Rudersberg Raimon Ahrens ist neuer Bürgermeister

Rudersberg. Der neue Rudersberger Bürgermeister heißt Raimon Ahrens. Überraschend deutlich mit einem Stimmenanteil von 66,7 Prozent wurde der 28-jährige Korber Hauptamtsleiter bereits im ersten Wahlgang gewählt. Zu den Geschlagenen zählt auch AfD-Kandidat Rüdiger Burkhardt, der unter der Fünf-Prozent-Marke blieb – und damit noch unter seinen ohnehin bescheidenen Erwartungen. ZVW.de berichtete live vom Wahlabend im Liveblog und im Livestream.

„Am besten den Richtigen und am besten schon heute“, lauteten die Erwartungen vieler Bürgerinnen und Bürger, die ins Rathaus geströmt waren, um bei der Entscheidung – oder Vorentscheidung – live dabei zu sein. Und dass es bei der Wahl aus Sicht der am Wahlausgang Interessierten den Richtigen getroffen hat, das wurde spätestens bei der Bekanntgabe des zweiten Wahlergebnisses deutlich. Obwohl noch nicht repräsentativ, weil die Ergebnisse aus den drei großen Rudersberger Wahlbezirken noch ausstanden, brandete schon Beifall auf, als die rund 74 Prozent aus Lindental über die Leinwand flimmerten. Und je mehr sich der Trend, der noch relativ bescheiden mit rund 51 Prozent in Klaffenbach eingeleitet worden war, verfestigte, desto mehr mischten sich in den Beifall Jubelrufe. Und spätestens nachdem zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Wahlbezirk Rudersberg I ausgezählt war und für Raimon Ahrens ebenfalls ein Ergebnis von mehr als 70 Prozent auswies, war die Entscheidung gefallen. Jetzt noch künstlich Spannung zu erzeugen, das schafften auch Frank Nipkau und Liviana Jansen im ZVW-Wahlstudio nicht mehr – was nichts daran ändert, dass sich die Rudersberger von dieser Art der fürs Internet produzierten Wahlberichterstattung bestens unterhalten und informiert fühlten.

„Die Rudersberger sind halt noch nicht reif für einen wie mich“

„Jung schlägt Alt, Auswärtiger schlägt Einheimische“ hatte Frank Nipkau den Rudersberger Wahlausgang als „einen ganz normalen für eine schwäbische Schulteswahl“ interpretiert. Und in der Tat: Die beiden als ernsthaft einzustufenden einheimischen Bewerber Stefan Walter und Martin Hermann landeten deutlich mit 14,5 und zwölf Prozent abgeschlagen auf den Plätzen 2 und 3, was ein sichtlich enttäuschter Hermann so kommentierte: „Die Spuren, die ich in Rudersberg schon hinterlassen habe, haben mir offensichtlich nicht geholfen.“ Dann verließ er zügig das Rathaus, nicht ohne den Rudersbergern zu wünschen, dass sie mit Raimon Ahrens hoffentlich die richtige Wahl getroffen haben. Wovon der Fraktionsvorsitzende der „Rudersberger Bürger“, Wolfgang Bogusch, überzeugt ist: „Wir haben den Richtigen gewählt“, kommentierte er das überzeugende Votum für den derzeit noch in Schlichten lebenden Wahlsieger. Ebenfalls ein Einheimischer ist der Schlechtbacher Bernd Hegwer, der mit seinen 0,99 Prozent lediglich als Erfolg verbuchen kann, dass er ein paar mehr Stimmen eingesammelt hat als die Steinenbergerin Relindis Pfisterer. Hegwer nahm das Ergebnis mit dem Humor, der ihn auch schon im Wahlkampf ausgezeichnet hat: „Die Rudersberger sind halt noch nicht reif für einen wie mich“, meinte er. Mit Spannung erwartet war das Ergebnis für den AfD-Kandidaten Rüdiger Burkhardt, der wenige Minuten vor Schließung der Wahllokale seine eigenen Erwartungen bei „fünf bis zehn Prozent“ ansiedelte. Geworden sind es letztendlich knapp fünf.

