Rems-Murr-Sport Olympionikin Ricarda Lisk beendet ihre Karriere

Schluss mit Triathlon: Schwimmen wird Ricarda Lisk von nun an nur noch zum Vergnügen. Foto: Ralph Steinemann

Als Profi-Triathletin ist die Korberin Ricarda Lisk 17 Jahre durch die Welt gereist und hat es dabei in die internationale Spitze geschafft. Zu Ende ging die Karriere mit dem Inferno-Rennen in der Schweiz, wo die 36-Jährige nun in einen neuen Lebensabschnitt startet. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Thomas Wagner blickt sie zurück – und ermutigt den Triathlon-Nachwuchs: „Es lohnt sich, kompromisslosen Profisport zu machen.“

Frau Lisk, Ziel des Inferno-Triathlons war das 2970 Meter hohe Schilthorn in den Berner Alpen. Hier ließ der Bösewicht Blofeld im James-Bond-Streifen „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ einst hübsche junge Frauen hypnotisieren, die auf ein Funksignal hin die Welt mit Krankheitserregern verseuchen sollten. Waren auch Sie nach drei Kilometern Schwimmen im Thunersee, 95 auf dem Rennrad, 30 auf dem Mountainbike, dem 25-Kilometer-Berglauf und 10:08:07 Stunden Wettkampf in einem Trance-Zustand?

Eigentlich nicht. Es ist erstaunlich, wie schnell dann doch alles vorbeigeht. 500 Meter vor dem Ziel habe ich gedacht, ich schaff’ es nicht mehr. Aber, ich meine, 500 Meter vor dem Ziel kann man ja nicht einfach stehen bleiben. Also ging’s weiter und siehe da, das Ziel war da und der Körper wurde mit Endorphinen durchflutet. Da ging es mir wieder gut.

Der Inferno war zugleich der finale Wettkampf in Ihrer 17-jährigen Profi-Karriere. Kam da nicht ein bisschen Wehmut auf oder überwog im Ziel die Erleichterung?

Es überwog ganz klar die Erleichterung. Erst mal darüber, dass ich diese letzte Herausforderung geschafft habe. Zweitens, dass ich es gesund und glücklich überhaupt so weit geschafft habe. Von jetzt an kann ich das erste Mal seit meiner Kindheit Sport machen ohne irgendwelche Pläne, Vorgaben oder Zielstellungen, sondern nach Lust und Laune, um meine Gesundheit zu erhalten.

Das hört sich ja gerade so an, als ob Sie die ganzen Jahre über gelitten hätten.

Nein, natürlich nicht. Der Sport hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, sonst hätte ich ihn ja nicht betrieben. Es ist nur so, dass bei allem, was ich getan habe, das Ziel dahinterstand, mich zu verbessern. Jeder hat von mir erwartet, dass ich in den Wettkämpfen vorne mit dabei bin, da musste alles passen. Ich musste mir sogar bei einem Frühstückslauf überlegen, ob ich alles richtig mache. Wenn ich künftig nach drei Kilometern Schwimmen keine Lust mehr habe, höre ich einfach auf.

Vor 25 Jahren absolvierten Sie Ihren ersten Triathlon. Wäre das jetzt, da für Sie ein neuer Lebensabschnitt beginnt, nicht ein prima Zeitpunkt, die Unmengen von Erlebnissen in einem Buch niederzuschreiben?

Ich denke, ich habe definitiv so einige Geschichten zu erzählen. Aber ob die auch jemand liest, bezweifle ich (lacht).

Sie haben in den vielen Jahren nicht nur an den hochkarätigsten Wettbewerben teilgenommen, sondern sind mehrfach um die ganze Welt gereist. USA, Mexiko, Neuseeland, Australien, Südafrika, Japan, China, Südkorea, Katar, Kolumbien: Was fehlt noch in der Sammlung?

Ja, gerade Wettkämpfe an Orten, wo man normalerweise nie hinkommen würde, machen das Leben eines Profi-Sportlers wirklich interessant. Wer fliegt schon in den Urlaub nach Tongyeong in Südkorea, ins japanische Ishigaki, nach Otepää in Estland oder Guatapé? Nun bin ich aber froh, nicht mehr alle zwei bis drei Wochen in den Flieger steigen zu müssen. Hoffentlich kann ich endlich mal nach Berlin, Tirol oder Italien reisen. Das fehlt noch in meiner Sammlung.

Wie wichtig war’s für Sie, abseits der Wettkämpfe etwas von der Umgebung und den Menschen mitzubekommen?

Das Tolle am Triathlon ist, dass man immer sein Rad mit dabei hat. Man kann also, egal wo, mit dem Rad sehr gut die Umgebung erkunden. Von den Menschen oder der Kultur bekommt man schon auch was mit. Wenn man sich anpasst, höflich ist und nicht den überheblichen Touristen rauslässt, reagieren Einheimische natürlich viel offener. Letztendlich lerne ich aber jedes Mal wieder zu schätzen, wie unglaublich gut es uns Deutschen doch geht.

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