Rudersberg Weshalb der Kindergarten teurer wird

Die Rohbau- und Innenarbeiten im Steinhaldenweg 5 sind weitgehend abgeschlossen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Rudersberg.
Eine moderne, dreigruppige Einrichtung soll entstehen, wo bis vor fünf Jahren noch Gottesdienste abgehalten wurden. In der ehemaligen Erlöserkirche der Methodisten wird ein Kindergarten gebaut, der Platz für bis zu 60 Kinder bieten soll. Es ist die kostspieligste Investition der Gemeinde im laufenden Jahr. Und eine, die deutlich teurer wird als ursprünglich geplant.

Ursprünglich vorgesehen war die Summe von 1,36 Millionen Euro. Als die Baumaßnahme beschlossen wurde, rechnete die Verwaltung mit Kosten in Höhe von 1,65 Millionen Euro. Stand jetzt ist mit einer Summe von 2,15 Millionen Euro zu rechnen. Woher diese zusätzlichen Kosten kommen, darüber hat die Gemeinde jetzt im Bau-, Verkehr- und Umweltausschuss informiert.

Überteuerte Angebote und ein Gebäude ohne Fundament

Mehrere Faktoren seien dafür verantwortlich, erklärte Bauamtsleiter René Schaal dem Gremium. Zum einen baue man im Bestand, da gebe es immer Unwägbarkeiten. Zum anderen habe man mit der Baumaßnahme begonnen zu Zeiten der Hochkonjunktur. „Bei einzelnen Gewerken haben wir nur wenige, überteuerte Angebote erhalten.“ Doch weil die Plätze dringend benötigt werden, sah sich die Verwaltung dazu gezwungen, den Bau voranzutreiben.

„Leider ist es dabei zu gewissen Kostensteigerungen gekommen“, ergänzte Bürgermeister Raimon Ahrens. „Und leider, wie so oft in älteren Bestandsgebäuden mit Eigenleistungen, tauchten Überraschungen auf.“ Die Mitglieder der Kirche hatten das Gebäude vor 115 Jahren selbst errichtet – und an vielen Stellen ohne Fundament, was erst während des Umbaus zutage kam.

Die Rohbau- und Innenarbeiten an dem Gebäude seien abgeschlossen

Deshalb mussten die meisten Wände und Decken sowohl im Innen- wie Außenbereich statisch gesichert werden. Im Inneren des Gebäudes habe man deshalb außerdem noch einmal umplanen müssen. So kommt es jetzt zu einer veränderten Ausführung der Fluchttreppe und zu einer anderen Aufteilung der Räume.

Aufgrund der Mehrkosten von 500 000 Euro hat die Verwaltung eine höhere Fördersumme (964 000 Euro statt 734 000 Euro) aus dem Topf des Bund-Länder-Investitionspakts Soziale Integration im Quartier (SIQ) beantragt. Die Zusage steht zwar noch aus, die Verwaltung ist sich aber ziemlich sicher, dass es bewilligt wird.

Die Rohbau- und Innenarbeiten an dem Gebäude seien jetzt abgeschlossen, so Bauamtsleiter René Schaal. Da die Gewerke bereits vergeben sind, sei auch nicht mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen. Voraussichtlich im September könne der Kindergarten dann eröffnet werden. (Zu Beginn der Planungen war noch von einer Eröffnung Ende 2019 die Rede gewesen.)

Der Umbau wird 500 000 Euro teurer als geplant

Thomas Keller (Freie Wähler) zeigte sich von den Ausführungen etwas irritiert: „Ist es richtig, dass wir das jetzt nur zur Kenntnis nehmen sollen?“, wollte er wissen. So war es im Beschlussvorschlag der Verwaltung nämlich vorgesehen. Schließlich müsse die Gemeinde 270 000 Euro von der halben Million Euro Mehrkosten finanzieren – sofern die erhöhte Fördersumme bewilligt werde. „Dass man so übers Ziel hinausschießt, kann ich mir nicht erklären.“

Eine Vielzahl von Gründen habe zu den Mehrkosten geführt, erklärte Bürgermeister Ahrens daraufhin erneut. Bei einigen Gewerken habe nur ein Angebot vorgelegen, und bei manchen Preisen habe auch die Verwaltung schlucken müssen. Aber „die Gewerke sind aufeinander abgestimmt.

Wir können nicht eines vergeben und die anderen lassen“. Das sei verständlicherweise ärgerlich. Auch das Problem mit den nicht vorhandenen Fundamenten habe man schnell lösen müssen. „Das kam alles auf einen Batzen.“ Die Kostensteigerungen habe man deshalb auch bereits umsetzen müssen. Die Mittel dafür seien im laufenden Haushalt bereitgestellt.

Den Boden habe man testweise untersucht

Martin Fries (Rudersberger Bürger) fragte noch, weshalb das fehlende Fundament keinem Statiker bei der Baugrunduntersuchung aufgefallen sei. Den Boden habe man testweise untersucht, antwortete Schaal. „Aber dass es meterweise anders sein würde, das konnten wir nicht absehen.“

„Kaufen wir die Katze im Sack, wenn wir uns um alte Gebäude kümmern?“, fragte sich Bernhard Dittl (Rudersberger Bürger). So könne man das nicht sagen, entgegnete Bürgermeister Ahrens. Die Gemeinde habe hier ein Gebäude gekauft, das in Eigenleistung gebaut wurde. „Das kam nicht aus einer Hand, war nicht aus einem Guss.“ Daraus habe sich auch die recht spezielle Grundstruktur des Hauses ergeben.

Das Gremium nahm die Kostensteigerung dann bei einer Gegenstimme (Oliver Schaal von den Rudersberger Bürgern) zur Kenntnis.

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