Die Aufregung beim späteren Sieger hat sich schnell gelegt

Der Favorit hieß schon lange vor dem Wahltag Raimon Ahrens, wobei ihm auch in seinem nahen Umfeld manche nicht den Sieg im ersten Wahlgang und schon gar nicht so einen überzeugenden zutrauten. Ahrens selber, der vergleichsweise früh in Begleitung seiner Verlobten Kathrin Thorenz im Rathaus eintraf, gab sich da schon relativ entspannt. „Schau'n wir mal“, meinte er und räumte gleichzeitig ein, dass er „schon ein bisschen“ aufgeregt sei. Was sich an diesem mit Spannung erwarteten Wahlabend schnell gelegt haben dürfte. Schnell scharten sich die ersten Gratulanten um den strahlenden Sieger, darunter auch einige künftige Bürgermeisterkollegen. Unter ihnen auch der Berglener Schultes Maximilian Friedrich, der noch drei Jahre jünger war als Ahrens, als er zum Bürgermeister gewählt wurde. Friedrich outete sich, bevor das erste Ergebnis bekannt wurde, als Optimist bezüglich des Wahlausgangs: „Daran, dass ich heute Abend da bin, mögen Sie ersehen, dass ich mit einem Sieger im ersten Wahlgang rechne.“ Und wem er einen solchen Durchmarsch in Rudersberg am ehesten zutraute und wem er ihn wünschte, daran gab’s auch keinen Zweifel.

Stimmen zur Wahl

Gespannt? Aufgeregt? „Ja, schon“, gab Relindis Pfisterer zu Beginn des Wahlabends im Rathaus zu. „Man sitzt da schon ein bisschen auf Kohlen“, sagte sie über den Wahlsonntag.

„Ich erwarte auf jeden Fall eine hohe Wahlbeteiligung“, sagte Werner Hinderer aus Rudersberg am frühen Wahlabend. Und auch, „dass die positiven Erwartungen, die so viele Bürger in die Veranstaltungen geführt haben, in die Nachbetrachtung mit einfließen.“ Viel Engagement sei geweckt worden, sagte Hinderer.

Auch Maximilian Friedrich, der Berglener Bürgermeister, war im Rathaus. „Ich bin natürlich gekommen als Nachbarkollege.“ Er ist an einer guten Zusammenarbeit interessiert, als Themen nannte Friedrich beispielsweise auch einen Bürgerbus.

Wie ging es Rüdiger Burkhardt, bevor die ersten Ergebnisse kamen? „Gut. Ich bin relativ entspannt.“ Fest stand für ihn: „Ich werde auf jeden Fall dem neuen Bürgermeister ganz herzlich gratulieren, egal, wer es wird.“

Gibt es eine Entscheidung im ersten Wahlgang? Dazu hatte sich auch Katja Müller, Bürgermeisterin aus Kaisersbach, vorab Gedanken gemacht. Ihr Mann hätte auf einen zweiten Wahlgang getippt. „Es geht knapp, aber im ersten Wahlgang“, lautete Katja Müllers Tipp. „Ich habe nicht ganz recht gehabt“, räumte sie fröhlich angesichts der Höhe des Wahlergebnisses ein. Und sagte auch: „Ich freue mich, dass wir einen neuen, dynamischen jungen Kollegen bekommen.“

„Wir freuen uns über einen neuen Kollegen“, meinte auch der Schorndorfer Bürgermeister Thorsten Englert. Für Rudersberg sei’s gut, dass der Bürgermeister im ersten Wahlgang gewählt wurde. „Auch für den Bewerber ist das ein starkes Signal“, betonte Englert. „Rudersberg hat eine gute Wahl getroffen für einen jungen, dynamischen Menschen, der viel Potenzial hat.“

„Es wäre das Schlimmste gewesen, wenn morgen in der Zeitung gestanden hätte, den ersten AfD-Bürgermeister in der Bundesrepublik gibt es in Rudersberg“, sagte Gerhard Großpietsch aus Rudersberg.

Eine Flasche Wein war der Einsatz bei einer Wette zwischen dem Berglener Bürgermeister Maximilian Friedrich und dem Alfdorfer Schultes Michael Segan, der Vorsitzender des Bürgermeister-Sprengels Welzheim-Schorndorf ist. Friedrich und Segan hatten die Kandidatenvorstellung besucht. „Wir waren uns beide ziemlich einig, dass bei der Vorstellung das Ergebnis im ersten Wahlgang feststehen müsste“, erzählte Segan. Gewettet hatten beide zur Höhe des Wahlergebnisses. Friedrich tippte auf 60 Prozent, Segan ging von 80 Prozent aus. Nun wechselt der Wein den Besitzer.

Wie ging es Stefan Walter nach der Wahl? „Man ist froh über jede Stimme, die man bekommen hat“, so Walter. „Raimon Ahrens hat ein respektables Ergebnis erzielt, zu dem ich ihm auch herzlich gratuliere.“ Es sei ein fairer Wahlkampf gewesen, ergänzte Walter.

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