Rems-Murr-Sport Mit 45 Jahren immer noch spitze im Handball-Tor

Der Dauerbrenner: Stefan Doll ist noch nicht bereit, sich als Torhüter aufs Altenteil zurückzuziehen. Foto: Ralph Steinemann

Sicherlich spielt im Handball das Alter bei Torhütern weniger eine Rolle als bei Feldspielern. Doch dass ein Mittvierziger für sein Team in einer hohen Liga Spiele gewinnt, ist mehr als ungewöhnlich. Trotzdem ist Stefan Doll ein Typ, der nie abhebt. Redaktionsmitglied Mathias Schwardt hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Doll, Sie sind 45 Jahre alt und stehen immer noch in der Württembergliga im Tor. Wo zwickt es überall?

Mal generell: Wenn es nach einem Spiel bei einem Spieler nicht zwickt, dann hat er was falsch gemacht. Aber bei mir ist es der Rücken (schmunzelt).

Auch in dieser Saison sind Sie wieder einer der Besten bei den SF Schwaikheim. Spielt das Alter bei Torhütern also wirklich keine Rolle?

Keine Rolle glaube ich nicht. Aber nicht so wie bei einem Feldspieler. Es gehört auch Glück dazu, ich habe nie eine große Verletzung gehabt. Und mir macht’s einfach noch richtig Spaß. Ich mach’ das jetzt seit fast 40 Jahren. Um auf dem Niveau zu bleiben, muss man das auch wollen.

Wie sehr müssen Sie sich im Training quälen? Machen Sie jede Einheit mit oder kann sich der Altmeister auch mal freinehmen?

Ich trainiere wie mit [SF-Coach] Heiko Burmeister abgesprochen zweimal in der Woche, die anderen Spieler dreimal. Das ist für mich ausreichend, und ich habe ja noch genug beruflich und familiär zu tun.

Fast 40 Jahre Erfahrung – wollten Sie eigentlich schon als Kind im Tor stehen?

Ja, immer. Das liegt wohl in der Familie. Mein Vater war schon Torwart und hat Anfang der 60er in der Oberliga gespielt. Und mein älterer Bruder Markus war auch Drittliga-Torwart in Kornwestheim, Oppenweiler, Bietigheim und Oberstenfeld.

Auch Sie selbst haben schon einige Stationen hinter sich. Gibt es Trainer und Mannschaften, von denen Sie besonders geprägt worden sind?

Geprägt hat mich das erste Jahr bei den Aktiven in Göppingen in der zweiten Liga und das danach in Weilstetten in der dritten Liga. Denn da gab’s viele hochklassige Spieler. Generell kann man als junger Spieler sehr viel von älteren lernen. Davon habe ich sehr profitiert, auch beim Thema professionelles Verhalten. Und ich habe viele gute Trainer gehabt, jeder auf seine eigene Art und Weise.

Wie ist Ihr Kontakt zu den jungen Spielern in Schwaikheim? Eher väterlich oder kumpelhaft?

Prinzipiell verstehe ich mich mit allen gut, egal, ob jung oder alt. Für mich hat jeder den gleichen Stellenwert. Das ist nicht überall so. Oft gibt es das ja, dass jüngere Spieler von den älteren etwas getriezt werden. Das ist aber nicht meine Art. Denn die Jüngeren sind einfach anders aufgewachsen – und was früher richtig war, muss heute nicht richtig sein.

Haben Sie selbst mal irgendwo schlechte Erfahrungen gemacht?

Nein, mir hat’s immer Spaß gemacht. Ich hab’ mich überall wohlgefühlt.

Denken Sie schon an Ihr Karriereende? Die Schwaikheimer hätten sicher nichts dagegen, wenn Sie noch ein Jahr dranhängen ...

So weit plane ich eigentlich nicht. Aber ich würd’ schon noch gern ein Jahr spielen. Ob das jetzt in Schwaikheim ist, kann ich nicht sagen, so weit sind die Gespräche noch nicht. Aber wenn jetzt kein Verein mehr wollen würde, dass ich für ihn spiele, wär’s für mich auch in Ordnung.

Davon ist nicht auszugehen ... Was ist in dieser Saison mit der Schwaikheimer Mannschaft drin?

Wir lagen in den letzten drei Jahren am Ende immer zwischen Tabellenplatz drei und sechs. Ich hoffe, dass wir uns diesmal für die eingleisige Württembergliga qualifizieren.

Es heißt immer, Torhüter sind verrückt. Letzte Frage also, Herr Doll: Sind Sie verrückt?

Klar!

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