Schorndorf Der Windkraftstandort WN 35 ist vom Tisch

Symbolbild. Foto: Mogck/ZVW

Schorndorf. Als der Oberbürgermeister nach der zu Beginn der letzten Gemeinderatssitzung mit Bürgern geführten emotionalen Diskussion um den am Kaisersträßle zwischen Schlichten und Oberberken gelegenen Windkraftstandort WN 35 gehört hat, dass das Landratsamt nicht mehr bereit ist, für das Landschaftsschutzgebiet ein Änderungsverfahren durchzuführen, hat er noch vor seinem Urlaub entschieden, dass die Stadt aus dem noch gar nicht richtig begonnenen Verfahren aussteigt. Mittlerweile ist das Vorranggebiet so gut wie vom Tisch.

Denn mittlerweile hat auch der Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart davon Kenntnis genommen, dass die Prüfungen des Landratsamtes Rems-Murr ergeben haben, dass für die teilweise oder ganz von Landschaftsschutzgebieten überlagerten Vorranggebiete WN 18 (Jux/Rudersberg), WN 19 (Hörnle/Winnenden), WN 13 (bei Murrhardt) und WN 35 (Kaiserstraße) kein Änderungsverfahren eingeleitet wird.

Allgemeine Widerstand gegen Windkraftanlagen

Was, wie der Oberbürgermeister vermutet, nicht nur rein sachlichen Gründen geschuldet ist, sondern auch dem Widerstand gegen Windkraftanlagen ganz allgemein und Klagen gegen die Genehmigung des Windkraftstandorts „Goldboden“ im Besonderen.

Denn wenn, so der Einwand von Bürgermeister Thorsten Englert, ein Landschaftsschutzgebiet ein Ausschlusskriterium gegen Windkraftnutzung ist – was es in der Vergangenheit nämlich nicht war –, dann hätte das schon viel früher gesagt werden können beziehungsweise hätten solche Vorranggebiete erst gar nicht ausgewiesen beziehungsweise fortgeschrieben werden dürfen. Und den politisch Handelnden vor Ort wäre viel Ärger und Verdruss erspart geblieben.

OB hat „keine Lust mehr, immer der Buhmann zu sein“

Der Oberbürgermeister hat, auch wenn er das zitierfähig so natürlich nicht sagen würde, die Schnauze gestrichen voll. „Ich habe keine Lust mehr, immer der Buhmann zu sein“, sagt er und macht aus seiner Enttäuschung, dass bei solchen Projekten nicht einmal kommunale Behörden in der Lage sind, den Schulterschluss zu üben oder gemeinsam - in welche Richtung auch immer – klare Kante zu zeigen, keinen Hehl. „Es wird mir in Zukunft nicht mehr passieren, dass wir als Stadt so sehr ins Forechecking gehen, so lange es nicht auch von anderen ein klares Bekenntnis gibt“, sagt der Oberbürgermeister, der sich, sollte es bei WN 35 doch noch einmal eine Kehrtwende geben, auch nicht mehr in der Pflicht sieht, eine Informationsveranstaltung zu machen.

„Das sollen die staatlichen Behörden dann erst einmal unter sich ausmachen“, sagt Klopfer mit Blick darauf, dass aktuell allenfalls noch BW Forst als Staatswaldbesitzer und das Umweltministerium als die Behörde, die bei der Energiewende nach wie vor auf den Windkraftausbau setzt, ein Interesse an diesem Vorranggebiet auf dem Schurwald haben könnten.

Konzentration auf das Wesentliche

Was nicht heißt, dass sich auch der Oberbürgermeister von diesem Projekt verabschiedet hätte – im Gegenteil. Er stehe weiterhin zu 100 Prozent hinter der dezentralen Energiewende, weshalb von Seiten der Stadt und der Stadtwerke auch weiterhin am Standort GP 03 festgehalten werde – zumindest so lange, bis nicht bewiesen ist, dass die artenschutzrechtlichen Einschränkungen so groß sind, dass ein Betrieb von Windkraftanlagen wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht oder ohnehin nicht infrage kommt.

Wer die Energiewende wolle, der müsse halt auch mal öffentlichen Druck aushalten, sagt Matthias Klopfer an die Adresse des Landratsamts. Diese Rolle stellvertretend zu übernehmen, dazu aber, so der Oberbürgermeister, sei er künftig aber nicht bereit. „Für die Menschen sind wir alle die Politik, aber abkriegen tun es die vor Ort“, beklagt (sich) Klopfer, der sich vorgenommen hat, sich künftig auf Wesentliches zu konzentrieren und nicht auf Projekte, „bei denen ich nicht die Unterstützung des Landratsamtes habe“.

Wenn die jetzige Entwicklung bezüglich des Windkraftstandorts WN 35 überhaupt etwas Gutes hat, dann die Tatsache, dass die Verantwortlichen bei der Stadt zwar ihre Nerven strapaziert, aber noch nicht allzu viel Zeit und schon gar kein Geld investiert haben. Denn mehr als die Anfrage von BW Forst zu beantworten, ob die Stadt bereit sei, sich mit ihrem Stadtwaldanteil in eine gemeinsame Ausschreibung einzuklinken, sei bislang nicht passiert, sagt Bürgermeister Thorsten Englert.

  • Bewertung
    20
 

39 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!