TVB Stuttgart Völlig missratener Jahresauftakt des TVB

So frei wie hier Christoph Theuerkauf (gegen von links Samuel Röthlisberger, Johannes Bitter, Dominik Weiß und Rudolf Faluvegi) kam der TBV Lemgo öfter zum Wurf. Die größeren Schwächen des TVB Stuttgart lagen jedoch in der Offensive. Foto: Cohen Foto: Cohen

Handball, 1. Bundesliga, Männer: TBV Lemgo – TVB Stuttgart 27:23 (15:11) / Keine Chance beim Abstiegskonkurrenten

Der Wiedereinstieg in den Ligabetrieb nach der Europameisterschafts-Pause ist dem Handball-Erstligisten TVB Stuttgart gründlich misslungen: Dem TBV Lemgo reichte vor 4000 Zuschauern in heimischer Halle eine durchschnittliche Leistung zum ungefährdeten 27:23-Sieg (15:11). Nach Pluspunkten ist das Team von Trainer Jürgen Schweikardt damit auf einen Abstiegsrang gerutscht – und muss sich in der Verfassung vom Sonntag größte Sorgen machen um den Ligaverbleib.

Der Vorletzte Eulen Ludwigshafen hatte vorgelegt am Samstag und seine Chance genutzt: Mit dem 21:19-Sieg beim Schlusslicht HSG Nordhorn-Lingen zog er nach Pluspunkten mit den Stuttgartern gleich. Die wollten mit einem Sieg in Lemgo den alten Abstand wieder herstellen – und die bis dahin nur zwei Zähler besseren Lemgoer mit den Abstiegssumpf ziehen.

Nicht mit ins Lipperland fuhr der Routinier Manuel Späth, dessen Frau das zweite Kind erwartet. Auch Robert Markotic fehlte, ansonsten war der gesamte Kader beisammen – und hatte sogar noch Zuwachs bekommen: Der Neuzugang Alexander Schulze (siehe Artikel rechts) kam Mitte der ersten 30 Minuten zu einem Kurzeinsatz auf Linksaußen.

Leichtes Spiel für Lemgo gegen harmlose TVB-Offensive

Zu diesem Zeitpunkt sah’s nicht schlecht aus für den TVB. Die Abwehr stand sicher, Lemgo hatte im Positionsangriff große Schwierigkeiten und leistete sich etliche Fehler. Johannes Bitter fand gut ins Spiel, Sascha Pfattheicher sorgte per Konter beim 6:4 (10.) und 7:5 (15.) zweimal für Zwei-Tore-Führungen. Wie aus heiterem Himmel jedoch verlor der TVB binnen kurzer Zeit die Kontrolle, agierte planlos im Angriff und scheiterte gleich reihenweise am Lemgoer Torhüter Peter Johannesson.

Zehn Minuten blieben die Stuttgarter ohne Tor. Lemgo hatte leichtes Spiel, die Partie mit einem 5:0-Lauf zum 10:7 zu drehen (25.). In der Auszeit nach dem 11:8 (26.) forderte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt von seinen Spielern „mehr Dynamik“ aus dem Rückraum. „Die Abwehr macht das im gebundenen Spiel gut.“

Es zeigte sich allerdings wieder einmal: Wenn sich die Offensive derart vogelwild präsentiert, nützt auch die beste Defensive nichts. Weder Max Häfner noch Rudolf Faluvegi brachten Ordnung ins Spiel, und die Halbspieler Dominik Weiß und David Schmidt agierten entweder glück- oder mutlos – oder beides. Und über den Kreis und die Außen lief kaum eine Aktion.

Der TBV Lemgo hatte die Partie längst im Griff – und in Bjarki Ellison den überragenden Spieler in seinen Reihen. Der isländische Nationalmannschafts-Linksaußen hatte nach 60 Minuten elf Tore auf dem Konto – bei zwölf Versuchen. So viele Fehlwürfe standen bei Stuttgart alleine in den ersten 30 Minuten auf dem Zettel. Ellison besorgte beim 13:9 die erste Vier-Tore-Führung des Gastgebers, die auch zur Halbzeit (15:11) Bestand hatte.

Die Wurfpräzision fehlte dem TVB auch im zweiten Spielabschnitt, dennoch rückte er dem Heimteam in der 40. Minute auf die Pelle: Nach drei Schmidt-Toren in Folge zum 18:16 aus Sicht von Lemgo bestand Hoffnung auf die Wende. Zumal sich auch Lemgo etliche leichte Fehler leistete. Die hatten jedoch kaum Auswirkungen, weil Stuttgart einfach keine Sicherheit in sein Spiel bekam und immer wieder schwache Aktionen hatte. So war's lediglich ein kurzes Aufbäumen. Erschwerend hinzu kam aus Stuttgarter Sicht, dass Johannesson im Torhüterduell mit Bitter längst die Nase vorn hatte. Der Ex-Stuttgarter Bobby Schagen zerstörte mit seinem ersten Tor zum 21:16 rasch sämtliche Hoffnungen des TVB auf die späte Wende.

Es passte weiter wenig zusammen. Auch das Comeback von Adam Lönn im Angriff und die Manndeckung von Pfattheicher gegen Jonathan Carlsbogard brachten keinen Erfolg. Lemgo hatte alles im Griff, schraubte den Vorsprung nach 45 Minuten beim 23:17 auf vorentscheidende sechs Tore. Neun Minuten vor dem Ende wäre nach Patrick Ziekers Kontertreffer zum 24:20 noch alles möglich gewesen. Es wäre allerdings ein starker Schlussspurt vonnöten gewesen. Dazu war der TVB aber weder spielerisch noch mental in der Lage.

Ein 3:0-Zwischenspurt der Lemgoer zum 27:20 (53.) reichte, um die Verhältnisse ein für alle mal zu klären. In der Schlussphase ließ das Heimteam die Zügel etwas lockerer, so dass die Niederlage des TVB Stuttgart beim 23:27 nicht ganz so deutlich ausfiel.

Anlass zur Sorge indes gibt der Auftritt allemal.

TBV Lemgo: Wyszormiski, Johannesson; Ellison (11/5), Kogut (2), Carlsbogard (6), Theuerkauf (3), Schagen (2), Zerbe, Cederholm (2), Pauly, Hangstein, Geis, Reimann, Klimek, Baijens (1), Klesniks.

TVB Stuttgart: Bitter, Hummel; Häfner, Asgeirsson, Weiß (2), Faluvegi (4), Lönn (1), Schulze, Röthlisberger (1), Zieker (5), Pfattheicher (3), Pesevski (1), Schmidt (6), Wieling.

So frei wie hier Christoph Theuerkauf (gegen von links Samuel Röthlisberger, Johannes Bitter, Dominik Weiß und Rudolf Faluvegi) kam der TBV Lemgo öfter zum Wurf. Die größeren Schwächen des TVB Stuttgart lagen jedoch in der Offensive. Foto: Cohen

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