Rems-Murr-Sport Team-Europameister: Klein und Fehr

Riesenerfolg für Hanna Klein und Marcel Fehr: Das Paar ist im französischen Lille mit der deutschen Mannschaft Team-Europameister geworden. Die Läufer von der SG Schorndorf trugen mit herausragenden Leistungen zum Gewinn der Goldmedaille bei.

Die Team-EM der Leichtathleten findet alle zwei Jahre statt. Die besten elf Nationen kämpfen in der Super-League um den Titel, die drei Länder mit den wenigsten Punkten steigen in die First League ab. Es gibt bei den Frauen und Männern jeweils 20 Disziplinen. Der Einzelsieger erhält elf Punkte, der Zweitplatzierte zehn und so weiter. Das Team mit den meisten Punkten wird Europameister.

Starke Konkurrenz für Klein

Im nordfranzösischen Lille gingen Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Polen, Italien, Spanien, die Niederlande, Tschechien, Weißrussland, Ukraine und Griechenland an den Start. Fast unglaublich: Mit Hanna Klein und Marcel Fehr waren gleich zwei Athleten aus Schorndorf in die Nationalmannschaft berufen worden. Klein trat am Samstag zum 3000-Meter-Lauf der Frauen an. Die starke Konkurrenz hatten die Athletin und ihr Heimtrainer Uwe Schneider noch vor der Abreise analysiert, eine Top-Fünf-Platzierung schien möglich zu sein. Die Holländerin Susan Krumins reiste mit einer ähnlichen Bestzeit wie Klein an, die Polin Sofia Ennaoui war mit einer 1500-Meter-Bestzeit von 4:01 Minuten deutlich stärker als die Deutsche (4:06). Und die Spanierin Nuria Fernandez hatte sich bei der Hallen-EM im Vorlauf vor Klein und im Finale hinter ihr platziert. Ebenfalls stark einzuschätzen war 1500-Meter-Spezialistin Margherita Magnani aus Italien.

Außer Klein bietet niemand der polnischen Favoritin Paroli

Viel hing von der Taktik ab und wie Klein sie umsetzen würde. Auf den ersten 1000 Metern (3:10) war es das erwartete Bummelrennen, danach steigerte sich das Tempo kontinuierlich. Zwei Stadionrunden vor Schluss orientierte sich die Schorndorferin nach vorne. 300 Meter vor dem Ziel begann der Spurt, Klein hielt sehr stark mit. Auf der Zielgerade sah es fast danach aus, als ob sie die führende Polin noch attackieren könnte, die anderen Läuferinnen hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun. Nach packendem Endspurt musste sich Klein der mehrfachen Polnischen Meisterin Ennaoui um 40 Hundertstel-Sekunden geschlagen geben. Die Zeiten waren stark: 9:01,24 Minuten für die Siegerin, 9:01,64 für die Deutsche und ein letzter Kilometer in sehr guten 2:47. Damit holte Klein zehn Punkte für ihr Team. Mit ihrer Zeit setzte sie sich mit riesigem Vorsprung von knapp 19 Sekunden an die Spitze der deutschen Frauen-Rangliste über 3000 Meter. Im ARD-Interview nach dem Rennen bewies Klein Humor. Gefragt nach ihrem Wohnort Schorndorf antwortete sie: „Wir sind das Dorf mit der neuen blauen Bahn.“

Als Marcel Fehr am Sonntag bei den Männern die 3000 Meter anging, hatten sich die Reporter auf dieses „Dorf“ eingeschossen. Allerdings verlegten sie es auf die Schwäbische Alb. Na gut – für die Schwaben beginnt Norddeutschland ja auch schon in Frankfurt.

Fehr behauptet sich sehr gut gegen übermächtige Konkurrenz

Fehr hatte eine ungleich schwerere Aufgabe zu lösen als seine Freundin Hanna Klein. Bei den Männern werden die 5000 Meter mitten in der Saison bei der Team-EM ungern gelaufen. Dafür konzentrieren sich die starken Läufer alle auf die 3000 Meter. Am Start waren unter anderem der tschechische Halleneuropameister und Vizeweltmeister Jakob Holusa und der französische Europameister über 3000 Meter Hindernis und Olympia-Achte Yoann Kowal. Obwohl eine Top-Drei-Platzierung ausgeschlossen war, hatte sich Fehr an seinem Geburtstag viel vorgenommen. Der Schorndorfer und sein Trainer gingen von einem Bummelrennen aus. Fehr sollte sich erst dann beteiligen, wenn vorne die Post abgeht.

So hielt er sich zu Beginn fast am Ende des Feldes. Nach 2000 Metern wurde das Rennen merklich schneller. Als sich die Läufer auf den letzten zwei Runden formierten und das Tempo noch einmal anzogen, war Fehr dabei. Die vorletzte Runde in 60 und die letzte Runde in 55 Sekunden zeigen, wie stark der Schorndorfer auch auf den unteren Distanzen wieder geworden ist. Nach 2200 Metern noch 800 Meter in 1:55 Minuten zu laufen, ist klasse.

An der Spitze der deutschen Rangliste

Die Taktik ging auf: Marcel Fehr überspurtete stärker eingeschätzte Läufer und landete auf dem vom Team umjubelten fünften Platz. Umjubelt deshalb, weil der Deutsche weit vor dem direkten Konkurrenten aus Polen ins Ziel kam und sieben Punkte einheimste. Mit 8:00,32 Minuten lief Fehr Saisonbestleistung und setzte sich damit wie Klein an die Spitze der deutschen Rangliste über 3000 Meter der Aktiven.

Nach zwei Wettkampftagen hatten die Deutschen sieben Einzelsiege sowie acht zweite und sieben dritte Plätze eingefahren. Sie holten mit 321,5 Punkten den EM-Pokal und verwiesen Polen (295) und Frankreich (270) deutlich auf die Plätze. Am Montag ging’s für Hanna Klein und Marcel Fehr mit ihren persönlichen Goldmedaillen zurück ins „Dorf mit der neuen blauen Bahn“.

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