Schnelles Internet im Rems-Murr-Kreis Glasfaser für fast alle Haushalte bis 2030

Schnelles Internet? Das gibt’s noch immer nicht für alle. Foto: pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Waiblingen. Schnelles Internet kommt. Nicht gegen die Telekom, sondern mit ihr. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages hat am Montag die Gründung und den Beitritt zum Zweckverband „Breitbandausbau Rems-Murr“ beschlossen. Er koordiniert die Ausbaupläne der Telekom mit den Städten und Gemeinden, damit bis 2030 rund 90 Prozent aller Haushalte zwischen Rems und Murr am Glasfasernetz hängen.

Das Misstrauen bleibt aber groß. Dass ausgerechnet die Deutsche Telekom AG schnelles Internet bringen soll, konnte sich SPD-Kreisrat Thomas Berger kaum vorstellen. „Ich trau’ denen nicht weiter, als ich gucken kann“, sagte Berger und empfahl Landrat Richard Sigel und seinem Stellvertreter Michael Kretzschmar ihm gleichzutun. Kretzschmar hatte im Umwelt- und Verkehrsausschuss den Sachstand beim Ausbau der Glasfasernetze zwischen Rems und Murr erläutert. Die Gründung eines Zweckverbandes ist einer von vielen Schritten, um die in der Kooperationsvereinbarung zwischen der Region Stuttgart und der Telekom vereinbarten Ziele zu erreichen. Im Sommer hatten sich Region und Telekom überraschend geeinigt, nach jahrelangem Hickhack nicht gegen- , sondern miteinander eine Glasfaser-Infrastruktur aufzubauen.

Industrie, Gewerbe und Schulen haben Vorrang

Konkret wird die Vereinbarung in der Kommune. Der Zweckverband soll den Rathäusern bei ihren Verhandlungen mit der Telekom den Rücken stärken sowie bei Ausschreibungen, Fördermaßnahmen oder der Verlegung von Leerrohren helfen. Der Kreis lässt sich diesen Service jährlich rund 340 000 Euro kosten. In der Kooperationsvereinbarung verspricht die Telekom, dass bis 2030 90 Prozent aller Haushalte Glasfaseranschlüsse erhalten, entweder FTTB („Glasfaser bis in den Keller“) oder FTTH („Glasfaser bis in die Wohnung“). Industrie und Gewerbe sowie Schulen sollen vorrangig ans schnelle Netz gehen. Offen bleibt, wer die zehn Prozent sind, die bis 2030 noch kein Glasfaser erhalten. Bekanntlich beißen die Letzten die Hunde.

Kostenübersicht bis Ende November

Bis Ende November, so Kretzschmar, sollen alle 31 Kommunen zwischen Rems und Murr von der Telekom eine Übersicht erhalten, was der Netzausbau auf ihrer Gemarkung kostet. Und zwar unterteilt in erstens den Anteil, den die Telekom auch ohne Kooperation investieren würde, den sogenannten „eigenwirtschaftlichen Anteil“, zweitens den Anteil, den die Telekom nur aufgrund der Kooperation zusätzlich investieren möchte, und drittens den Anteil, der an den Städten und Gemeinden hängenbleibt.

„Es wird kein Geld an die Telekom fließen“

Genau beim dritten Teil des Projektes, das allein im Landkreis mehr als 100 Millionen Euro kosten dürfte, wird’s interessant. Denn das Geld für den Ausbau in kleinen Ortschaften, abgelegenen Weilern oder nicht lukrativen Stadtvierteln müssen sich die Rathäuser entweder über Fördermittel beschaffen oder durch einen eigenen Ausbau. „Es wird kein Geld an die Telekom fließen“, betonte Kretzschmar. Aber sollte ein Rathaus den Ausbau solch eines Netzes öffentlich ausschreiben, werde sich die Telekom zumindest an der Ausschreibung beteiligen. Und noch eins war Kretzschmar wichtig: Der Zugang zum Glasfasernetz bleibt offen. Selbst wenn die Telekom die Leitung bis ins Haus verlegt hat, kann dieser Zugang von jedem Wettbewerber mitbenutzt werden.

799 Euro pro Hausanschluss

Umsonst kommt schnelles Internet übrigens nicht. Die Telekom kalkuliert einen Hausanschluss mit 799 Euro. Vielleicht gibt’s Rabatt, wer sich frühzeitig für Glasfaser entscheidet. In aller Regel reichen im Privathaushalt FTTC-Anschlüsse („Glasfaser bis zum Kabelverzweiger“) fürs Internet und Fernsehen oder um Filme zu streamen.

Druck auf die Telekom

Dass es überhaupt zu der durchaus strittigen Kooperationsvereinbarung mit der Telekom gekommen ist, sei nicht zuletzt dem Druck zu verdanken, den die Region, die Landkreise und die 179 Kommunen auf die Telekom gemacht haben. Stichwort Backbone-Netz. Weil die Telekom beim Glasfasernetz nicht in die Gänge kam und lieber weiter ihr Geld mit den alten, aber nicht mehr den Stand der Technik entsprechenden langsamen Kupferkabeln verdiente, sollten schnelle Datenautobahnen gebaut werden. Der Telekom drohten die Felle davon zu schwimmen. Sie zeigte sich kooperationswillig. Nach den schlechten Erfahrungen aber sitzt in der Kommmunalpolitik der Argwohn weiter tief.

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