Remseck/Waiblingen Westrandbrücke wird wahrscheinlicher

Protestaktion der Westrandbrücken-Gegner im November 2018: Die Initiative „Wir für morgen“ will stattdessen einen „ökologischen“ Nord-Ost-Ring. Foto: Ralph Steinemann

Remseck/Waiblingen. In der Waiblinger Nachbarstadt Remseck verschärft sich der Streit um die geplante Westrandbrücke über den Neckar. Während weitere Details aus den Entwürfen bekannt werden, fordern Gegner einen Bürgerentscheid und schlagen als Alternative eine „ökologische Nord-Ost-Umfahrung“ mit überdeckelten Straßenabschnitten vor.

Wie auch immer der Gemeinderat in Remseck über die Westrandbrücke beschließt, es wird auf Waiblingen erhebliche Auswirkungen haben. Sei es, was die Verbindung nach Ludwigsburg betrifft, sei es, was den Verkehr in der Hegnacher Neckarstraße anbelangt. Schon im Sommer hatten sich die Stadt Remseck und das Land Baden-Württemberg im Grundsatz über eine neue Westrandbrücke geeinigt, inzwischen wurden weitere Details festgezurrt.

Gedacht ist an eine drei- oder vierspurige Brücke, deren Fahrbahn einige Meter höher liegt als die der bestehenden Brücke aus dem Jahr 1953 und die rund 40 000 Fahrzeuge täglich verkraftet. Als Mindestanforderung an die Knotenpunkte wurde die Qualitätsstufe D vereinbart, was bedeutet, dass Autofahrer spätestens mit der zweiten Ampelphase die Kreuzung überqueren können. Dadurch könne ein Verkehrsfluss mit vertretbaren Wartezeiten gewährleistet werden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Stadt Remseck und des Landes Baden-Württemberg.

Für alle Zufahrtsstraßen und die Westrandbrücke selbst soll ein Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde gelten. Das hat den Vorteil, dass nicht die für den Bau von Landesstraßen geltenden Richtlinien eingehalten sein müssen. Die Auffahrten können in einem engeren Radius erfolgen, was weniger Flächenverbrauch zur Folge hat.

OB Schönberger: Kein Ersatz für einen Nord-Ost-Ring

Zum wiederholten Male beteuert der Remsecker Oberbürgermeister Dirk Schönberger, die neue Brücke sei kein Ersatz für einen Nord-Ost-Ring und diene ausschließlich der Verbesserung der Verkehrssituation in Remseck. Der Stau im Nadelöhr Neckarrems soll sich auflösen, der Schleichverkehr aus den Stadtteilen Aldingen, Neckarrems, Hochberg und Neckargröningen verschwinden. Ermöglichen soll die Westrandbrücke außerdem die städtebauliche Weiterentwicklung der Stadt gemäß der Vision einer „Neuen Mitte“.

„Für die erfolgreiche Umsetzung solcher Projekte ist eine große Übereinstimmung zwischen allen Akteuren von zentraler Bedeutung“, erklärt dazu der Amtschef im Verkehrsministerium, Professor Uwe Lahl, „dies ist auch im Fall Westrandbrücke gelungen“. Die beiden Parteien hätten sich auf diverse Punkte bei der Umsetzung der Westrandbrücke geeinigt.

Nach einer Vorstellung der Planungen im Remsecker Gemeinderat sehen sich die Gegner der Westrandbrücke, die sich in der Initiative „Wir für morgen“ zusammengeschlossen haben, in ihren Befürchtungen weitgehend bestätigt. Höhe und Breite entsprächen in etwa den von der Initiative bei einer Protestaktion im November aufgezeigten Dimensionen. Zweifel melden sie an der Wirksamkeit der Brücke an. Offenbar werde bereits jetzt für Spitzenzeiten des Verkehrs mit erheblichen Staus gerechnet. Die Westrandbrücke werde für den überregionalen Verkehr attraktiver und mache damit den Nord-Ost-Ring unrealistisch. Zudem bleibe der heutige Stau erhalten, werde nur flussaufwärts verschoben. In einem offenen Brief ans Rathaus, die Fraktionen und die Presse fordert „Wir für morgen“ einen Bürgerentscheid.

Initiative kämpft für eine „ökologische Nord-Ost-Umfahrung“

Anders als der Remsecker OB betrachtet die Initiative die Westrandbrücke nicht als „alternativlos“. Unter dem Stichwort „Landschaftsmodell Nord-Ost-Ring“ hat sie ein Planungsbüro beauftragt, eine umweltverträgliche Alternative mit optimierter Trassenführung und partiell gedeckelten Straßen auszuarbeiten. Das Ergebnis soll im Lauf des Jahres vorgestellt werden.

Als weitere Alternative werben die Gegner der Westrandbrücke für eine „ökologische Nord-Ost-Umfahrung“, die weitgehend auf bestehenden Straßen verlaufen und ebenfalls gedeckelt werden soll. Als Neckarquerung ist an eine Brücke außerhalb von Remseck in der Nähe des Straßenbahndepots gedacht – die einst geplante Andriof-Brücke, mit anschließender Deckelung und Umfahrungen für Aldingen und Hegnach.


Bürgerinformation

Größe, Lage und Straßenanbindung der Westrandbrücke über den Neckar sollen bei einer Bürgerinformation am Mittwoch, 6. Februar, um 19 Uhr in der Gemeindehalle Aldingen präsentiert werden.

Da es sich um sogenannte Vorentwürfe zur Vorplanung handele, lädt der Remsecker Oberbürgermeister Dirk Schönberger alle Einwohner ein, sich einen ersten Eindruck von der Westrandbrücke zu machen und Fragen zu stellen.

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