Schorndorf Familienpass bietet zahlreiche Vergünstigungen

Mit dem Familienpass gibt's 50 Prozent Ermäßigung auf Eintrittskarten ins Oskar-Frech-Bad. Foto: ZVW/Hardy Zürn

Schorndorf. Vor mehr als 30 Jahren eingeführt, profitieren aktuell 1500 Schorndorferinnen und Schorndorfer vom Familienpass und den damit verbundenen Vergünstigungen. Neuerdings können sogar Alleinerziehende mit einem Kind die Förderung auch ohne Einkommensnachweis beantragen – vorausgesetzt ihr Betreuungsumfang beträgt mindestens 75 Prozent.

50 Prozent Ermäßigung auf Eintrittskarten ins Oskar-Frech-Bad und in die Freibäder, für Veranstaltungen des Kulturforums und seit Anfang 2019 auch in die Forscherfabrik, dazu kommen Vergünstigungen für VHS-Kurse, auf Mitgliedsbeiträge der SG Schorndorf und des Reit- und Fahrvereins. Familien ab drei Kindern profitieren vom Schorndorfer Familienpass schon seit mehr als 30 Jahren. Weil Alleinerziehende besonders belastet und armutsgefährdet sind, können sie seit 1. Januar 2019 auch ohne Einkommensprüfung den Familienpass beantragen. Bedingung allerdings ist: Mindestens ein kindergeldberechtigtes Kind muss im Haushalt leben und die Antragstellerin/der Antragsteller muss die Hauptlast der Erziehung tragen. Der Richtwert lautet: mindestens 75 Prozent.

20 000 Euro Mehrausgaben

Da es in Schorndorf ungefähr 700 Alleinerziehende gibt, rechnet Christian Bergmann, Fachbereichsleiter Familie und Soziales, mit Mehrausgaben für die Stadt von 20 000 Euro. Doch die Investition lohne sich, schließlich solle sie den in der Mehrzahl alleinerziehenden Frauen mehr Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. Und auch bedürftige Familien mit weniger als drei Kindern können in den Genuss der Vergünstigungen kommen, wenn ihre gesamten Einkünfte den Hartz-IV-Regelsatz plus einem 30-Prozent-Zuschlag nicht überschreiten.

Jobcenter vergibt Bildungskarte

Empfänger des Arbeitslosengeldes II (Harz IV) haben seit acht Jahren außerdem einen gesetzlichen Anspruch auf Bildung- und Teilhabeleistungen. Eine entsprechende Bildungskarte kann beim Jobcenter beantragt werden und bietet Zuschüsse für Schullandheimaufenthalte, Ermäßigungen beim Schulessen, bis 18 Jahre eine Beteiligung an den Fahrtkosten zur Schule und Mitgliedsbeiträge für Sport- und Musikvereine. Bei Versetzungsgefährdung auf Empfehlung des Lehrers, erläutert Katrin Geigl vom Jobcenter Waiblingen, können sogar Kosten für Nachhilfe übernommen werden.

Der Familienpass, der in der Regel auf zwei Jahre befristet ist und den in Schorndorf vor allem kinderreiche Familien beantragen, wird in Schorndorf hauptsächlich für den vergünstigten Eintritt ins Oskar-Frech-Bad genutzt und (von den Eltern) für die kostenlose Nutzung der Stadtbücherei. 2017 wurde obendrein in 36 Fällen ein Teil der Kosten für VHS-Kurse übernommen und 50 Kindern die Teilnahme am Schullandheim ermöglicht.

Für Sabine Daunderer, Ansprechpartnerin für die Beantragung, ist der Schorndorfer Familienpass auch ein Türöffner für kulturelle Angebote: Mag der Büchereibesuch für bildungsnahe Familien eine Selbstverständlichkeit sein, kommen andere vielleicht erst mit dem Hinweis auf die kostenlose Nutzung auf die Idee, sich regelmäßig Bücher, CDs und andere Medien auszuleihen. Gemeinsames Ziel aller Maßnahmen ist für Christian Bergmann: Dass Familien zu ihrem Recht zu verhelfen und sie zu unterstützen, „wo es geht“.


Keine Angebote für den Landesfamilienpass

Im Gegensatz zum Schorndorfer Familienpass verhilft der Landesfamilienpass in Schorndorfer Freizeiteinrichtungen nicht zu einem vergünstigten Eintritt. Was, wie auch der Leiter des Fachbereichs „Familie und Soziales“, Christian Bergmann, weiß, immer wieder zu Kritik von Nicht-Schorndorfern, die im Besitz eines Landesfamilienpasses sind, führt. Wer so handle, könne sich nicht als „familienfreundliche Stadt“ bezeichnen, heißt es in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben, in dem zu bedenken gegeben wird, dass auch Auswärtige, die in Schorndorf einkauften und arbeiteten, die in Frage kommenden Angebote nutzten und somit mitfinanzierten.

Einerseits sei diese Kritik nachvollziehbar, meint Christian Bergmann auf Nachfrage, andererseits wär’s schlicht nicht vor- und darstellbar, dass beispielsweise das Oskar-Frech-Seebad von mit dem Landesfamilienpass ausgestatteten Familien überflutet werde. Der Landesfamilienpass sei bislang vor allem auf Landeseinrichtungen wie Schlösser und Museen und auf Freizeitparks ausgerichtet – seit diesem Jahr auch auf den Schwaben-Park in Kaisersbach –, weshalb die Anzahl der Kommunen, die sich für den Landesfamilienpass öffneten, auch noch recht überschaubar sei, meint der Fachbereichsleiter, der sich aber durchaus vorstellen kann, dass zumindest einmal überprüft wird, ob es nicht auch in Schorndorf ein, zwei Einrichtungen gibt, bei denen bei Vorliegen des Landesfamilienpasses Vergünstigungen gewährt werden könnten.

Das Ministerin für Soziales und Integration hat auf besagte Kritik am Schorndorfer Gebaren mit dem schriftlichen Hinweis reagiert, dass „der Landesfamilienpass eine Freiwilligkeitsleistung sowohl des Landes als auch von den Anbietern her“ sei und dass das Land deshalb auch keine Entschädigungszahlungen für entgangene Eintrittsgelder an die Kommunen leiste.
Das Ministerium weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass in Schorndorf die Galerien für Kunst und Technik bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2016 Partner des Landesfamilienpasses gewesen seien. 

Informationen:

  • Ansprechpartnerin für die Beantragung des Schorndorfer Familienpasses ist Sabine Daunderer. Kontakt: sabine.daunderer@schorndorf.de oder 0 71 81/602-3316.
  • Informationen zum Bildungspaket des Landkreises gibt es im Kreissozialamt unter 0 71 51/501-1453.
  • Fragen zu Bildungs- und Teilhabeleistungen beantwortet das Jobcenter Rems-Murr unter 0 71 51/9519-670 oder per E-Mail unter jobcenter-rems-murr.711@jobcenter-ge.de.
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