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Schorndorf Ekel im Asia-Restaurant: Inhaber vor Gericht

Igitt: Erdbeerschale mit Schimmelbelag. Foto: Zürn / ZVW / Archiv

Schorndorf. Regale und Eimer im Kühlraum pelzig verschimmelt, eine mit Fliegen befallene Schinkenkeule, schmierige Beläge in der Spülmaschine, in der Bierzapf- und der Getränke-Mix-Anlage, dazu: Putenbrustfilets zum Auftauen im warmen Spülbeckenwasser. Was Lebensmittelkontrolleure voriges Jahr gleich zweimal in einem Asia-Restaurant in Schorndorf entdecken mussten, ist so ekelhaft, dass der Inhaber jetzt vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 6500 Euro verurteilt wurde. Geschlossen ist der Betrieb nicht.

Die Lebensmittelkontrolleure des Landratsamts sind fürs Lebensmittelrecht zuständig. Entsprechen die Zustände nicht den Vorschriften, wird ein Betrieb geschlossen. Sind Küche, Kühlraum und Schrankbereich wieder sauber, kann’s weitergehen. Erst wenn die Gaststättenbehörde der Stadt sich des Falles annimmt, nach einer eingehenden Prüfung die Gaststättenerlaubnis widerruft und eventuell eine Gewerbeuntersagung ausspricht, droht die endgültige Schließung des Restaurants. Doch das ist im Fall des Asia-Restaurants noch offen: In der Regel wartet die Stadt – um kein Parallelverfahren zu eröffnen – das Urteil des Gerichts ab.

Angeklagter: "Die Hygiene ist besser geworden"

Versäumt wird dabei nichts, versichert Karin Gries als zuständige Fachbereichsleiterin Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung auf Nachfrage: „Wäre Gefahr in Verzug gewesen, hätte der Lebensmittelkontrolleur gehandelt.“ Doch der hatte seit November 2016 keine Zeit mehr für einen Besuch. Bleibt für den Verbraucher also nur die Hoffnung, dass der Angeklagte die Wahrheit sagt. Der versicherte in der Gerichtsverhandlung, jetzt alles unter Kontrolle zu haben: „Die Hygiene ist besser geworden.“

Ungeheuerliche Entdeckungen im Restaurant

Hoffentlich. Denn was die Lebensmittelkontrolleure bei Besuchen im August und im Oktober in dem Asia-Restaurant entdeckt haben, ist ungeheuerlich: Im schlecht beleuchteten Kühlraum, in dem Gemüse und Salat auch unverpackt herumlagen, waren die Wände, das Verdampfgitter sowie Regale und Lebensmitteleimer „pelzig verschimmelt“. Eine getrocknete Schinkenkeule war stark mit Fliegen befallen, Tofu in allen Farben verschimmelt. In Kühlgeräten in der Küche, die stark verschmutzt waren, lagen offene Lebensmittel, die Dichtungsgummis waren dreckig und beschädigt. In der Spülmaschine entdeckten die Kontrolleure rötlich-schmierige Ablagerungen, an den Tellern Essensreste. Keimanfälliges Geflügelfleisch und Fisch waren bei viel zu hohen Temperaturen gelagert. In der Bierzapfanlage haben die Kontrolleure einen schmierigen Belag entdeckt, die Köpfe der Getränke-Mix-Anlage waren ebenfalls stark verunreinigt. Aufgrund der Vielzahl gravierender Missstände ordnete die Lebensmittelüberwachungsbehörde des Rems-Murr-Kreises Anfang August die sofortige Betriebsschließung an.

Drei Monate später wieder unhygienischer Zustand

Als dann einen Tag später geputzt war, konnte der Betrieb weitergehen – obwohl keine drei Monate später bei einer erneuten Kontrolle vor allem die Küche „in einem derart unhygienischen Zustand war, dass Kunden bei dessen Kenntnis von Erwerb und Verzehr der dort zubereiteten Speisen Abstand genommen hätten“, wie es der Staatsanwalt in der Anklage formulierte. Wieder befanden sich im Spülbecken Putenbrustfilets zum Auftauen, inklusive denaturiertem Eiweiß an der Fleischoberfläche; in der Spülmaschine waren wieder schleimige Ablagerungen, an der Halterung der Handbrause am Spülbecken war der Schmutz schon angetrocknet; die Filter der Belüftungsanlage waren fettig, Kunststoffkisten, in denen geschnittenes Kraut lagerte, mit sandigen Ablagerungen verschmutzt, Kunststoffschneidebretter gelblich verunreinigt, Lebensmittel lagerten auf dem Boden des Kühlraumes. Und die Getränke-Mix-Anlage: mit angetrockneten, schimmligen Getränkeresten noch heftiger verunreinigt als bei der Kontrolle im August. Die Kaffeemaschine: ebenfalls dreckig.

