann stünden sie selbst auf Rang drei, der zur Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft berechtigt. Auch deshalb ist die verschleppte Entscheidung für den ASV ein Problem. Die reguläre Saison endet am 21. Dezember. Doch wie groß ist die Chance der Schorndorfer auf die anschließenden Play-offs? „Ich brauche Planungssicherheit“, sagt Sedat Sevsay.

Die Hängepartie ist umso ärgerlicher, weil es auch in einer anderen Sache Ungewissheit gibt. Am 23. November verlor der ASV den Kampf beim SV Johannis Nürnberg mit 6:11. Doch die Gastgeber setzten mit Nugzari Tsurtsumia einen Athleten im Leichtgewicht ein, der bereits für den KSV Istringen in der Deutschen Ringer-Liga auf der Matte gestanden war. In dieser sind Topvereine aktiv, die sich im Streit vom als unprofessionell empfundenen Deutschen Ringer-Bund gelöst haben. Als Konsequenz hat der DRB festgelegt, dass Ergebnisse von Bundesliga-Athleten gestrichen werden, wenn sie auch in der Profi-Liga der Abtrünnigen kämpfen. Gilt das, würde aus der Schorndorfer Niederlage ein 10:7-Sieg.

Jene Regel des DRB und andere wurden aber bereits im Februar vom Landgericht Nürnberg-Fürth unter Androhung einer hohen Geldstrafe gegen den Verband gekippt. Daraufhin änderte der DRB – im Oktober, also während der Saison – die Formulierung in seinem Statut. Ob die Regel damit nun rechtens ist, ist jedoch unklar. Das zeigt der Fall Tsurtsumia. Sevsay: „Es wird gewartet auf einen rechtskräftigen Verwaltungsentscheid.“ Wann der kommt? Keine Ahnung. Der SV Johannis Nürnberg jedenfalls hat sicherheitshalber schon mal Protest eingelegt.

Am Samstag kommt Aue, am Sonntag die Greizer

Sevsay und sein Team versuchen nun, den Ärger auszublenden und sich auf das Doppelkampf-Wochenende zu konzentrieren. Am Samstag in der Sporthalle Grauhalde zu Gast ist der FC Erzgebirge Aue. Gegen den Vorletzten, der erst zwei Punkte geholt hat, wäre alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung. Los geht’s um 19.30 Uhr.

Am Sonntag folgt das hochbrisante Duell gegen den RSV Rotation Greiz (15 Uhr). Wird es erneut hässlich werden? „Wenn ich in sozialen Medien bin und Kommentare von Greizer Fans sehe, könnte man das befürchten“, sagt Sevsay. Es werde weiter „kräftig drauflosgeschimpft“. Der ASV-Coach bemüht sich deshalb, kein Öl ins Feuer zu gießen: „Wir stellen da jetzt nicht extra Security hin. Ich denke, dass das alles sportlich ablaufen wird.“ Zwar gebe es unter Zuschauern immer ein paar Chaoten. „Aber die kriegen wir in den Griff.“

Sportlich ist ein ausgeglichener Kampf zweier starker Teams zu erwarten. Besonders laut in der Halle könnte es bei der Begegnung in der Gewichtsklasse bis 86 Kilo Freistil werden: Für die Gäste antreten wird voraussichtlich Martin Obst.

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