Rems-Murr-Sport Trainer Andersson verlässt den VfL Waiblingen

Nach zwei Spielzeiten vom VfL Waiblingen zieht es den ehrgeizigen jungen Coach Nicolaj Andersson in die Schweiz. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Offenbar war’s ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte: Der Trainer Nicolaj Bredekjær Andersson wird nach zwei Spielzeiten den VfL Waiblingen in Richtung Schweiz verlassen. Es geht zum derzeitigen Tabellenführer in der 1. Frauen-Liga, dem in St. Gallen beheimateten LC Brühl.

Nach dem Zweitliga-Heimspiel am Samstag gegen den BSV Sachsen Zwickau (23:23) informierte der 31-Jährige die Waiblingerinnen über seinen Abschied zum Saisonende. „Ich habe mich damit sehr, sehr schwergetan“, so der Coach. „Als Gruppe verstehen wir uns sehr gut, es ist nicht einfach, die Mannschaft abzugeben.“ Das Entwicklungspotenzial sei noch riesig, für den starken Charakter der Spielerinnen spreche, dass sie sich nach einer Schwächephase zuletzt wieder in toller Form präsentierten. Er, Andersson, und VfL-Vorstandsmitglied Peter Müller seien mit der Situation zufrieden, „und wir wollten eigentlich zusammen in Waiblingen weitermachen“. Warum aber hat der Däne dann seinen Vertrag nicht verlängert?

Weil das Angebot aus der Schweiz kam und er glaubt, in St. Gallen den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere machen zu können. Und zwar aus mehreren Gründen: Erstens geht’s zu einem Erstligisten, zweitens wird unter anderem beim LC Brühl daran gewerkelt, „dass die Schweiz eine größere Handball-Nation wird“. Drittens bekommt Andersson die Möglichkeit, eng mit dem Frauen-Nationaltrainer zusammenzuarbeiten, einem Mann, den er schon lange kennt: Martin Albertsen, ebenfalls Däne. Albertsen coacht derzeit noch parallel den Deutschen Meister SG BBM Bietigheim, wird sich aber von der kommenden Saison an ganz auf die Entwicklung des schweizerischen Frauen-Handballs konzentrieren.

Der VfL sucht einen Trainer mit Bundesliga-Erfahrung

Der LC Brühl hat offensichtlich die Voraussetzungen geschaffen, um Andersson und seiner Frau Mia (Physiotherapeutin) den Umzug mit den beiden Kindern schmackhaft zu machen. Ob’s beim neuen Verein auch mehr Geld als in Waiblingen gibt, will Nicolaj Andersson nicht sagen. Peter Müller, beim VfL nicht nur Vorstandsmitglied, sondern auch Sportlicher Leiter im Frauenbereich, erklärt, er bedaure den Abschied des Trainers. „Die Planung war, mit ihm weiterzuarbeiten. Er hat einen guten Draht zum gesamten Team, besonders zu den jüngeren Spielerinnen.“ Nun ist Waiblingen also gezwungenermaßen wieder auf Trainersuche. Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger will der Verein laut Müller spätestens Ende Januar präsentieren. „Sie oder er sollte wenn möglich Erfahrung in der deutschen Bundesliga haben.“ Anders also als Andersson, der vor zwei Jahren aus Dänemark kam und für den Waiblingen die erste Station als hauptverantwortlicher Frauen-Trainer ist. Weitergeführt werden soll, sagt Müller, das Konzept des VfL, aus Talenten bevorzugt aus der Region sowie erfahrenen Spielerinnen eine Mannschaft zu formen, die vorne mitspielen kann.

Leistungssteigerung stimmt Andersson zuversichtlich

Nun will Nicolaj Andersson mit Waiblingen aber erst mal noch eine sehr gute Serie in der 2. Liga hinlegen. Das Saisonziel lautet, mehr Punkte zu holen als im vergangenen Jahr, also mindestens 33. Dafür muss es allerdings 2020 besser laufen als in der bisherigen Hinrunde. 13:11 Punkte hat der VfL gesammelt. Der Coach trauert noch ein wenig den „vier, fünf“ unnötig verlorenen Zählern gegen Teams aus der hinteren Tabellenhälfte hinterher.

Zuversichtlich stimmt ihn aber die deutliche Leistungssteigerung zuletzt mit dem 29:27-Sieg über Rödertal und den Unentschieden gegen den Tabellenersten Halle-Neustadt (auswärts 28:28) und den Zweitplatzierten Zwickau (23:23). Zwar verspielte der VfL gegen Letzteren einen Sechs-Tore-Vorsprung. Umso stärker aber war der Auftritt in Halle. Als erstes Team in dieser Saison luchste Waiblingen dem Spitzenreiter einen Punkt ab.

Wenn ein Trainer seinen Abschied bekanntgibt, kann das Verhältnis zur Mannschaft leiden. Dafür gibt es einige Beispiele. Anderssons Gegenrezept lautet: „Die Spielerinnen und ich müssen immer ehrlich und offen zueinander sein.“ Vor Silvester wird es einige Trainingseinheiten geben, am Samstag, 4. Januar, geht’s weiter mit dem Auswärtsspiel des Tabellensiebten beim Elften TVB Wuppertal.

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