Schorndorf Aus für das Waschmaschinen-Werk

Schorndorf. Die Produktion von Waschmaschinen in Schorndorf läuft im Laufe des Jahres 2012 aus. Bereits seit eineinhalb Jahren macht sich Bauknecht mit dem Projekt „Zukunft des Standorts“ Gedanken um Perspektiven jenseits der „Weißen Ware“. Grund fürs Aus für das Werk ist der Einbruch des Absatzes der XXL-Waschmaschinen in den USA.

Wurden einst bis zu 900 000 Access-Waschmaschinen in Schorndorf gebaut, sind es aktuell noch 200 000 Stück. Außer den Absatzproblemen von Frontladern seit der Wirtschafts- und Finanzkrise spielt beim rückläufigen Export auch eine Rolle, dass Whirlpool, die Muttergesellschaft der Bauknecht-Hausgeräte GmbH, seit gut zwei Jahren auch im mexikanischen Monterrey große Frontlader fertigt. Whirlpool habe mit der „Access“, wie die XXL-Geräte genannt werden, den Waschmaschinenmarkt in den USA revolutioniert, sagte Bauknecht-Geschäftsführer Manfred Davids gestern beim Pressegespräch. Inzwischen erobern sich die Toplader Marktanteile zurück, und Whirlpool kämpft auf dem schrumpfenden Markt gegen die asiatische Konkurrenz, nannte Davids vor allem LG und Samsung, gegen die Whirlpool deshalb wettbewerbsrechtlich vorgegangen sei.

In Deutschland und Europa haben die XXL-Waschmaschinen nie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Noch heute gehen 80 Prozent der Fertigung in den Export. Dies bedauert auch Johann Drost, Betriebsratsvorsitzender von Bauknecht in Schorndorf. Im Grundsatz sei es schade, dass die Waschmaschinenfertigung in Schorndorf ausläuft. Drost sieht in Solarcell aber auch eine Chance für den Standort und die Beschäftigten. Bis Ende 2012 will das Solarzellenunternehmen zunächst 180 der aktuell 300 Beschäftigten nach einer Umschulung übernehmen. Bis Ende 2013 sollen 290 Mitarbeiter in Schorndorf beschäftigt sein. „Eins zu eins wird nicht möglich sein“, sagt Drost über die künftigen Löhne. Jürgen Tschofen, Verwaltungsrat von Solar Industries hatte im Pressegespräch erklärt, dass das relativ hohe Lohnniveau in der Metall- und Elektroindustrie kein Hinderungsgrund gewesen sei, hier zu investieren.

Schon Mitte 2011 hatte Bauknecht in Schorndorf die zweite Schicht gestrichen und 190 Beschäftigte entlassen. Die wurden von der Beschäftigtengesellschaft Refugio übernommen. Sie sei mit ihren Bemühungen erfolgreich. „Die Vermittlungsquote ist relativ hoch“, sagte Johann Drost.

Bauknecht folgt in Schorndorf dem Beispiel Neunkirchen. Dort hat der Automobilzulieferer ZF das komplette Geschirrspülerwerk samt 240 der 280 Beschäftigten übernommen, die seit Jarhesbeginn statt Geschirrspülern Automatikgetriebe herstellen. Auch in Schorndorf hat sich Bauknecht seit eineinhalb Jahren Gedanken um die Zukunft gemacht, nachdem sich Überkapazitäten abzeichneten und von einst drei Schichten nur noch eine übrigblieb. Vor eineinhalb Jahren startete das Projekt „Zukunft des Standorts“, zu dem die Mitarbeiter 200 Ideen lieferten, sagte Werkleiter Kurz Schweigmann. Im Zuge der Produktionseinschränkung wurden erhebliche Flächen frei, so dass Solarcell das gesamte Gebäude 3 an der Nordpforte übernimmt und eine Option das Gebäudes 2 gezogen hat.

Entwicklungszentrum wird gestärkt

Der Mietvertrag für das Areal läuft noch bis 2015. Laut Manfred Davids gebe es noch keine Überlegungen, das europäische Entwicklungszentrum für Waschen und Trocknen oder den zentralen Einkauf ebenfalls von Schorndorf zu verlagern. Im Gegenteil. Davids sieht den Standort sogar gestärkt, da das Entwicklungszentrum außer Topladern und Trocknern künftig auch für &0-Zentimeter-Frontlader verantwortlich zeichnen werde.

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