Restaurantbesitzer wollte Bußgeld nicht bezahlen

Weil er damit gleich zweimal gegen das Lebensmittelrecht verstoßen hat, bekam der 42-jährige Restaurantbesitzer einen Bußgeldbescheid in Höhe von 6500 Euro. Hätte er diesen akzeptiert und die Geldstrafe bezahlt, die Sache wäre gar nicht an die Öffentlichkeit gekommen, sondern vermutlich in den Mühlen der Verwaltung verschwunden. Da er aber Einspruch eingelegt hat – wenn auch letztlich nur noch gegen die Rechtsfolgen –, kam es zur Verhandlung im Amtsgericht. Und die erst hat die ekelerregenden Details zutage gebracht.

Möchten Sie in einem solchen Restaurant essen? „Nein“

Den Vorwürfen an sich konnte oder wollte der Restaurantbesitzer dabei nichts entgegensetzen: Ungerührt nahm er in der Verhandlung die Anklage mit all ihren ekelerregenden Details zur Kenntnis. Schulterzucken, als Richterin Petra Freier ihn noch einmal direkt auf die Zustände in seiner Küche ansprach. Nur als sie nachhakte, ob er selbst in einem solchen Restaurant essen wolle, fiel die Antwort eindeutig aus: „Nein.“

Kein Geschäftsführer oder Stellvertreter

Ansonsten wand er sich in Ausreden: Weil er sich wegen diverser Bandscheibenvorfälle in China hatte behandeln lassen, war er nur selten in seinem 2007 eröffneten Restaurant. Einen Geschäftsführer oder Stellvertreter hatte er nicht bestimmt. Jeder Koch sei für die Sauberkeit seines eigenen Arbeitsbereichs zuständig gewesen. Seine Ex-Frau, die im Gegensatz zu ihm keinerlei Hygiene-Ausbildung hat und auch nur schlecht Deutsch spricht, sollte ein Auge auf die aus China stammenden Köche haben. Das hat offenbar nicht funktioniert. Doch sie hat ihren Strafbefehl bereits im Mai akzeptiert und wegen der beiden Vergehen gegen das Lebensmittelgesetz eine Geldstrafe von 5200 Euro bezahlt.

Nicht zum ersten Mal mit dem Gericht zu tun

Dass er sich selbst zu wenig gekümmert hat, das musste sich der Angeklagte vom Staatsanwalt vorwerfen lassen – hatte er doch auch nicht das erste Mal mit dem Gericht zu tun: 2015 wurde ein Koch wegen Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz verurteilt, und aus dem Jahr 2011 hat der Inhaber eine Vorstrafe wegen gewerbsmäßiger Einschleusung von Ausländern in insgesamt acht Fällen. „Das sind Zustände“, sagte der Staatsanwalt, „da verschlägt’s einem den Appetit.“ Nachdem 2016 gleich zweimal – und bereits bei Kontrollen im Jahr 2015 – die hygienischen Zustände angemahnt wurden, hat er nicht wirklich durchgegriffen, sondern sich nur mit den Köchen zusammengesetzt: „Aber die sind mit deutscher Hygiene nicht so vertraut.“ (Zwischenfrage der Richterin: „Gibt es in China keine Hygienevorschriften?“) Dazu kommt ein steter Wechsel bei den Köchen – auch diesen Umstand macht er für die miserablen Zustände verantwortlich.

Getränkelieferant sagte als Zeuge aus

Und: Für die Sauberkeit der Zapfhähne sei ja zweimal im Monat der Getränkelieferant zuständig. Das stimmt zwar, bestätigte der Lebensmittelkontrolleur, der als Zeuge in der Verhandlung aussagte. Tatsächlich sollten die Zapfhähne aber auch eigenhändig gereinigt werden. Nur an die Ventilstöße komme man nicht ran, erläuterte der Kontrolleur und zitierte eine DIN-Norm, nach der dies eigentlich jede Woche gemacht werden sollte, „was aber trotzdem nicht gemacht wird“. Auch die Getränke-Mix-Anlage, die einmal im Jahr vom Lieferanten gereinigt wird, sollte jedes Vierteljahr gesäubert werden. Schwarze, schleimige Ablagerungen, wie sie die Kontrolleure im Asia-Restaurant entdeckt haben, „die haben da nichts zu suchen“. Und die sind, merkte Richterin Freier an, gewiss auch nicht von heute auf morgen entstanden. Kommentar des Lebensmittelkontrolleurs: „Einfach nur ekelerregend.“

 

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