S-Bahn im Rems-Murr-Kreis S2 und S3 sind spitze – bei den Verspätungen

Die S-Bahnen in der Region Stuttgart sind gefragt wie nie. Die Fahrgastzahlen steigen Jahr für Jahr. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen/Stuttgart. Die S-Bahnen in der Region Stuttgart sind unpünktlicher denn je. Bei den Verspätungen liegen die beiden Linien in den Rems-Murr-Kreis, die S 2 und S 3, mit vorn – aber im negativen Sinn. Vom Verband Region Stuttgart einst zu „S-Bahn-Gipfeln“ hochstilisiert, legt die Deutsche Bahn ihre S-Bahn-Bilanz inzwischen als einen Tagesordnungspunkt unter vielen im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung vor.

Der S-Bahn-Gipfel ist stumpf geworden. Die Regionalräte sind es leid geworden, Jahr für Jahr ein Scherbengericht über die Verantwortlichen der Deutschen Bahn abzuhalten und die Unpünktlichkeit der S-Bahnen zu beklagen. Wie berichtet, kosten 2018 die zunehmenden Verspätungen der Bahn voraussichtlich 1,3 Millionen Euro (2017: 1,1 Millionen Euro). Diese Vertragsstrafe solle aber auch tatsächlich eingezogen und nicht mit irgendwelchen Verbesserungen seitens der Bahn verrechnet werden, lautete eine Forderung im Verkehrsausschuss, die der SPD-Regionalrat Harald Raß aus Fellbach erhob.

 

Warum werden die S-Bahnen von Jahr zu Jahr unpünktlicher?

Die S-Bahn, so der Tenor der Erklärungen für die Verspätungen und Unpünktlichkeiten, ist Opfer ihres eigenen Erfolges. Allen Verspätungen und Zugausfällen zum Trotz stiegen in den vergangenen Jahren immer mehr Pendler auf die S-Bahnen um und nutzen die S-Bahn auf ihren Wegen zur Schule, zur Arbeit oder in ihrer Freizeit. Seit 2009 erhöhten sich die Fahrgastzahlen um stattliche 30 Prozent von 100 auf 131 Millionen. Die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur hielt aber nicht mit den steigenden Fahrgastzahlen Schritt.

Die S-Bahn fährt längst an ihrer Kapazitätsgrenze. Bei den Linien S 2 und S 3 in den Rems-Murr-Kreis schlagen diese strukturellen Probleme der S-Bahn besonders hart durch, nämlich die Kapazitätsengpässe auf der sogenannten Stammstrecke vom Stuttgarter Hauptbahnhof bis zur Schwabstraße, die Mischverkehre auf den Schienen und eingleisige Abschnitte.

Diese drei Punkte führte Dr. Dirk Rothenstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn Stuttgart, als Hauptgründe an, weshalb die Qualität im vergangenen Jahr erneut gesunken ist. Gerade auf eingleisigen Abschnitten schlagen Verspätungen von Fern- und Regionalzügen eins zu eins auf die S-Bahn-Züge durch. Denn ICE, IC und Regionalexpress haben Vorfahrt – selbst proppevolle S-Bahnen müssen warten.

In welchen Punkten bekommt die S-Bahn gute Noten von ihren Fahrgästen?

Es ist nicht alles schlecht bei den S-Bahnen, betonte Dirk Rothenstein und wies auf gute Noten in Sachen Sicherheit (Note 2,1) und Sauberkeit (Note 2,4) hin. Auch mit den Informationen sind die Fahrgäste in aller Regel zufrieden (Note 2,5) – außer bei Störfällen (Note 3,2). Trotz Internet, Twitter und Apps auf dem Smartphone vermissen Fahrgäste in den Zügen und auf den Bahnsteigen oft konkrete Hinweise, was los ist, wie es weitergeht und wann der nächste Zug kommt.

Im Verkehrsausschuss richtete sich der Blick auch nach vorn, wie die Qualität der S-Bahn verbessert werden kann. Hier stehen zwei Maßnahmen im Vordergrund. Zum einen die „Digitalisierung der Schiene“, also eine moderne Leit- und Sicherheitstechnik ETCS und eine Automatisierung des Zugbetriebes. Die Hoffnung der Bahn und der Region als Träger der S-Bahn ist, dass dann mehr als heute 24 S-Bahnen pro Stunde durch die Stammstrecke geschleust werden können.

Was unternimmt die Region Stuttgart, damit die S-Bahnen zuverlässiger werden?

Zum anderen aber kauft die Region für rund 422 Millionen Euro weitere 58 Züge. Dank der neuen Züge sind die S-Bahnen tagsüber nicht nur als Langzüge unterwegs, sondern auch im 15-Minuten-Takt. Ein engerer Takt, so die Hoffnung vieler Regionalräte, macht die Verspätungen einzelner Züge erträglicher. Denn der nächste Zug kommt schneller.

Nicht nur die Region investiert in ihre S-Bahnen, auch die Deutsche Bahn gibt Geld für den Betrieb und das Netz aus, betonte Dirk Rothenstein, nämlich 265 Millionen Euro in ein Redesign der Züge, bessere Fahrgastinformation oder die Werkstatt in Plochingen. So werden derzeit die Gleise zwischen Waiblingen und Grunbach erneuert, die Strecke ist gesperrt und die Fahrgäste bis 20. April auf den Schienenersatzverkehr mit Bussen angewiesen.

Wie hängen Fahrplan und Pünktlichkeit zusammen?

Gerade bei Baustellen stehe die Bahn bei den Fahrplänen vor einem Dilemma: Sind weniger Züge unterwegs, sei ein stabiler Fahrplan möglich. Sind jedoch viele Züge auf der Schiene, leide die Pünktlichkeit. Im Baustellenjahr 2019 habe sich die Bahn für die zweite Alternative entschieden. Rothenstein rechnet folglich nicht damit, dass er im April 2020, bei seinem nächsten Auftritt im Verkehrsausschuss, schon eine Kehrtwende bei der Pünktlichkeit verkünden kann. Vielmehr werden die ehedem schlechten Pünktlichkeitswerte voraussichtlich noch schlechter ausfallen.


Baustellen

Mehr als zehn Baustellen kommen dieses und nächstes Jahr auf die S-Bahn in der Region Stuttgart zu. Rüdiger Weiß, Leiter Vertrieb und Fahrplan bei der DB Netz, präsentierte im Verkehrsausschuss das Baustellenmanagement der Bahn.

Eine Baustelle hat eine Vorlaufzeit von bis zu sechs Jahren, wies Weiß auf die Sperrung der Schnellfahrstrecke Stuttgart-Mannheim vom 20. Februar bis 31. Oktober 2020 hin, die sich auf den gesamten Zugfahrplan im Südwesten auswirken wird.

Noch über Ostern und bis 9. Mai werden die Gleise zwischen Waiblingen und Grunbach erneuert. Aktuell bis 20. April ist die Bahnstrecke gesperrt und es fahren Busse. Bis 9. Mai gibt es wegen der Gleiserneuerung auf der Remsbahn noch Behinderungen. Die Baumaßnahme ist aber die einzige der elf größten Projekte der DB Netz im Rems-Murr-Kreis. Der S-Bahn-Verkehr auf den Linien S 2 und S 3 wird aber von den Baumaßnahmen für Stuttgart 21 tangiert werden, die das ganze Jahr 2019 über andauern werden.

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