Schorndorf Elektroautos parken jetzt kostenlos

Beim Aufstellen der E-Auto-Schilder: Matthias Klopfer (Oberbürgermeister), Andreas Kuttelwascher (Zentrale Dienste) und Karin Gries (Fachbereichsleitung Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Schorndorf). Foto: Schneider / ZVW

Schorndorf. Wer künftig mit einem Elektroauto in der Stadt unterwegs ist, kann alle Parkplätze kostenlos nutzen. Entsprechende Schilder hat die Stadt nun anbringen lassen. Das erste hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer am Donnerstag höchstpersönlich montiert.

Besser hätte diesen Zufall wohl selbst der OB kaum bestellen können: Just zum Pressetermin parkt eines dieser modernen Fahrzeuge direkt neben dem Parkautomaten. In der Windschutzscheibe brav platziert liegt der Parkschein. „Den brauchen Sie künftig nicht mehr“, sagt Klopfer, als Bettina Groß, Besitzerin des markanten Einsitzers französischer Provenienz, die Fahrertüre öffnet. „Das ist ja super“, freut sich die Grunbacherin und lässt den OB zum Dank gleich mal Probe sitzen. Der zeigt sich von dem doch sehr kompakten Elektroauto sofort sehr angetan. „Ein wunderbares Auto“ sei das, schwärmt Klopfer, der es sich nicht nehmen lässt, damit direkt eine Runde um den Unteren Marktplatz zu drehen.

Jeden Tag mit dem Elektroauto von Grunbach nach Gmünd

Auch Bettina Groß ist begeistert von dem auffälligen Elektroauto. „Ich liebe es“, sagt sie. Seit mehr als zwei Jahren nutzt sie den kleinen Franzosen für Einkäufe, Kurzstrecken, aber auch die Fahrt zur Arbeit nach Schwäbisch Gmünd. Maximal 80 Kilometer pro Stunde schafft das Auto, für die B 29 reicht das. Und auch die Batterie, die sie an der normalen Steckdose tankt, macht auf dieser Strecke noch mit. Vollgeladen schafft das Auto 70 Kilometer. Die aktuelle Technik ist da längst weiter. Doch für die Zwecke der Familie Groß ist es völlig ausreichend. Zumal es ja nur ein Zweitwagen ist – einer aber, der stets mehr Blicke auf sich zieht als das andere, deutlich größere Gefährt mit Verbrennungsmotor.

Nein, Bettina Groß fällt auch auf Nachfrage nichts Negatives ein über ihr kleines Elektroauto. Rundum praktisch sei es und bisher habe sie keine Probleme gehabt. Mit Sicherheit werde sie sich deshalb auch beim nächsten Kauf für ein Fahrzeug mit Elektromotor entscheiden. Einen recht bekannten Hersteller aus den USA habe sie bereits ins Auge gefasst.

Stadtwerke hätten eine Vorreiterrolle eingenommen

Klopfer selbst, das sei an dieser Stelle nicht unterschlagen, fährt ja noch konventionell. Sein nächstes Dienstfahrzeug soll dann aber ein Hybrid sein, zumindest hat der OB das in Erwägung gezogen. Die Stadt immerhin besitzt schon Elektroautos in ihrem Fuhrpark, will diesen Bestand künftig auch ausbauen. Die Stadtwerke hätten, so Klopfer, in Sachen E-Mobilität eine Vorreiterrolle eingenommen, unter anderem durch Pedelec- Leih- und Ladestationen.

Für Elektroautos genügt künftig eine Parkscheibe

Mit der Möglichkeit, im Stadtgebiet kostenlos parken zu dürfen, will die Verwaltung nun in der Bevölkerung einen zusätzlichen Anreiz für mehr Elektromobilität schaffen. Wer ein E-Auto besitzt, kann (zunächst bis 31. Dezember 2019) auf einen Parkschein verzichten. So hat es der Gemeinderat Ende Juni entschieden. Eine Parkscheibe wird künftig genügen. Immer im Rahmen der erlaubten Höchstparkzeit, das versteht sich. Dauerparken dürfen auch Elektroautos künftig nicht.

Ein kleines Problem hat die Stadt dabei recht unbürokratisch gelöst. Eigentlich müssten die Autos auch über spezielle Kennzeichen verfügen. Mit dem sogenannten E-Nummernschild genießen Halter Privilegien, sofern die Kommunen vor Ort die Voraussetzungen schaffen – so hat es der Gesetzgeber im Elektromobilitätsgesetz vor zwei Jahren festgelegt. Doch nach wie vor gibt es viele, die ein Elektroauto mit normalem Kennzeichen fahren. Auch Bettina Groß hat kein E auf ihrem Nummernschild.

Kein E-Kennzeichen erforderlich

In Schorndorf wird die Stadt in diesem Punkt aber ein Auge fest zudrücken. Erkennbare Elektroautos ohne E-Kennzeichen parken prinzipiell kostenfrei. Formalrechtlich dürften sie das zwar nicht, „ordnungsrechtlich werden wir das aber nicht ahnden“, verspricht Klopfer.

„Wir wollen ja nicht diejenigen bestrafen, die sich schon ganz früh so ein E-Auto zugelegt haben“, sagt Karin Gries, Fachbereichsleiterin Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung. Auch Besucher aus dem Ausland sollen von dieser unbürokratischen Regelung profitieren. Eine entsprechende Plakette soll laut Gries genügen.

Weitere Elektrotankstellen beschlossen

Ebenfalls im Juni beschlossen hat der Gemeinderat die Einrichtung zweier weiterer Elektrotankstellen in der Stadt. Auf zwei Parkflächen in der Rosenstraße neben dem Car-Sharing-Stellplatz werden die Stadtwerke demnächst Strom anbieten. Damit wird das Angebot in Schorndorf nochmals erweitert. E-Tankstellen gibt es bereits bei den Stadtwerken, im Künkelin-Parkhaus, dem Oskar Frech-Seebad sowie der BayWa-Tankstelle in der Gmünder Straße.

Neue Tankstellen sind auch „ein Stück weit Bewusstseinsbildung“

Die bisherige Nutzung, darüber ist sich auch OB Klopfer im Klaren, sei „unbefriedigend“, der Betrieb nach wie vor ein Subventionsgeschäft. Das gelte auch für die Pedelec-Tankstellen. Die Förderung der Elektromobilität versteht Klopfer darum auch „ein Stück weit als Bewusstseinsbildung“. Welche Konsequenzen dies für das Stromnetz haben könnte, wenn es denn einmal intensiv genützt würde, unter anderem darum wird es bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke gehen.

Bettina Groß muss sich über die möglichen Konsequenzen einer vermehrten Nutzung der Stromtankstellen indes nicht groß Gedanken machen. Sie lädt ihr Elektroauto in der Regel ganz einfach an der heimischen Steckdose. Die Grunbacherin freut sich vor allem über die kostenlose Parkmöglichkeit, die sie nun in Schorndorf hat – und fährt in Zukunft noch ein wenig lieber mit ihrem Elektroauto in die Stadt.


Eine Million E-Autos

So viele soll es bis 2020 auf deutschen Straßen geben. Das hatte sich die Bundesregierung vor sechs Jahren zum Ziel gesetzt.

Laut Statistischem Bundesamt belief sich ihre Zahl Anfang des Jahres auf nicht einmal 35 000 Autos. Weniger als ein Prozent der Neuzulassungen sind elektrisch. Im öffentlichen Dienst beläuft sich der Anteil auf knapp fünf Prozent.

Das Millionen-Ziel hat die Kanzlerin inzwischen offiziell aufgegeben.

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